Sydney, Australien

Sydney, das zweite Ziel unserer Weltreise, ist die größte und zugleich älteste Stadt des australischen Kontinents. Sie ist die Hauptstadt von New South Wales mit einer enormen Ausdehnung. Captain Cook war 1770 während seiner Entdeckungsreise am Südrand des heutigen Sydney vor Anker gegangen und hatte dem Land den Namen New South Wales gegeben. Achtzehn Jahre später, am 26. Januar 1788, gründete Captain A. Phillip die Stadt Sydney im geschützten Sydney Cove.

Seit diesem Tag ist Australien britische Kronkolonie und der Tag der Gründung „Australia Day“, australischer National-Feiertag. Captain Phillip hatte ungefähr 800 Strafgefangene mitgebracht, für die Sydney als Aufenthaltsort vorgesehen war. Außerdem waren rund 600 Freiwillige mit Phillip mitgekommen, die sich dort dauerhaft niederlassen wollten und sesshaft wurden.

Die Lage von Sydney ist einzigartig, die Stadt liegt in einer schönen Bucht in einem der attraktivsten Naturhäfen der Welt. Die zerklüfete Bucht ist ungefähr fünfzig Quadratkilometer groß und hat viele fjordähnliche Einschnitte. Die Ausdehnung der Stadt ist immens, das hatte ich bereits beim Anflug auf Sydney gesehen, sie reicht bis ins bergige Hinterland.

Blick vom Fernsehturm auf Sydney Richtung Osten

Anreise nach Sydney

Meine Tochter und ich kamen aus Bangkok, dem ersten Ziel unsere Weltreise. Dort war das Flugzeug mit zwei Stunden Verspätung gestartet, so dass wir erst spät abends in Sydney waren. Dadurch, dass unser freundlicher Sitznachbar, ein Australier, uns seinen Fensterplatz überlassen hatte, konnten wir unterwegs bereits etwas von Australien sehen: unendliche, fast baum- und strauchlose Gegenden und plötzlich mitten drin rote kugelige Berge, die „Olgas“ in der Nähe von Ayers Rock im Zentrum Australiens. Schon beim Anflug auf Sydney konnten wir die enorme Ausdehnung der Millionenstadt sehen. Wir flogen mehr als eine halbe Stunde über die Vororte Sydneys hinweg, bis wir endlich nach ungefähr neun Stunden Flugzeit auf dem Flughafen des Internationalen Flughafens von Sydney landen konnten.

Meine Tochter und ich hatten keine Probleme beim australischen Zoll, eine ältere, reizende Dame, die mit ihrem Enkel die Weltreise mitmachte, dagegen umso mehr. Sie wurde zuerst gefragt, ob sie „Würstchen“ dabei hätte. Als sie das verneinte, wurde sie regelrecht „gefilzt“, d.h. das Gepäck äußerst gründlich durchgesehen, ob sie nicht doch etwas Verbotenes dabei hatte, bis sie schließlich empört sagte: „we come from Köln, on the Rhein“. Damit war alles gesagt, sie konnte genau wie wir den Flughafen verlassen.

In Sydney wohnten wir in einem schönen Hotel einer japanischen Hotelkette. Es lag zwar etwas außerhalb des Zentrums, aber wir konnten mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos überall hin fahren. Vor dem Hotel gab es einen atrraktiven, großen Springbrunnen, wie ich ihn vorher noch nie gesehen hatte. Inzwischen findet man ähnliche Springbrunnen öfter.

Bei einer Stadtrundfahrt lernten wir die interessante Stadt kennen. Wir fuhren auch mit dem Aufzug auf die oberste Plattform des mehr als 300 Meter hohen Sydney Tower, eines Fernseh- und Aussichtsturms, von dem aus wir einen atemberaubenden Rundblick über die Bucht bis zum Pazifischen Ozean hin, über die Stadt und die Umgebung hatten.

