Südsee – Inseln – T a h i t i

„Traumziele, die das Herz höher schlagen lassen: tiefblaues Wasser, Plätschern der Wellen, sanftes Wiegen der Kokospalmen im leichten Wind, blauer Himmel, und vor einem nichts als der weite Horizont“, so oder ähnlich lauteten die Worte der bunten Prospekte, die bei uns den Eindruck eines Paradieses auf Erden vermitteln sollten. Ob Tahiti, Moorea und Bora Bora während unserer Reise wirklich wie ein Paradies wirkten, erzähle ich in folgendem Reisebericht.

Als junges Mädchen hatte ich in meinem Zimmer ein Poster von den „Frauen am Strand“ von Paul Gauguin. Ich betrachtete des öfteren das Bild und stellte mir vor, wie wunderbar es sein müsste, diese schönen Frauen mit den langen, schwarzen, blumengeschmückten Haaren und den bunten Pareos selber zu sehen und auch am weißen Strand von Tahiti unter Palmen zu sitzen, nichts zu tun und zu träumen. Damals war mir klar, dass ich meinen Traum später einmal, in ferner Zukunft, verwirklichen würde.

„Frauen am Strand“ von Paul Gauguin, Kopie

Dieser Traum wurde im Laufe der Jahre von anderen Wünschen überlagert. Viele Jahrzehnte später sah ich Mitte der Neunziger Jahre einen Prospekt, in dem eine Weltreise beschrieben wurde, die unter anderem auch Tahiti als Ziel hatte. Da die Reise während der Sommerferien stattfinden sollte, konnte ich diesen Jungmädchentraum Wirklichkeit werden lassen. Mein Mann wollte nicht mitfahren, denn es war ihm zu strapaziös. Außerdem hatte er nicht so viel Urlaub, und die Südsee interessierte ihn nicht so sehr wie mich. Er hatte aber nichts dagegen, wenn ich fahren würde. Da ich die Gruppenreise nicht allein machen wollte, fragte ich meine gerade 16 Jahre alt gewordene Tochter Vanessa, ob sie mitkommen würde. Und ob sie wollte! Diese Reise war möglicherweise der Grundstein für ihr später noch größeres Reisefieber als das meine. Inzwischen hat sie wesentlich mehr von der Welt gesehen als ich, und erst durch ihren Reiseblog (travellingcolognian.com) wurde ich animiert, meine Reise-Erinnerungen ebenfalls aufzuschreiben.

Da Tahiti für mich ein ganz besonderes Reiseziel war, besorgte ich mir vor Antritt der Reise alle Informationen, die ich bekommen konnte. Vor mehr als zwanzig Jahren gab es nicht die Möglichkeit, sich bereits im Internet Fotos der gewünschten Ziele anzusehen. So konnte ich mich nur durch Prospekte und Bücher informieren.

Ich erfuhr das Tahiti eine der Gesellschaftsinseln mitten in der Weite des Südpazifik ist. Die Südsee macht ungefähr ein Drittel des gesamten Planeten aus. Tahiti hat knapp 200.000 Einwohner und ist sowohl politisches, kulturelles, wirtschaftliches als auch touristisches Zentrum der vierzehn Inseln von Französisch-Polynesien. Tahiti und Moorea gehören zu den „Inseln über dem Wind“, das heißt, dass sie dem Wind zugewandt sind, Bora Bora gehört zu den „Inseln unter dem Wind“, die Insel ist also dem Wind abgewandt. Die Hauptstadt von Tahiti, und gleichzeitig die Hauptstadt von Französisch-Polynesien, ist Papeete, auch Sitz des Erzbistums Papeete. Amtsprache ist französisch. Tahiti ist eine Vulkaninsel, mit hohen Gipfeln, von denen der höchste der Mont Orohena mit 2241 m ist. Die schroffen Hänge sind grün mit tropischen Pflanzen bewachsen. Es gibt wenige natürliche Strände, die weißen Sandstrände, die auf den Reiseprospekten zu sehen sind, haben die großen Hotels künstlich aufgeschüttet. Das Klima ist ganzjährig tropisch-feucht; im August, in dem Monat unseres Besuches, war „Trockenzeit“, es gab praktisch keinen Regen. Wenn von Tahiti die Rede ist, meint man die größere der beiden Inseln, Tahiti Nui mit der Hauptstadt Papeete. Die kleinere, weniger erschlossene Insel Tahiti Iti, ist durch einen schmalen Landstreifen mit Tahiti Nui verbunden. Zusammen sind die Inseln 60 km lang und 30 km breit mit insgesamt 180.000 Einwohnern. Es gibt nicht sehr viele Sehenswürdigkeiten in Papeete: die Markthalle, in der die zahlreichen tropischen Früchte und Gemüse der Inseln verkauft werden, schwarze Perlen und Pareos, die es inzwischen auf der ganzen Welt gibt. Gauguin hatte sich 1891 nach Tahiti aufgemacht, um dort die Ruhe und die „Süße“ des Lebens zu genießen und sich ganz der Kunst zu widmen. Er war der Zivilisation überdrüssig und suchte den engen, ursprünglichen Zusammenhang von Mensch und Natur. Von diesem ersten Besuch war er enttäuscht, er hatte nicht damit gerechnet, dass es auch auf Tahiti politische Intrigen, Habgier, Egoismus und anderes geben würde, das ihn abschreckte (aber das erfuhr ich erst nach meiner Rückkehr aus der Südsee).

