Inle-See und Nyaungshwe

Der Inle-See, der zweitgröße See Myanmars, ist eine der Hauptattraktionen Myanmars. Der 22 Kilometer lange und 11 km breite See ist ein Naturjuwel, er liegt inmitten einer üppig grünen Berglandschaft im Shan-Staat. Der See ist die Heimat der Inthas, die vor langer Zeit aus dem Süden des Landes kamen; wegen der andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Burmesen und Thais sind sie in den Norden gezogen. Die etwa 70.000 Inthas wohnen teilweise in Häusern, die auf Pfählen im Wasser des Sees stehen, oder in Ansiedlungen am Ufer des Sees. Sie leben fast völlig autark vom Fischfang,  vom Gemüseanbau und von den Silber-, Keramik- und Seiden-Produkten, die sie als geschickte Handwerker herstellen.

Wasser als Lebensraum

Leben auf dem Inle-See

Die “Söhne des Sees”, wie sie sich selbst nennen, haben beim Fischfang eine besondere, kurios wirkende Art der Fortbewegung entwickelt. Damit sie die Hände für die Arbeit mit Netz und Reuse frei haben, rudern sie – nur auf einem Bein balancierend – , indem sie das andere Bein um das Paddel geschlungen haben und damit das Boot fortbewegen.

Einbeinruderer auf dem Inle-See vor schöner Berglandschaft

Fischfang mit Netz

Fischfang mit Reuse

Für den Gemüseanbau nutzen sie eine spezielle Art des Beetbaus für ihre schwimmenden Gärten. Vom Ufer des Sees, das mit einer dicken Humusschicht bedeckt ist, werden ein bis zwei Meter breite und mehrere Meter lange Karrees ausgestochen, die mit Booten hinaus auf den See geschleppt und dort mit Pfählen im Boden verankert werden. Für den Bau der Beete sind die Männer zuständig, die Frauen pflanzen und ernten in der Regel das Gemüse, die Kräuter und die Blumen für den Eigenbedarf und zum Verkauf auf den Märkten.

Hütte zum Aufbewahren und als Schutz gegen Regen

Mitten im See ein kleiner Tempel zu Ehren Buddhas

Rings um den Inle-See befinden sich Hunderte von Stupas und Zedis, teils sind es neu erbaute, vergoldete Stupas, andere befinden sich in verschiedenen Stadien des Verfalls.

Auf der Fahrt durch den Kanal nach Indein kommen wir an einem schönen Kloster aus rotem Stein vorbei.

Kloster am Kanal

Lotusweberei

Der wahrscheinlich teuerste Stoff weltweit, die Lotusseide, wird ausschließlich auf dem Inle-See hergestellt. Mehrere Lotusstängel werden angeritzt, gebrochen und auseinandergezogen. Dadurch entstehen mehrere hauchdünne Fäden, die so fein sind wie Spinnweben. Die Fäden werden zu einem Zwirn gerollt. Weberinnen verarbeiten das feine Garn an traditionellen Holzwebstüheln zu Schals, Tüchern und Kleidung. Für die gewebten Stoffe werden enorme Mengen an Lotusstängeln benötigt, für einen Schal allein sind es mehrere Tausend Stängel. Das erklärt unter anderem die hohen Kosten für Lotusseide. Früher war die kostbare Lotusseide vor allem den hohen geistlichen Würdenträgern vorbehalten, inzwischen kann sie jeder kaufen, der bereit ist, den hohen Preis dafür zu bezahlen.

Gewinnen von Seidenfäden aus Lotusstängeln

Weben von ungefärbter Lotusseide auf herkömmliche Art

  

In einem der Dörfer am Inle-See sahen wir die sogenannten „Langhalsfrauen“, die ihren Lebensunterhalt nicht nur durch Fotos von sich selbst mit Hals- und Beinringen, sondern auch aufgrund ihrer Geschicklichkeit bei handwerklichen Arbeiten verschiedener Art verdienen. Den Mädchen werden bereits im Alter von vier bis sechs Jahren die ersten Metallringe um den Hals gelegt, damit er schön lang geformt wird.  Mit zunehmenden Alter wird die Zahl der Ringe und damit das Gewicht erhöht. Früher galt ein extrem langer Hals als Schönheitsideal, und viele Touristen waren bereit, für ein Foto von den Langhalsfrauen einiges Geld zu bezahlen. Inzwischen regt sich immer mehr Unmut darüber, dass bereits den Kindern und auch den  Frauen durch die schweren Metallringe Schaden zugefügt wird. Außerdem möchten immer weniger Langhalsfrauen die schwere Last tragen und nur als Foto-Objekt vermarktet werden, sie wollen lieber ihr Geld durch richtige Arbeit verdienen (Wir haben von den Frauen einen Schal gekauft, aber kein Geld für die Fotos bezahlt).

