Isfahan – „Welcome to Iran“

Unser Taxifahrer auf dem Weg nach Hause fragt: „Ihr wart im Iran? Ihr seid ja total verrückt! Haben die denn nicht auf Euch geschossen?“ Ein typisches Vorurteil ! Wir waren anfangs auch ein wenig skeptisch, man weiß zu wenig über das Land; von den Lebensverhältnissen erfährt man kaum etwas. Der beste Weg, das zu ändern, ist: Einfach hinfahren! 

Ein Visum erhält man über das Konsulat in Frankfurt, den Antrag stellt man online. Die Bestätigung schickt man mit dem Zahlungsbeleg der Visagebühr und dem Pass per Post und erhält wenige Tage später das Visum. Wir sind von Dubai aus nach Isfahan, dem kulturellen Zentrum, geflogen und von Shiraz, der Stadt der Dichter, Nachtigallen und Rosen und der schönen Gärten wieder zurück. Der Aufenthalt im Iran war das Highlight unserer gesamten Reise.

Isfahan war unter der Dynastie der Safawiden seit 1598 Hauptstadt des persichen Reiches. Die Herrscher haben der Stadt zahlreiche prächtige Bauten und Gärten hinterlassen. Der erste Weg führt uns auf den Meidan-e Emam, den großen Platz im Zentrum der Stadt, 512 Meter lang und 163 Meter breit, von Arkaden umgeben. Er ist einer der größten öffentlichen Plätze der Welt und ist UNESCO Weltkulturerbe. Auf der einen Seite steht die beeindruckende Imam-Moschee aus dem 16. Jahrhundert, an der Seite die Notfollah-Moschee und gegenüber der Ali Quapu-Palast.

Meidan-E Imam Platz von der Terrasse des Ali Quapu Palastes

Die Kuppeln der Moscheen strahlen mit ihren blau-türkis-sandfarbenden Fliesen mit der Sonne um die Wette. 

Und der Platz ist belebt, unsere Städtebauer sollten dort in die Lehre gehen.

Ein Platz in der Sonne

Feier des 23. Geburtstages auf dem Meidan-E Emam Platz

Man kann mit der Pferdekutsche eine Runde um den Platz drehen, und das wird von den Einheimischen gerne genutzt.

Pferdekutsche vor dem Ali Quapu Palast

Auf den Parkbänken ist kaum ein freier Platz zu finden, auf den Wiesen picknicken die Menschen. Eine Schulklasse hat die Eisdiele erobert, wir sind von den Kindern umringt, die uns freundlich zuwinken. Die Erzieherinnen lächeln uns an und winken wie die Kinder.

Die Frauen tragen Kopftücher, aber wir sehen nirgendwo Vollschleier wie in manchen arabischen Ländern. Je jünger die Frauen sind, desto weiter rutschen die Kopftücher nach hinten, sie bedecken gerade nur den Hinterkopf und werden immer bunter, modischer; eine stille Revolution gegen die Vorschrift.

   

Vor der Lotfollah-Moschee sprechen uns junge Frauen an, die Einleitung ist immer „Where are you from?“ Sie erzählen, dass sie Architektur studieren, aber bald kommt auch ihre Sorge zur Sprache, sie zweifeln, ob sie nach dem Studium einen Job damit finden. Diese „Armut“ ist ein ernstes Problem des Landes; die junge Frau an der Rezeption unseres Hotels berichtet, dass sie Elektroingenierin mit Hochschulabschluss ist, aber als Frau keine Stellung findet.

Studentinnen vor der Lotfollah Moschee

Auf unseren zahllosen Reisen sind wir nirgendwo so oft von den Einheimischen angesprochen worden. Viele Menschen rufen uns im Vorbeigehen zu: „Welcome to Iran“. Halbwüchsige versuchen uns zu erklären, dass sie für „München“ sind; sie meinen den Fußballclub. Am Samstag Abend höre ich im Hotel plötzlich: „Toooor! Tooor“; im Fernsehen wird ein Spiel der Bundesliga in deutsch mit Untertiteln übertragen. So populär sind wir, d.h. ist der deutsche Fußball, dort.