Diese Informationen hatte ich mir vor unserer Reise notiert. Eines Tages standen Vanessa und ich nach dem Besuch von mehreren anderen Reisezielen wie Bangkok, Sydney und Auckland im tatsächlich im Ankunftsgebäude des internationalen Flughafens von Papeete, Tahiti, und erhielten zur Begrüßung einen Blütenkranz und einen Cocktail aus tropischen Früchten. Es war nach Mitternacht, und wir waren nach einem Nachmittags-Flug von Fidschi und einer längeren Zwischenlandung in Rarotonga nur müde und wollten endlich ins Bett gehen.

Am nächsten Morgen sah alles anders aus, die Sonne schien glücklicherweise, das Frühstück draußen im Garten mit den vielen tropischen Früchten und Fruchtgetränken fanden wir wunderbar, und wir waren für neue Erfahrungen bereit.

Blick aus dem Fenster auf den Garten und das Meer

Gleich am ersten Tag erlebten wir eine tahitianische Hochzeit, die im Hotel gefeiert wurde. Sie war ganz anders, als wir das bisher kannten: das Brautpaar und die Gäste trugen die traditionelle Kleidung der Tahitianer, tanzten nach Südsee-Klängen und sangen wunderschön dazu. Lebensfreude pur!

Diese Tahitianer zeigten uns auf der Terrasse unseres Hotels verschiedene landestypische Handwerkskünste. Ich kaufte mir bei ihnen zwei Pareos, von denen ich dachte, dass sie nach der ersten Wäsche nicht mehr gut aussehen würden. Ich benutze sie schon seit vielen Jahren als Tischdecken, und es ist erfreulich, dass sie selbst nach zahlreichen Wäschen wie neu aussehen; es ist also keine typische „Touristenqualität“.

Unser Hotel lag etwas außerhalb von Papeete, es war ein schönes Hotel mit großen Zimmern, von einer gut angelegten Gartenlandschaft umgeben, und es lag direkt am Wasser. Allerdings war es kein typisches Südsee-Hotel, wie wir es von Fidschi kannten. Dafür hatte es eine großen Vorteil: vom Garten aus hatten wir einen spektakulären Blick auf die türkisfarbene Lagune mit einem Korallengürtel davor und vor allem auf die siebzehn Kilometer entfernte Nachbarinsel Moorea.

Blick vom Hotel: Moorea scheint zum Greifen nah

Es war faszinierend, das sich ständig ändernde Wolkenbild zu betrachten: mal schien ein Gewitter zu drohen, dann nahmen die Wolken eine dramatische Färbung an, später strahlte die Sonne wieder und ließ die intensiven Farben der Lagune und des Meeres leuchten. Besonders interessant war das Bild am späten Nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang. Vor der Kulisse der Insel Moorea sahen wir jeden Tag mehrere Viererkanus mit Steuermann, die um die Wette paddelten. Einmal kamen sie aus entgegengesetzten Richtungen und schienen jeden Moment zusammen zu stoßen. Das war aber nie der Fall, die Perspektive täuschte.

Traum-Insel, Motu

Vanessa und ich fuhren jeden Abend nach Sonnenuntergang mit einem Tuk Tuk in das Zentrum von Papeete, denn wir wollten das Leben der Hauptstadt kennenlernen und nicht nur im Hotel sein. Auch wollten wir authentische, tahitianische Speisen kennenlernen. Papeete war kein verträumtes Südsee-Städtchen, wie sich das viele vorstellten (auch ich ein wenig, obwohl ich es anders gelesen hatte), sondern eine lebhafte, geschäftige Stadt. Auf dem zentralen Platz am Hafen, dem Place Vaiete, waren jeden Abend mehrere Imbisswagen – sogenannte „Roulottes“ – aufgebaut. Dort probierten wir uns durch die angebotenen Gerichte durch. Es war längst nicht so teuer wie in den Restaurants oder im Hotel in Papeete, vor allem waren es – neben den üblichen Pizzen – viele Insel-typische Gerichte. Während wir im Flughafen von Papeete und im Hotel immer mit „maeva“ (Willkommen) empfangen wurden, spürten wir im Hafen von Papeete bei einigen Einheimischen eher Zurückhaltung, keine ehrliche, überbordende Freundlichkeit wie auf Fidschi. Die wirtschaftliche Lage auf Tahiti war damals nicht sehr rosig, und die Möglichkeiten der Menschen, eine Arbeit zu finden, waren  auf der Inseln nicht besonders gut;  es gab viele Arbeitslose. Auf den kleineren Inseln gab es noch weniger Arbeitsmöglichkeiten.

Blick auf Papeete

Am nächsten Tag machten wir mit der Gruppe eine Inselrundfahrt. Unterwegs hielten wir auf einer Anhöhe, von der aus wir einen phantastischen Blick über die Westküste Tahitis und auf die Insel Moorea hatten.

Blick von einer Anhöhe über den Westen Tahitis und auf Moorea im Hintergrund

Anschließend fuhren wir auf der gut ausgebauten Ringstraße um Tahiti Nui, die insgesamt 120 km lang ist, bis in den Süden von Tahiti zum schönen Botanischen Garten. In der sehr gepflegten, tropischen Anlage befand sich das Gauguin-Museum , ein wesentliches Ziel meiner Reise. Es waren dort zwar keine Originale ausgestellt, dafür gab es aber die Drucke aller mir bekannten Südseegemälde von Gauguin, auch das der „Frauen am Strand“, das mich als junges Mädchen so beeindruckt hatte. Außerdem gab es Schautafeln, auf denen das Leben von Paul Gauguin skizziert war, Zeichnungen, Radierungen und vieles andere mehr  in sehr gutem Zustand. Ich war jedenfalls sehr glücklich, das alles in der Original-Umgebung gesehen zu haben. Heute soll das Museum leider etwas vernachlässigt sein, weil die Geldmittel für die Renovierung fehlen.

 

 

 

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