Myanmar 2009 – Yangon und Mandalay

 Das „Land des Lächelns“, es gibt es noch: es ist Burma. Burma darf dieses Land auf Befehl der Militärregierung nicht mehr heissen, die Herrscher haben 1989 den Namen Myanmar befohlen. Das hat dem Lächeln seiner Bewohner trotz großer Armut aber keinen Abbruch getan.

Soll man in ein solches Land überhaupt reisen? Unterstützt man dann nicht die Militärregierung? Aber die Medaille hat wie so oft zwei Seiten. Die Menschen brauchen Informationen aus der Welt, die sie kaum anders als von Touristen erhalten können. Und Touristen lassen Geld in dem Land, das zuerst einmal den kleinen Händlern und den Menschen zugute kommt, die mit den Reisenden in Kontakt kommen. Eine Reise in dieses goldene Land lohnt auf jeden Fall unabhängig von allen Vorbehalten.

Kann man in Myanmar überhaupt so reisen, wie man es in westlichen Ländern gewohnt ist? Eindeutig ja! Man braucht ein Visum, das man schnell und unbürokratisch bei der Botschaft in Berlin erhält. Nach der Kontrolle bei der Einreise, die auch nicht gründlicher als in anderen Ländern ist, kann man sich frei bewegen. Die touristischen Schwerpunkte Yangon, die frühere Hauptstadt, Mandalay, der wirtschaftliche Mittelpunkt, Bagan, der kulturelle Schwerpunkt, sind mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Bus erreichbar. Bequem ist nur das Flugzeug, Bus und Bahn sind mühsam, weil Schienen und Straßen noch auf dem Stand der Unäbhängigkeit sind. Flüge lassen sich von hier aus buchen, Hotels sind zum Teil über das Internet, aber auch über spezialisierte Reiseveranstalter buchbar.

Wir reisen über Bangkok nach Yangon, Direktflüge von hier gibt es noch nicht. Der Flughafen gleicht eher einer großen Lagerhalle – inzwischen haben die Chinesen ein modernes Gebäude errichtet. In der Halle ein Gewusel von Menschen, manche wollen uns die Koffer tragen, es sind die Taxifahrer, die auf eine Fahrt hoffen. Die Autos und Taxen vor der Tür würde man bei uns nur auf einem Schrottplatz finden, Rost überall, Reifen abgefahren, die Diesel stinken und qualmen.

Altes Auto im Zentrum von Yangon 2009

Auf dem Weg in die Stadt fühlen wir uns fast wie zu Hause: viel Verkehr und mancher längere Stau. Das Land ist im Aufbruch. Der Fahrer erzählt uns, daß er Chemie studiert hat, aber keinen Job findet. Also fährt er Gäste, um seine Familie zu ernähren.

Shwedagon-Pagode

Der nächste Morgen führt uns zur Shwedagon-Pagode, dem Wahrzeichen der Stadt und des Landes und einer der schönsten über die Grenzen hinaus. Wir sind ergriffen von so viel Pracht. Der große Stupa ist ganz vergoldet, an der Spitze hängt ein großer Diamant. Drum herum stehen viele kleinere Tempel mit Buddhas und anderen Figuren. Während unseres ersten Besuchs wurde die Shwedagon Pagode gerade renoviert, was den einzigartigen Anblick keineswegs schmälerte.

 

Die Menschen erleben dies in stiller Andacht; wir beobachten eine junge Frau, die vor einem Buddha niederkniet und in Meditation versinkt; nach ungefähr 30 Minuten geht sie wieder.

Junge Gläubige in einem Tempel der Shwedagon Pagode

In einem anderen Tempel sitzt eine Familie zum Picknick, sie winken uns zu, wir sollen mit ihnen essen. Der Besuch der Shwedagon-Pagode lohnt besonders am Abend, wenn alles hell angestrahlt wird.

Picknick auf dem Gelände der Shwedagon Pagode

Sule Pagode

Hier können wir auch in kleinen Lokalen essen, es gibt viele Curries, Reis, Gemüse, Fleisch lassen wir lieber aus. Uns gegenüber sitzt ein ziemlich zerlumpter Typ, der nur noch mit einem Auge sehen kann; damit starrt er uns anhaltend an, etwas unheimlich. Er isst mit den Fingern der rechten Hand. Nur wenige Schritte weiter steht die Sule-Pagode auf einer Insel mitten im tosenden Verkehr; um sie zu erreichen, müssen wir um unser Leben rennen. Die Pagode ist bei weitem nicht so spektakulär wie die Shwedagon-Pagode.

Sule-Pagode, im Hintergrund der Yangon-River

Wir bummeln abends über die Anawratha Road im Zentrum, auf der ein Nachtmarkt abgehalten wird. Hier gibt es fast alles!  Auch Telefonate nach Hause wären möglich: Auf einem Klapptisch hat eine Frau ein Telefon noch mit Wählscheibe, das Kabel hat sie an einem Kasten hinter ihr angeklemmt, es sieht nach Schwarzmarkt aus.

