China 2002 – Bericht eines Nicht-Bloggers

Dass die Chinesen am Jangtsekiang den Drei-Schluchten-Staudamm bauen, um ihren Energiebedarf zu decken, hatte ich in den Medien gelesen. Wenn der Damm fertig und der Fluss aufgestaut ist, kann man dort keine Schiffsreise mehr machen, meint meine Frau. Aber sie haben den Fluss noch nicht trocken gelegt! Damit ist klar: Unsere nächste Reise geht nach China. Weil wir damals noch nicht so erfahren im Reisen oder einfach nicht mutig waren, buchen wir eine Pauschalreise.

Wir starten in Frankfurt und haben uns Plätze in der ersten Reihe – Holzklasse – gesichert. Neben uns sitzt ein Afrikaner, groß, massig, verstaut seine Sachen, schnallt sich an und schläft sofort ein. Das erste Essen nimmt er noch mit, allen weiteren Services der Stewardessen verpennt er einfach. Dumm nur, dass er durch seine Fülle auch die Hälfte meines Platzes einnimmt. Wenn man wie wir auf einem Nachtflug – ist ja billiger – nicht schlafen kann, ärgert einen das zutiefst.

Blick vom Wasser auf die Skyline von Hongkong Island

Unsere Reise in das Land der uralten Kultur startet in Hongkong, dieser alten und doch so neuen Stadt im Südosten des Landes. Die Silhouette der Stadt ist zunächst sehr modern mit vielen Hochhäusern wie überall auf der Welt.

Aussicht vom Victoria Peak auf Hongkong

Aber dazwischen in kleinen Gassen finden wir noch traditonelle Märkte mit allem, was man braucht – oder auch nicht. Den besten Blick auf die Stadt hat man vom Victoria Peak; hinauf kommt man mit der Peak Tram, lange Wartezeit und nicht gerade billig. Einfacher geht es mit dem Bus 15 nahe MRT Hongkong Station Exit D. Auch eine Fahrt mit der Star Ferry von Koowlon zur Hongkong Island gegenüber ergibt schöne Ausblicke.

Gasse mit alten Häusern in Guangzhou

Weiter geht es nach Kanton – Guangzhou -, einer alten Handelsstadt am Li-Fluss. Wir besuchen den Chenjia Ci Tempel, den eine reiche Familie 1894 errichten ließ, und bewundern unzählige Schnitzereien aus Holz und Stein. Mich beeindruckt eine große Jadekugel, etwa 1 Meter Durchmesser mit zahllosen kleinen Öffnungen, hinter denen man innen in der Kugel weitere kleinere Kugeln sieht, alles aus einem Stück.

Jadekugel von 1 m Durchmesser in Kanton / Guangzhou

Unser Guide zeigt uns auch die mit bunt glasierten Keramikfiguren verzierten Dachfriese mit geschichtlichen Darstellungen.

Weiter flussaufwärts liegt Guilin – Guangxi – mit einer ganz eigenartigen Landschaft aus Kalksteinfelsen, die wie Zuckerkegel aus der grünen Landschaft ragen.

Landschaft am Li-Fluss

Einige davon kann man besteigen, schweißtreibend und schnaufend, aber das Panorama entschädigt für die Mühe. Wir genießen diese Landschaft auf einer Schifffahrt bis nach Yangshuo. Auf dem Fluss lassen Fischer ihre Kormorane nach Fischen tauchen; damit die Vögel die Beute nicht selbst verschlingen, haben die Fischer ihnen die Hälse abgebunden.

Kormoran-Fischer mit Floß

Höhepunkt unserer Reise und der eigentliche Anlass ist die Flusskreuzfahrt auf dem Jangtse, dem längsten Fluss Chinas und ganz Asiens, dem drittlängsten der Welt. Wir fliegen nach Chongqing im Südwesten des Landes, aber wir sehen von der Stadt kaum etwas, unser Guide führt uns vom Flughafen direkt zum Schiff. Komfort und Ambiente sind etwas schlichter als bei uns in Europa, aber in Ordnung. Der Fluss zwängt sich durch eine beeindruckende Landschaft, eingebettet zwischen Bergen zu beiden Seiten. Die braunen Fluten haben eine starke Strömung und Felsen unter Wasser, man bemerkt, dass der Schiffsführer ständig das Ruder korrigieren muss.

