Toskana 2018 – Bericht eines Nicht-Bloggers

Ein Nicht-Blogger unter Profis. Max, der Chief Blogger Officer, hat gerufen und alles gut organisiert. Wir treffen uns in Pisa am Pisamover, einem führerlosen Zug zwischen Flughafen und Bahnhof, und gleich geht es los mit viel Kultur: Der Torre steht immer noch schief neben dem Dom, ein herrlicher Anblick bei strahlender Sonne. Begonnen ab 1173, neigte er sich noch während der Bauzeit, weil der Untergrund nicht fest genug war. Das schwindelerregende Besteigen schenken wir uns: Die alte Stadtmauer gegenüber ist nicht so hoch, der Eintritt gering, die Aussicht aber fast genauso schön. Der Dom neben dem Turm ist beeindruckend: Vier Geschosse hoch in Marmor mit einer mächtigen Kuppel. Im Innern beeindruckt die Kanzel, die reich mit Reliefs und Statuen geschmückt ist. Ebenso lohnend ist der Blick zur Decke, die vollständig vergoldet ist. Das Baptisterium gegenüber ist die größte Taufkirche der Welt.

Schiefer Turm von Pisa

Im Dom von Pisa

Duomo Santa Maria Assunta

Baptisterium, Dom und Torre Pendente auf der Piazza dei Miracoli

Am nächsten Tag fahren wir mit der Bahn nach Florenz, um noch eine Bloggerin zu treffen und die Mietwagen zu übernehmen. Für uns ist das eine Tortur: Erst suchen wir lange nach dem Büro, dann warten wir weit über eine Stunde auf unseren Wagen; die Firma Hertz hat nicht genug Fahrzeuge und muss sie erst vom Flughafen „einfliegen“. Über die Autostrada und Landstraßen fahren wir dann nach Pontecino, wo Max uns am Straßenrand erwartet; ohne ihn hätten wir den kleinen Schotterweg zu dem Haus zwischen Wald, Hügeln und Weinbergen nie gefunden. Das Haus bietet viel Platz, mehrere Bäder, eine große Wohnküche und einen Pool; Pontecino ist nicht weit von Arezzo in der Toskana entfernt.

Die beiden Häuser der Reiseblogger WG bei Arezzo

Arezzo

Während Max am Sonntag nochmals nach Florenz fährt, um eine weitere Bloggerin und einen größeren Wagen für die ganze Frauenpower abzuholen, fahren wir nach Arezzo, um uns die bis ins 4. Jh. v. Chr. zurückreichende etruskische Stadt anzusehen. Bei dem Versuch, ein Parkticket für den Wagen zu ziehen, scheitern wir zunächst. Marie, meine Frau, fragt eine alte Dame in ihrem Wagen um Rat, doch auch sie scheitert, bis ihre noch ältere Begleiterin ihr zuruft, dass sonntags das Parken frei ist.

Die Stadt liegt auf einem Hügel weithin sichtbar, die engen Gassen mit alten, typisch italienischen Häusern führen hinauf zum Duomo, der außen eher schlicht wirkt. Den Innenraum sollte man vormittags besuchen, dann leuchten die Glasfenster aus dem 16. Jh. eindrucksvoll. Der Blick nach oben zeigt einige alte Fresken. Vor dem Dom steht ein „geteiltes“ Pferd; das Motiv taucht auf der Piazza Grande nicht weit entfernt wieder auf. Dieser Platz ist umgeben von vielen alten Patrizierhäusern und zeigt pralles italienisches Leben in den umliegenden Cafés und Restaurants; die Menschen genießen die Sonne, ihren Espresso und den Schwatz mit ihren Nachbarn. Ein Besuch in der Kirche San Francesco ist ein Muss; erbaut im 14. Jh. schmücken zahlreiche Fresken die Wände.

  Fresken an der Decke des Doms von Arezzo

Dom von Arezzo

Piazza

Rathaus von Arezzo

Am späten Abend ist die Frauenpower – fünf – dann vollständig. Ohne viele Diskussionen machen sie sich über die mitgebrachten Vorräte her, putzen, schnibbeln, dünsten und zaubern ein schmackhaftes Essen. Wir Männer – zwei – sind eher für die einfachen Dienste, Tisch decken, abräumen und die Spülmaschine füllen, zuständig. Am nächsten Tag wird es dann ernst; Max unterweist in die Feinheiten des Bloggens wie Suchmaschinen-Optimierung und Webseiten-Gestaltung. Heftiges Geklapper der Tastaturen, manchmal auch Geplapper der Lernwilligen. Für mich böhmische Dörfer, aber der Pool entschädigt für Unverstehbares.

Montepulciano

Nach so viel Geistesblitzen ist am nächsten Tag wieder Entspannung angesagt: Die Gruppe fährt nach Arezzo, wir kennen das schon und fahren nach Montepulciano, bekannt auch durch den erstklassigen Wein Vino Nobile. Wieder ein typisches Städtchen auf einem Hügel gelegen mit trutzigen Stadtmauern gegen die bösen Feinde, die heute als Touristen willkommen sind. Der Marktplatz mit herrlichen Patrizierpalästen ist einen Fotostopp wert oder einen Cappuccino in den Cafés rund herum; typisch italienische Lebensart mit Muße und dem Schwatz mit den Nachbarn.

Montepulciano

Uhrenturm von Montepulciano

Aussicht von Montepulciano

Weinstöcke an der Strada del Vino Nobile

Lago di Trasimeno

Der Lago Trasimeno auf dem Rückweg enttäuscht etwas: Vor lauter Schilf am Ufer kommt man kaum heran, die Saison ist hier schon zu Ende.