Telefon-Vermittlung auf der Straße 

Blumenverkäuferin vor renovierungsbedürftigen Gebäuden

Auf dem Weg ins Hotel kommen wir an einer Bushaltestelle vorbei; gerade nähert sich ein Bus, der Schaffner hängt aus der offenen Tür heraus; er streckt seinen Arm aus und ruft „Hello my friend“; wir klatschen uns ab und wir haben einen neuen Freund.

Überfüllter öffentlicher Bus

Historisches Zentrum von Yangon

Schöne alte, historische Gebäude bestimmen das Bild von Yangons Zentrum im Jahr 2009. Ein wenig erinnern sie an die Bausubstanz in der früheren DDR. Das Gebäude des Obersten Gerichts daneben strahlt dagegen in Rot.

Altes Rathaus

Oberster Gerichtshof

Im Jahr 2009 gibt es im Zentrum von Yangon noch zahlreiche alte Gebäude, die zum Teil inzwischen abgerissen und neu gebaut sind.

Alte Häuser im Kolonialstil im Zentrum Yangons

Bogyoke Aung San Market

Nahe dem Hotel ist der Bogyoke Aung San Market, auch dort gibt es fast alles! Wir bummeln zwischen frischen Lebensmitteln, Kleidung, Gold und Souvenirs umher und lächeln mit den Händlern um die Wette. Nicht weit entfernt befindet sich die St. Mary’s Kathedral, eine katholische Kirche im gotischen Stil; Europa mitten in Yangon.

Händlerin im Bogyoke Aung San Market

Mandalay

Am nächsten Tag geht es mit Air Bagan nach Mandalay. Das Flugzeug ist eine ATR 72 Turboprob Maschine für etwa 70 Fluggäste; anfangs wirkt das für europäische Begriffe etwas unbehaglich, aber der Flug verläuft ruhig. Mandalay ist die wirtschaftliche Hauptstadt, sehr geschäftig, wuselig im Zentrum, weiter draussen ruhig und so urwüchsig wie das ganze Land. Am Hotel wartet ein winziges Autochen, wir sitzen uns gegenüber und lassen uns von dem knatternden Gafährt kutschieren.

Unser blaues Mini-Taxi in Mandalay, links im Bild der Taxi-Chauffeur

Der Königspalast ist beeindruckend: ein Kilometer im Quadrat, von einer Mauer mit Wachtürmen und einem Wassergraben umgeben. Aber leider ist er nicht mehr original, er wurde im Krieg der Briten und Inder gegen die Japaner 1945 zerstört und später wieder aufgebaut; wir schenken uns den Besuch drinnen.

Königspalast in Mandalay, Wachturm und Graben

Mahamuni Buddha Pagode

Ein Muss ist die Mahamuni Pagode im Zentrum; die Buddha- Statue im Innern wird hoch verehrt. Sie ist das zweitwichtigste Heiligtum im Land. Wir beobachten viele Gläubige, die vor der Statue knien und in Meditation versunken sind. Einige Männer schmücken die Statue mit Blattgold-Plättchen, sie ist dadurch schon etwas unförmig geworden.

Vergoldeter Buddha in der Mahamuni Buddha Pagode

Betende Nonne in der Mahamuni Buddha Pagode

Dieses Blattgold wird in der Stadt in kleinen Schmieden hergestellt; junge Männer schlagen mit klobigen Holzhämmern stundenlang auf das in Leder eingewickelte Gold ein, bis es hauchdünn ist, eine schweisstreibende Arbeit bei mehr als 30 0 Hitze.

Goldschläger in Mandalay 

Als wir unserem Taxi-Chauffeur den Wunsch sagen, auf den Mandalay Hill zu fahren, vertröstet er uns; mit seinem kleinen Tuk Tuk kommt es da nicht rauf. Er holt ein richtiges Auto, uralt und verrostet, aber es bringt uns stinkend nach oben. Der Ausblick auf die Stadt und den Ayeyarvady ist grandios. Der Fluss ist die Lebensader und schlängelt sich von Nord nach Süd durch das ganze Land.

Blick vom Mandalay-Hill

Blick auf Mandalay abends, im Hintergrund der Ayeyarvady

Am nächsten Tag steht ein Besuch in zwei Waisenhäusern im Programm; dies war einer der Gründe für die Reise. Eines der Waisenhäuser ist für Mädchen, das andere für Jungen. Sie werden von buddistischen Mönchen geleitet und von der Myanmar Kinderhilfe e.V., Frankfurt, finanziell unterstützt; den Gründer, Klaus Schröder, haben wir in Yangon getroffen. Wir treffen auf Kinder, die teils in Schuluniform, wenige auch in der Kleidung der Mönche bzw. Nonnen, emsig in den Klassenzimmern lernen.Die Kinder sind meist Waisen; machmal geben ihre Eltern sie auch in die Heime, weil sie selbst die Kinder nicht versorgen können. Sie werden dort gesundheitlich betreut, verpflegt und erhalten eine Schulbildung, die im Land anerkannt wird. Wir unterstützen dieses Projekt (Co-Blogger W.S.).

Mädchen des Waisenhauses in Schulkleidung

Zu den Waisenhäusern und den weiteren Zielen der Reise 2009 in Myanmar folgen gesonderte Berichte.

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