Braune Fluten des noch nicht gestauten Jangtsekiang

Yangtze, Jangtsekiang oder Jangtse – drei Namen für denselben Fluss

Abendstimmung am Jangtsekiang

Am Ufer liegen kleine Ortschaften, teils sind sie schon auf höheren Regionen neu erbaut; die alten Häuser werden bei steigenden Wasserstand wohl untergehen. Als Ausflug fahren wir mit einem Ruderboot in einen kleinen Seitenfluss; die Ruderer müssen sich mächtig anstrengen und schwitzen; mir ist das unangenehm, diese Männer so für uns schuften zu sehen, aber schließlich ist das Arbeit für sie, die sie sonst nicht hätten. In einer Pause können wir das einfache Leben der Menschen auf dem Land beobachten; eine Verständigung mit ihnen scheitert an der Sprache, Englisch ist hier unbekannt. Endpunkt der Fahrt ist der Drei-Schluchten-Staudamm.

Von einem Aussichtspunkt sehen wir Beton, soweit das Auge reicht, eine riesige Baustelle mit meterhohen Zwischenwänden, Kräne in noch nicht gesehen Ausmaßen; nur Landschaft sieht man bei all der Buddelei keine.

Bau des Jangtse-Staudamms

Den Abschluss der Reise bildet Peking – Beijing -, die Hauptstadt des Landes, die mit krassen Gegensätzen zwischen alt und neu beeindruckt. Aber sie arbeiten daran, das Alte auszumerzen, die Hutongs abzureißen, die Leute zwangsumzusiedeln und alles neu zu machen, Mega-Hochhäuser hinzusetzen. Schade!

Der Sommerpalast, der kaiserliche Lustgarten, ist ein riesiger Vergnügungspark der Pekinesen, aber ohne den von Amerika bekannten Rummel, noch ganz in der Tradition des kaiserlichen China.

Sommerpalast, Peking

Der Himmelstempel ist der größte Altar in der Stadt, auch ein großer grüner Park, erbaut im 15. Jahrhundert. Der kreisrunde Bau symbolisiert die Form des Himmelsrundes, das Blau seine Farbe.

Himmelstempel, Peking

Die „verbotene Stadt“, der Kaiserpalast wird heute von Völkermassen besucht; er stammt aus der Ming-Zeit im 15. Jahrhundert. Das Zentrum sind die drei gewaltigen Thron- und Audienzhallen, überall mit schmückenden Drachen und Löwen versehen. Die Dächer sind mit glasierten Tonziegeln und den bekannten tierischen Keramikfiguren bedeckt.

Verbotene Stadt

Abends geht es dann vom Hotel auf eigene Faust zu einem benachbarten Restaurant. Die Geschäftsführerin verspricht Hilfe beim Bestellen, weil sie Englisch kann. Doch ihr Englisch ist so gut wie unser Chinesisch, also gleich null. Die Bilder der Karte versprechen kulinarische Highlights, doch es gibt viel Knochen zum Knabbern, aber nichts zum Sattessen. Da ist das Frühstück am nächsten Morgen im Hotel einfach, man kann am Buffet aussuchen und erkennt das Angebot sogar wieder. Und wer steht am Buffet? Unser Nachbar von gegenüber. Wir wissen, dass er auch eine Reise nach China unternimmt, aber die genauen Daten seiner Route kennen wir nicht. Man muss aus einer Kleinstadt in Deutschland erst nach China reisen, um sich zu treffen. Die Welt ist doch klein. Unser Nachbar gibt uns einen Tipp, wie man mit einem Wörterbuch in der Hand „Leis“ bestellt und auch bekommt, was man gerne hätte. Wir können dagegen nicht helfen, wie man das „Geschredderte“ vermeidet und ein ordentliches Steak  essen kann. So muss der Arme das Vorgekaute „genießen“. Immerhin muss man nicht mit Stäbchen essen, es gibt auch Besteck für die Langnasen.

Lama-Tempel

 Der Tag hat die chinesische Mauer bei Badaling auf dem Programm, diesem gigantischen Bauwerk von einst 20.00 Kilometer Länge zur Abwehr der feindlichen Horden. Heute klettern Horden von Touristen aller Nationen auf der Mauer herum. Wir keuchen bei fast 40 Grad bei sengender Sonne die steilen Stufen hoch, aber die umwerfende Aussicht über Berge und Schluchten wollen wir uns nicht entgehen lassen, wenn wir schon so weit gereist sind; andere Teilnehmer der Gruppe warten unten, ihnen entgeht viel. Dieses Bauwerk, das man auch aus dem All erkennen kann, ist beeindruckend und imposant und zeugt von der Leistung dieser uralten Kultur.

Auf der Chinesischen Mauer

Wir denken gerne an diese Reise zurück, der ersten Begegnung mit einer fernen, großartigen Jahrtausende alten Kultur, als die Germanen noch auf Bärenjagd gingen. Diesem Land haben wir später noch viele Reisen gewidmet, um uns der Kultur und Geschichte zu nähern.

2 Kommentare zu „China 2002 – Bericht eines Nicht-Bloggers

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s