Danach fuhren wir durch die südlich der Bucht gelegenen Stadtteile, wie z.B. Double Bay (scherzhaft Double Pay genannt, weil es damals eine der teuersten Wohngegenden von Sydney war) zu den südlichen Stränden. Am fast menschenleeren, hufeisenförmigen Bondi-Beach trafen wir eine Gruppe von sechs älteren Herren, mit denen wir uns unterhielten. Sie sagten, dass sie sich jeden Tag des Jahres, selbst bei 14 Grad Wassertemperatur, hier treffen , um zu schwimmen, am Strand entlang zu laufen und sich zu unterhalten. Das würde sie fit bis ins hohe Alter halten. Sie nannten sich „Club der harten Männer“, und sie waren die einzigen Personen, die im Meer schwammen, sonst sahen wir nur einige Jogger, die den Strand entlang liefen. Es war gerade australischer Winter, und für viele Einheimische war es bei Temperaturen um die 20 Grad viel zu kalt für den Strand.

Strand von Manly

Meine Tochter und ich wollten keine organisierten Ausflüge mitmachen, sondern statt dessen lieber selbstständig etwas unternehmen. Vor allem wollten wir die bekanntesten Tiere Australiens, Koalas und Kängurus, sehen. Ich hatte gelesen, dass man mit dem Zug in ein ungefähr 50 km entferntes Wildlife-Reservat fahren konnte, in dem es Koalas, Kängurus und andere vorwiegend endemische Tiere Australiens gab. Die Hinfahrt war problemlos, zuerst eine Bahnfahrt von einer knappen Stunde und dann mit einem Bus bis zum Reservat. Es war ein sehr schönes, weit ausgedehntes Reservat, in dem die Tiere naturgemäß gehalten wurden.

Dieser Koala-Bär schien uns direkt anzusehen

Am meisten interessierten mich die Koalas, deshalb waren es die ersten Tiere, die wir in dem Wildlife Reservat aufsuchten. Ich war sehr angetan von den possierlichen Tieren mit der prägnanten schwarzen Nase. Ich hatte sie mir viel größer vorgestellt; sie waren nur 50 – 60 cm groß, und ich sagte zu einem der Angestellten, dass sie wohl dementsprechend leicht sein müssten. Darauf hin gab er mir und auch Vanessa je einen Koala auf den Arm, und wir waren überrascht, dass sie schwerer waren, als sie aussahen (das Foto von Vanessa mit dem Koala ist leider nicht ganz scharf, ein Angestellter des Reservats hat fotografiert).

Koalas werden in freier Wildnis normalerweise 60 bis 85 cm groß und wiegen acht bis vierzehn Kilogramm; sie schlafen bis zu 22 Stunden des Tages. Sie leben normalerweise in lichten Eukalyptus-Wälder und ernähren sich vorwiegend von den Blättern des Baumes. Koalas sind Beutelsäuger wie Kängerus und Wombats; genau genommen gehören sie aber nicht zu den Bären.

Es gab in dem Reservat auch Kängurus in unterschiedlichen Farben, Größen und Gewicht. Die Tiere haben im Gegensatz zu den meisten Tieren wesentlich längere und kräftigere Hinterläufe, auf die sie sich stützen können. Die kürzeren Vorderpfoten benutzen sie vorwiegend zur Nahrungsaufnahme und zum Abstützen. Das Fell ist meist in Rotbraun- oder Grautönen gefärbt. Das Känguru hat im Verhältnis zum Körper einen kleinen Kopf und große Ohren.Unter den Kängurus im Wildlife Reservat war auch ein Albino, ein weißes Känguru, das in freier Wildnis oft von den anderen Tieren ausgegrenzt wird, sich aber in Reservaten gut entwickeln kann.

Zu den einheimischen Tierarten, die wir im Wildlife Reservat sahen, gehörten auch Emus und Wombats. Emus sind dem Vogel Strauß sehr ähnlich und gehören ebenfalls zu den fluguntauglichen Laufvögeln. Sie werden bis zu zwei Meter hoch, haben nur jeweils drei Zehen und können mit ihren langen Beinen bis zu 50 Stundenkilometer schnell laufen. Wir wurden gebeten, den Emus nicht zu nahe zu kommen, weil die Tiere agressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen.

Fluguntauglicher Emu, der bis zu 2 m groß werden kann 

Wombats gehören wie die Kängerus zu den Beutelsäugern. Sie werden bis zu 100 cm lang und sind 20 bis 40 Kilogramm schwer. Sie haben einen kompakten Körperbau mit kurzen, kräftigen Gliedmaßen. Wombats sind nachtaktiv und leben vorwiegend in Höhlen, die sie sich selbst graben.