Langhalsfrau beim Weben

Während der Rückfahrt wurden wir mitten auf dem See von einem plötlich auftretenden Gewitter mit Platzregen überrascht. Da das Boot keine Überdachung hatte, wurden wir vollständig durchnässt. Aber schon kurze Zeit später schien die Sonne wieder, und wir konnten den See in einem besonders schönen Licht  sehen. Zahlreiche Wasserhyazinthen trieben auf dem Wasser.

Aus den wild wachsenden Wasserhyazynthen bilden die Inthas neue Inseln für den Gemüsenanbau. Sie schieben die Pflanzen und zusammen und verankern sie mit Bambuspfählen in dem nur zwei bis drei Meter tiefen See. Wenn diese neuen künstlichen Inseln mit einer zusätzlichen Humusschicht versehen werden, können die Intha-Frauen wieder Setzlinge für neues Gemüse stecken.

Abendstimmung nach einem Gewitter

Nyaungshwe

Das Tor zum Inle-See ist die ehemalige Fürstenstadt Nyaungshwe, die am Nan-Kanal gelegen ist und durch diesen mit dem Inle-See verbunden ist.  Der Palast des früheren Shan-Fürsten liegt unweit des Mingala Zei-Marktes. Er ist aus Teakholz und Ziegeln gebaut und ist recht gut erhalten. Der Shan-Fürst herrschte von dort aus über die Provinz, bis 1962 das Militär die Macht ergriff. Heute dient der Palast als Museum.

Ehemaliger Palast des letzten Shan-Fürsten

Innerhalb der Stadt haben wir uns wie die junge Frau auf einer Fahrradrikscha chauffieren lassen oder sind selbst mit einem Fahrrad gefahren, wenn wir nicht zu Fuß gehen wollten. Eine weitere Möglichkeit wäre die Fahrt auf der Ladefläche eines kleinen LKWs, aber diese ist nicht für jeden empfehlenswert.

 

Auf dem Mingala Zei, dem städtischen Markt von Nyaungshwe, ist besonders morgens immer viel Betrieb, wenn die Bauern der umliegenden Dörfer ihre Ware verkaufen möchten. Es werden nicht nur Waren aller Art angeboten, sondern auch Beispiele für umweltschonende Verpackungen geliefert. Viele der Marktfrauen verpacken nämlich ihre Produkte in Bananen- oder anderen Blättern, die verrotten können, und sie binden sie außerdem mit Bastschnüren zu. Aus welchen Dörfern die einzelnen Frauen kommen, erkennt man an der Art und der Farbe der Kopfbedeckungen.

Abwiegen der Ware nach herkömmlicher Art

Blumenverkäuferin auf dem Mingala Zei

Kloster Shwe Yan Bye

Etwa zwei Kilometer nördlich von Nyaungshwe liegt das Teakkloster Shwe Yan Bye, das von einem Shan-Fürsten erbaut wurde. Die ovalen Fenster des Klosters sind ein beliebtes Fotomotiv, denn man findet sie nur selten in dieser Form.

Im Kloster lebte neben jüngeren Mönchen und Novizen auch dieser hoch angesehene, betagte Mönch; sein genaues Alter kennt nicht einmal er selbst, er ist schon als kleiner Junge in das Kloster gekommen.

In der Pagode neben dem Kloster befinden sich zahlreiche kleine Buddha-Statuen in den Wänden. Einige der Statuen sind mit Stoff bekleidet, der von Gläubigen gegen eine Spende angebracht wird; unter den Figuren steht der Name des Spenders.

Buddha-Figuren in der Pagode neben dem Kloster Shwe Yan Bye

Ochsenfuhrwerke werden noch immer zum Transport von Waren und zur Bearbeitung des Bodens genutzt. Der Halter dieses Gespanns nahm uns mit zu einem Waisenhaus, das wir besuchen wollten und das nur wenige Kilometer vom Inle-See entfernt war. Allein hätten wir es nicht gefunden.

Noch ist der Inle-See ein einzigartiges Ökosystem, er ist von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Das System wird aber zunehmend durch den langsam, aber stetig sinkenden Wasserstand des Sees bedroht. Deshalb wird der – sanfte – Tourismus und die damit verbundenen zusätzlichen Einnahmen immer wichtiger für die Inthas.

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