Argentinien: NP Los Glaciares in Patagonien

Argentinien, das „Land am anderen Ende der Welt“, wie der Papst es bei seiner Wahl 2013 ausdrückte, ist ein Land voller Kontraste, das alle Klimazonen abdeckt, von den ewigen Gletschern im Süden über die unendliche Weite der Pampa bis hin zu den Tropen. Die Mitte und den Norden Argentiniens habe ich bereits bei vorherigen Besuchen kennengelernt, einmal vor über 50 Jahren allein und später noch einmal zusammen mit meiner Tochter. Aber beide Male habe ich es nicht ermöglichen können, auch Patagonien und die Gletscherwelt des NP Los Glaciares zu sehen. Das wollte ich beim dritten Besuch des Landes nachholen, dieses Mal zusammen mit meinem Mann.

Anreise nach Calafate

Nach einer Übernachtung in Buenos Aires flogen wir weiter nach Patagonien im Süden Argentiniens. Nach etwa drei Stunden Flug kamen wir am kleinen Flughafen in El Calafate in der Provinz Santa Cruz an und konnten entweder ein Taxi nehmen oder mit einem der Busse in den Ort El Calafate fahren. Wir entschieden uns für einen Kleinbus, der uns durch die weite Landschaft vom Flughafen bis direkt vor unser Quartier brachte.

Weite Landschaft unterwegs

Das Hostal, das wir ausgesucht hatten, erwies sich als Glücksgriff. Es war gemütlich, mit liebevoll eingerichteten Zimmern, einer großen, offenen Empfangshalle, in der wir auch abends vor dem Kaminfeuer sitzen konnten, und einem hübschen Restaurant.

Unser Quartier in El Calafate, Patagonien

Da es mir vor der Abreise schwierig erschienen war, aufgrund der knappen zur Verfügung stehenden Zeit vor Ort einen Transfer zum Gletschergebiet Los Glaciares zu besorgen, hatte ich von Deutschland aus den Wirt des Hostals gebeten, diesen zu organisieren.

Fahrt von El Calafate zum NP Los Glaciares

Am Morgen nach unserer Ankunft wurden wir tatsächlich pünktlich mit einem Kleinbus abgeholt, der die 12 Teilnehmer vor ihren jeweiligen Quartieren einsammelte. Wir waren die einzigen Ausländer, abgesehen von einem japanischen Ehepaar, das aber schon seit Jahrzehnten in Buenos Aires lebte. Der Reiseleiter, der nur für den Transfer zuständig war, erklärte alles unterwegs Sehenswerte auf Spanisch, für meinen Mann danach aber auch in Kurzform auf Englisch.

Als wir in El Calafate losfuhren, war das Wetter – wie vom Wetterdienst vorhergesagt – trüb, und es war ziemlich kühl. Deshalb hatten wir uns mehrere Kleidungsstücke übereinander angezogen. Unterwegs hielten wir an dem wunderschönen, türkis glänzenden Lago Argentino, der sich über eine Länge von etwa 60 km erstreckt, umgeben von Bergen, deren Gipfel schneebedeckt waren.

Der türkisfarbene Lago Argentino

Der Reiseleiter zeigte uns zwischendurch den Calafate-Strauch, ein Berberitzengewächs, der dem Ort El Calafate den Namen gegeben hatte. Nach einer Legende soll derjenige, der die Früchte probiert, immer wieder an diesen Ort zurückkehren.

Calafate-Strauch, der dem Ort „El Calafate“ den Namen gab

Schließlich erreichten wir den Nationalpark und hielten am Kassenhäuschen. Für uns beide als Ausländer wurde es richtig teuer, es gab auch keine Ermäßigung für ausländische Senioren. Die argentinischen Rentner aus dem Bus dagegen bezahlten nur ein Zehntel des Preises. Aber wir hatten die weite Fahrt gemacht, um die Gletscherwelt zu sehen, deshalb waren wir auch gerne bereit, soviel zu bezahlen. Unser Wirt hatte für uns ja (für wenig Geld, einem Bruchteil dessen, was man bei einer organisierten Reise bezahlen müsste) nur den Bustransfer organisiert, alles andere gehörte nicht dazu.