Die Imam-Moschee, oder Jame Abbasi-Moschee – UNESCO Weltkulturerbe -, lockt mit prächtigen blauen und türkisen Kacheln auf der Kuppel und dem großen Torbogen. Auch die Decke des Bogens ist so verziert, Muqarnas schmücken ihn. Im Innern finden wir weitläufige Höfe, Gebetssäle und Arkaden, an den Wänden Fliesenarbeiten und Malereien. Die ganze Anlage verbreitet Ruhe und Stille. 

Jame Moschee Eingang

Durchgang zum Innenhof

Schöne Fliesen an den Wänden und Decken

 

Die Lotfollah-Moschee an der Langsseite des Platzes hat ein wohlhabender Sheikh von 1603 bis 1619 erbauen lassen, eine der architektonischen Meisterwerke der iranischen Architektur. Sie war die Privatmoschee der safawidischen Königsfamilie und war nur für einen kleinen Personenkreis bestimmt. Deshalb enthält sie keine Minarette und keinen Hof. Die 32 m hohe Kuppel ist mit Ranken und Blumenmustern auf sandfarbenem Grund verziert.

Lotfollah Moschee

Lotfollah Moschee

Kuppel in der Lotfollah Moschee

Gegenüber der Imam-Moschee liegt der Basar mit unzähligen Geschäften mit Schmuck, Teppichen und Kunstgewerbe; hier heißt es Handeln! Und man kann auch zu einem besseren Kurs als in Banken oder Hotels Geld tauschen.

Im Westen bewundern wir den Ali Quapu, einen großartigen Palast, von dessen Säulenterasse wir eine schöne Aussicht auf den Platz haben. Innen beeindrucken die Decken-und Wandverkleidungen, das aufwändig verzierte Musikzimmer mit der schönen Decke und die vielen Kunstwerke.

Ali Quapu Palast, unteres Bild:  Muquarnas im Musikzimmer

Weiter laufen wir zum Chehel-Sotoun-Palast, der in einer großen Gartenanlage liegt. Vor dem Palast befindet sich eine Terrasse mit 20 Säulen aus Zedernholz, die sich im Wasser des 110 m langen Beckens davor spiegeln. Deshalb wird der Palast auch Vierzig-Säulen-Palast genannt. Der Eingangsiwan ist mit Spiegelmosaiken geschmückt. In der Haupthalle sind mehrere Wandgemälde zu sehen.

Chehel-Sotoun-Palast

Wandgemälde im Chehel-Sotoun Palast

Unweit davon liegt der Hasht-Behesht-Palast, wieder in einer Grünanlage, die die Einheimischen gern bevölkern. Die Fassaden des Palastes werden an drei Seiten durch Zedernholzsäulen unterbrochen, vor dem Iwan an der vierten Seite befindet sich ein langes Wasserbecken, das für Kühlung sorgt. Trotz der frühen Jahreszeit sind die Springbrunnen bereits in Betrieb.

Detailaufnahme der Außenfliesen des Hasht-Behesht-Palastes

Hasht-Behesht-Palast

Die Freitags-Moschee (UNESCO Weltkulturerbe) ist schwer zu finden, sie ist von Basaren umgeben, nur mit Durchfragen finden wir den Eingang. Drinnen verbreitet ein großer Hof Ruhe in der geschäftigen Umgebung. Sie ist die größte Moschee des Landes. Rundum sind Arkaden über zwei Etagen vorhanden, sind die Kuppeln und Bögen in blau-türkis mit Muqarnas verkleidet, die Wände mit Malereien verziert.

Freitagsmoschee

Kuppel der Moschee

Zum Abschluss unserer Tage in Isfahan führt uns der Weg abends noch einmal zum Meidan-e Emam, dem großen Platz. Die Kunstwerke sind angestrahlt und heben sich so von der Dunkelheit ab.

Abbas Moschee

Lotfollah Moschee

Ali Quapu Palast

Der Weg in diese schöne Stadt hat sich gelohnt, ist eine Empfehlung wert. Und nein, sie haben nicht auf uns geschossen, Polizei war nur zur Verkehrsregelung zu sehen, aber viele freundliche Menschen haben den Kontakt zu uns gesucht, uns freundlich gegrüßt und sind mit uns ins Gespräch gekommen.

(Co-Autor Werner Schade)

 

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