 

 Lago di Trasimeno, Nordufer

Siena

Nach einem weiteren Lerntag geht es dann nach Siena, der Schönen in der Toskana. Weithin sichtbar auf einem Hügel, wie viele Städte hier, erwartet sie Aufsteigen – Schnaufen als Dreingabe –, das sich aber lohnt: Die rote Piazza del Campo ist ein städtebauliches Juwel, so etwas können unsere Städtebauer heute nicht mehr. Ob die Tauben oder die Touristen in der Überzahl sind, können wir nicht abschätzen, von den Touris sind jedenfalls zu viele da; überall Schlangen vor den Kassen. Der Platz ist umgeben von Palästen, Mittelalter pur. Der Blick vom Torre mag herrlich sei, die vielen Stufen mit erneutem Schnaufen schenken wir uns.

Piazza del Campo

 

 Dom von Siena

Nach einem weiteren Tag mit Lehren und Lernen – ohne mich – ist der schöne Urlaub in der Toskana unter blauem Himmel und warmer Sonne dann schon wieder vorbei, die Abreise droht. Hätten wir geahnt, was uns erwartet, wären wir geblieben: In Florenz gestaltet sich die Rückgabe des Wagens zum Horrortrip, die Straße mit der Garage scheint es nicht mehr zu geben. Trotz Befragung der Polizei, zweier Politessen, eines Hotelportiers und aller restlichen Bürger der Stadt irren wir weit über eine Stunde durch die engen Gassen von Florenz, hindern alle anderen Autos an der Weiterfahrt, bis wir schließlich bekannte Gassen finden. Das Auto geht uns unter dem Hintern weg, Hertz braucht es für die neuen Kunden dringend, die wieder in Schlangen vor dem Büro auf der Straße warten.

Florenz

Uns bleiben noch zwei Tage Sightseeing in Florenz mit dem Marmordom, dem Torre und dem Baptisterium, ein Gesamtkunstwerk, das viel zu viele Touristen bestaunen; wie zur Rushhour zu Hause gibt es kaum ein Durchkommen. Ruhiger geht es da in der Kirche Orsanmichele zu, die schönen Fenster und Fresken laden zu einem Moment der Muße ein. Und dann weiter zum Palazzo Veccchio, den Uffizien und der Ponte Vecchio, alles alte berühmte Kunstwerke und belagert von Touris, bewaffnet mit Kameras und Smartphones mit Selfiesticks. Der Weg hinauf zum Piazzale Michelangelo ist wieder mühsam; warum haben die Leute ihre Städte nur auf die Hügel gebaut?

Palazzo Vecchio und Dom in Florenz

Blick vom Piazzale Michelangelo auf Florenz und Fluss Arno

Duomo Santa Maria del Fiore

Portal des Doms

Ponte Vecchio abends

Die Rückreise ist dann ein Wermutstropfen: Eurowings kann manchmal pünktlich, aber heute ist nicht manchmal: zwei Stunden Verspätung nerven abends besonders. Und am Flughafen Köln, dem Airport der kurzen Wege, beobachten wir am Gepäckband eine Viertel Stunde lang einen einsamen Koffer, den keiner haben will, auf seinem Rundkurs; früher war eben alles besser, da war das Gepäck manchmal vor den Fluggästen da. O Tempora…

Alles in Allem eine neue, gute Erfahrung: Eine Reiseblogger-WG mit erwachsenen Leuten, aufgeschlossen und wissbegierig, auch wir Alten offen für Neues.

Danke Max!

 

6 Kommentare zu „Toskana 2018 – Bericht eines Nicht-Bloggers

  1. Hallo, Marie. Hallo, Werner.
    Ich will mich bei euch Beiden bedanken. Dafür, dass ihr so zauberhafte Mitbewohner wart. Für die tollen Gespräche, das aufmerksame Zuhören – oder leise Planschen im Swimming-Pool. Für das Fleisch wenden beim Grillen und das Aufsetzen des Kaffees. Für ein Essen gehen in geselliger Runde, und dafür, euch beide kennengelernt zu haben!
    Auf ein Wiedersehen eines Tages!
    Arrivederci. Tot ziens. Bis bald!
    Max

    Gefällt 1 Person

  2. Mensch Werner! Die Blogger-WG hat schon etwas gebracht – Du bloggst und zwar sehr unterhaltsam :-)!! Du hast das für mich lebenswichtiges Kaffee kochen morgens vergessen.
    Sehr schade, dass Ihr beim Rückflig Verspätung hatte – ich auch, war dann mit der letzten Bahn Montag morgen zu Hause. Ich freue mich auf ein Wiedersehen Ihr Beiden!!

    ganz liebe Grüße aus Berlin
    Katharina

    Gefällt 1 Person

  3. Hat dies auf Ned Hamson's Second Line View of the News rebloggt und kommentierte:
    Vivaldi translation of introduction: Tuscany 2018 – report by a non-blogger
    4. Oktober 2018
    A non-blogger among professionals. Max, the chief blogger officer, called and organized everything well. We meet in Pisa on the Pisamover, a driverless train between the airport and the train station, and we start with a lot of culture: the Torre is still crooked next to the cathedral, a wonderful sight in the bright sun. Starting in 1173, he leaned during construction because the subsoil was not solid enough. We give ourselves the dizzying ascent: the old city wall opposite is not so high, the entrance is low, but the view is almost as beautiful. The cathedral next to the tower is impressive: four floors high in marble with a mighty dome. Inside, the pulpit is impressive, richly decorated with reliefs and statues. It is also worthwhile to look at the ceiling, which is completely gold-plated. The Baptistery opposite is the largest baptismal church in the world.

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