Erster Blick auf den Gletscher

Als wir uns nach einigen Minuten weiterer Fahrt dem Ziel, dem Gletscher, näherten, bat uns der Reiseleiter, die Augen zu schließen und erst wieder zu öffnen, wenn er es sagte. Wir taten das auch alle brav. Als wir die Augen wieder öffnen konnten, waren wir überwältigt. In der Ferne sahen wir die weiße Gletscherzunge, die sich in den Lago Argentino schob.

Gletscher Perito Moreno: ein grandioser Anblick

Schiffsanlegestelle für die Fahrt zum Fuß des Gletschers

Wir erreichten das erste Ziel, eine Schiffsanlegestelle, an der – bis auf uns beide – alle ausstiegen, um auf einem Schiff den Glaciar Perito Moreno vom Wasser aus zu betrachten.

Schiffsanlegestelle

Wir zogen es vor, bis zum Ende zu fahren, ohne genau zu wissen, was uns erwartete, und das war im nachhinein die richtige Entscheidung. Am Aussichtspunkt, der Endhaltestelle des Busses, hatten wir nämlich die Möglichkeit, den Perito Moreno und andere Gletscher von oben, von unten und von verschiedenen Seiten zu betrachten und herumzugehen.

Gletscher Perito Moreno

Der Gletscher Perito Moreno, der größte Gletscher der Anden, ist einer der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten Argentiniens. Er gehört zu den wenigen Gletschern, die nicht schrumpfen, sondern sogar immer noch wachsen. Er ist 30 km lang und bereits 3000 Jahre alt; die Gletscherzunge endet im Lago Argentino.  Seit 2004 kalbt der Perito Moreno etwa alle zwei Jahre  als großartiges Spektakel für die vielen Zuschauer, die sich das nicht entgehen lassen wollen. Zuletzt war es Mitte März 2018, früher waren jedoch  die Abstände wesentlich größer.

Blick von oben auf den Gletscher 

Für Gletscherwanderungen nicht geeignet

Ich hatte schon öfter Fotos vom Gletscher Perito Moreno gesehen, aber dass er derart gewaltig ist, dass man bis dicht an ihn herangehen kann und ihn bis zu 75 m vor sich aufragen sieht, war mir nicht bekannt. Die Möglichkeit, ihn und andere Gletscher auf verschiedenen, sehr gepflegten Stegen von oben, unten am Fuß des Gletschers und von verschiedenen Seiten betrachten zu können, war für uns sehr beeindruckend. Die Argentinier haben hier großartige Arbeit geleistet, und der hohe Eintrittspreis ist im nachhinein mehr als gerechtfertigt.

Übersichtskarte (bei der Ankunft im Flughafen fotografiert)

Auf der Karte kann man sehen, wie dicht der Gletscher an den Aussichtspunkt (stilisiertes Auge) herangekommen ist. Es dauerte auch nicht lange, bis ein großer Abbruch des Gletschers Perito Moreno erfolgte.

Im Wasser schwammen die Eisstücke von den kurz zuvor herabgestürzten Gletscherteilen.

Der Lago Argentino mit der Gletscherzunge des Perito Moreno

Dick vermummt gegen Kälte

Inzwischen war es durch die starke Sonneneinstrahlung richtig warm geworden, dafür waren wir viel zu dick angezogen. Wir konnten uns aber nach und nach eines Teils unserer Kleidungsstücke entledigen und saßen sogar längere Zeit nur in Bluse bzw. Hemd in der Sonne. Danach bezog sich der Himmel wieder, dadurch veränderte sich auch die Farbe des Sees, es war ein ständig wechselndes Farbenspiel.

Kleinere Gletscherabbrüche

Ab  und zu lösten sich Teile des Gletschers an verschiedenen Stellen und stürzten mit enormen Donnerhall in das Wasser. Das geschah während unseres Aufenthaltes am Gletscher häufiger. Wir konnten uns vorstellen, wie gewaltig es bei bei dem alle paar Jahre stattfindenden großen Kalben des Gletschers sein konnte, wenn gigantische Stücke abbrachen. Einerseits wäre es sehr beeindruckend, solch einen gewaltigen Abbruch selbst zu erleben, auf der anderen Seite hätten wir dann respektvoll Abstand halten und nicht so dicht an den Gletscher herangehen können. Außerdem hätten wir nicht so viele verschiedene Blickwinkel auf die Gletscher gehabt.