Wombat

Wir waren so sehr mit der Besichtigung des Wildlife-Reservats beschäftigt, dass wir nicht auf die Uhrzeit geachtet hatten. Inzwischen war es nach 17 Uhr, und der letzte für uns in Frage kommende Zug nach Sydney war bereits weg. Uns blieb nichts anderes übrig, als ein vorbei kommendes Auto anzuhalten und den Fahrer zu bitten, uns nach Sydney mitzunehmen. Der Fahrer des Autos zögerte erst, weil auf dem Beifahrersitz bereits seine Frau saß und sie auf der Rückbank das Ruderblatt eines ziemlich großen Segelschiffes verstaut hatten. Erst als wir sagten, dass wir sonst keine Möglichkeit hätten, wieder zurück nach Sydney zu kommen, willigte er ein und nahm uns mit. Es war durch das Ruderblatt sehr eng auf der Rückbank, und wir saßen etwas eingklemmt, aber wenigstens kamen wir heil in Sydney an.

Opernhaus und Harbour Bridge von Sydney

In den noch verbleibenden Tagen sahen wir uns vor allem das weltberühmte Opernhaus, „Sydney Opera House“, von allen möglichen Seiten, an Land und vom Wasser aus, an. Das Opernhaus wurde 1932 fertiggestellt und liegt auf der Halbinsel Bennelong Point und ist ein architektonisches Meisterwerk. Die äußere Form sieht für mich wie aufgeblähte Segel aus, andere finden, dass es eher einer Muschel oder einer Schildkröte gleicht.

Oper in Sydney

Wir schlenderten am Circular Quay, an dem die Fähr- und Kreuzfahrtschiffe anlegen, vorbei und gingen bis zum renovierten früheren Hafenvierteil „The Rocks“, in dem es jetzt viele Restaurants, Bars, Boutiquen und hochpreisige Wohnungen gibt. Dabei sahen wir eines Nachmittags, wie eine Nachbildung der Segelschiffes „Bounty“ von einem Ausflug mit Touristen zurückkehrte. Die „Bounty“ war ein Dreimaster, der 1787 unter britischer Flagge in der Südsee segelte und vor allem durch die oftmals verfilmte „Meuterei auf der Bounty“ bekannt wurde.

Vom Circular Quay fuhren wir mit einer Fähre nach Darling Harbour, auf der anderen Seite von „The Rocks“. Das Stadtviertel Darling Harbour war bei unserem Besuch noch ziemlich ursprünglich, wurde aber vor der Olympiade 2000 aufwändig restauriert und modernisiert. Wir hatten Darling Harbour bereits von oben, vom Fernsehturm, gesehen. Darling Harbour ist ein mehr als fünfzig Hektar großes Areal; es gibt dort viele Geschäfte, einen Ausstellungszentrum, Bars, Restaurants, ein Museum und ein Aquarium. Mein Mann und ich konnten uns von den Veränderungen durch die Modernisierung einige Jahre später selbst überzeugen.

Blick vom Fernsehturm auf Darling Harbour und das östliche Sydney

Besonders gut gefiel mir die Fahrt mit der Fähre vom Zentrum Sydneys, dem Circular Quay, nach Manly, einem nordöstlichen Vorort etwa 15 km von Sydney entfernt mit einem schönen Strand, der zwar im australischen Sommer völlig überlaufen ist, aber während unseres Aufenthalts fast menschenleer war. Während der Fahrt kamen wir an verschiedenen Stadtvierteln Sydneys, zahlreichen Buchten und vielen Segelschiffen vorbei. Als ich mit meinem Mann einige Jahre später noch einmal in Sydney war, haben wir diese Fahrt nach Manly häufig gemacht, denn eine bessere Sightseeing-Tour konnten wir uns nicht vorstellen.

Opernhaus von Sydney

Opernhaus und Zentrum von Sydney, rechts Schiffsanlegestelle und Circular Quay

Opernhaus und Harbour Bridge

Es war bereits später Nachmittag, als wir mit der Fähre von Manly wieder nach Sydney zurückkehrten. So sahen wir die faszinierende Skyline von Sydney im Licht der untergehenden Sonne.

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