Einer der vielen kleineren Gletscherabrüche 

Beeindruckende 70 m hohe Eisriesen

Natur rings um den Aussichtspunkt

Wir wanderten ein wenig um den Gletscher herum, soweit es möglich war, und sahen uns auch die schöne Umgebung an. Auf einem Schild stand geschrieben, dass man die Natur genießen solle, ohne Abfälle zu hinterlassen und ohne sie zu beschädigen.

Das haben alle Besucher auch beherzigt, wir sahen keinerlei Abfälle oder gar Plastiktüten herumliegen. Jeder war daran interessiert, die Natur unbeschadet nicht nur für sich, sondern auch für die Nachkommen zu erhalten.

Die Natur bleibt sich im Nationalpark selbst überlassen

Es waren kunstvolle Gebilde, die die Flechten bildeten, ganz zart und schön anzusehen.

 

Nahendes Gewitter über der Gletscherwelt

Inzwischen hatte sich der Himmel wieder bezogen, und es wurde zunehmend dunkler. Das war auch zwischendurch immer mal wieder so, aber dieses Mal schien ein Gewitter zu kommen, das sich schnell näherte. Deshalb zogen wir uns in das nahe gelegene Restaurant zurück.

Drohende, rasch näher kommende Gewitterfront

Wir konnten aber bald wieder das Lokal verlassen, da das Gewitter uns glücklicherweise verschonte. Danach sahen wir einen schönen Regenbogen.

Regenbogen nach dem Gewitter

Eindrücke von der Landschaft Patagoniens

Während der Rückfahrt nach El Calafate konnten wir noch einiges von der Schönheit und Weite der abwechselungsreichen patagonischen Landschaft sehen.

El Calafate

Nach unserer Rückkehr nach El Calafate bummelten wir durch den Ort. Noch vor 20 Jahren zählte er nur 5000 Einwohner, aber heute sind es mehr als viermal so viel, vor allem durch die starke Zunahme des Touristenstroms. Vor dem Bau des kleinen Flughafens bei El Calafate musste man eine lange Fahrt auf sich nehmen, um zum Nationalpark zu gelangen. Heute ist es erheblich einfacher und kürzer, wenn man den Nationalpark Los Glaciares besuchen will. Obwohl El Calafate so rasant gewachsen ist, hat der Ort nichts von seinem Charme eingebüßt.

Vorort von El Calafate

An der Hauptstrasse, der Avenida Libertador, gab es viele hübsche Geschäfte, Cafés und Restaurants, man konnte bummeln, essen, in den Geschäften stöbern oder einfach nur in der Sonne liegen und sich  ausruhen.

Die letzten Sonnenstrahlen in El Calafate genießen

Wir hatten jedoch ein kleines Problem: unsere argentinischen Pesos gingen zur Neige. Wir gehen normalerweise gerne in kleine, landestypische Lokale; das war in El Calafate aber nicht möglich, da diese keine Kreditkarten annahmen. Wir hatten schon bei unserer Ankunft in Buenos Aires enorme Schwierigkeiten, argentinische Pesos zu bekommen, so dass wir nur dort aßen oder kauften, wo wir mit Kreditkarte bezahlen konnten. Unsere Freunde aus Buenos Aires bestätigten später, dass es für Ausländer äußerst problematisch ist, Geld abzuheben, wie es sonst in fast allen Ländern problemlos geht. Glücklicherweise hatten sie uns schon bei unserer Ankunft auf dem Flughafen in Buenos Aires Dollar gegen argentische Pesos getauscht, aber viele hatten wir nicht mehr davon. Erst in Buenos Aires, nach unserer Rückkehr aus Patagonien, fanden wir eine Bank, bei der wir genügend Geld bis zum Ende unseres Argentinienaufenthaltes ziehen konnten.

Blick aus dem Flugzeug auf Küste und Pampa

Vor dem Rückflug von El Calafate nach Buenos Aires wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Nach der Abfertigung im Flughafen standen wir mit den anderen Passagieren aufgereiht in langen Schlangen, und es ging und ging nicht voran. Von den Angestellten erfuhren wir nicht den Grund der Verzögerung, denn unser Flugzeug war schon da und wartete auf uns. Ab und zu kam jemand von den Angestellten vorbei und wog immer wieder überflüssigerweise mit einer kleinen Kofferwaage unser Handgepäck, obwohl inzwischen nichts hinzugekommen war. Aber schließlich ging es dann doch los, und da wir wieder einen Fensterplatz hatten, konnten wir die grandiose patagonische Landschaft und die unendliche Weite der Pampa von oben betrachten.

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