Shiraz – Iran

Der Abschied von Isfahan, dieser kunstvollen und gemütlichen Stadt, fällt uns schwer. Wir fahren weiter nach Shiraz. Die Möglichkeit einer Fahrt mit der Bahn haben wir nicht herausgefunden, mit dem Bus ist es zu umständlich. Wir haben ein Taxi bestellt; für die Strecke von 450 km, 5 Std. Fahrzeit, hat der Fahrer 50 € verlangt! Der Iran ist – dank des günstigen Wechselkurses – ein preiswertes Reiseland. Wir fahren durch gebirgiges Gebiet, wie wir es auch schon beim Flug gesehen haben; unterwegs fängt es an zu schneien. Deshalb schlagen wir das Angebot des Fahrers, für nur 10 € mehr noch nach Persepolis zu fahren, aus.

Unterwegs von Isfahan nach Shiraz im Schneetreiben

Die Ankunft in Shiraz enttäuscht zunächst: eine Großstadt in 1540 m Höhe mit Hochhäusern, mehrspurigen Straßen, viel Verkehr, Hupen und Drängeln. Aber es gibt auch grüne Oasen, die schönen Gärten, Orte zum Verweilen.

Or

Wir bummeln zur Zitadelle Arg-e Karim Khan, einer trutzigen Festung im Stadtzentrum, erbaut 1766/67 von dem damaligen Herrscher. Die vier Ecktürme sind mit Ziegeldekor geschmückt, einer steht etwas schief wie der Turm in Pisa, ist aber nicht so berühmt.

Plausch vor der Zitadelle Arg-e Karim Khan

Von dort gehen wir zum Shah Cheragh-Schrein, einem großen Heiligtum der Schiiten im Iran. Meine Frau darf nur mit einem Chador „verkleidet“ hinein  – das Kopftuch allein reicht  hier nicht -, aber den gibt es am Eingang kostenlos auszuleihen. Eine freundliche Iranerin hilft ihr beim Anlegen, führt sie in der Anlage und antwortet auf alle ihre Fragen.

Shah Cheragh-Mausoleum mit einem weitläufigen Innenhof

Sie erreicht sogar, dass meine Frau in dem Heiligtum ein paar Fotos machen darf, was sonst nicht erlaubt ist. Mich lassen sie wegen meiner großen Kamera nicht hinein. Die Innenräume sind mit prachtvollen Spiegelmosaiken an den Decken geschmückt.

Spiegelmosaik im Shah-Cheragh-Mausoleum

Auffällig und typisch für Shiraz sind die knospenförmigen Kuppelbauten mit schönem Fliesendekor in blau-türkis.

Shah-Cheragh-Heiligtum

Eingang zum Basar (links)

In einem nahe gelegenen Pizza-Laden herrscht großer Andrang, wir sind die einzigen Westler. Auf dem Kassenbon steht ein Code, der aufgerufen wird, wenn das Essen fertig ist; aber wir können ihn nicht lesen. Eine junge Iranerin merkt unsere Hilflosigkeit und gibt uns Bescheid, als es soweit ist. Diese Freundlichkeit der Menschen überrascht uns immer wieder und nimmt für sie ein; wir haben das sehr oft erlebt.

Ein Muss ist die Nasr-ol-Molk-Moschee, die etwa 1876 erbaut wurde. Der Innenhof mit umlaufenden Arkaden ist ein Ort der Ruhe und Besinnlichkeit, in der Mitte ein großes Wasserbecken.

Nasr-ol-Molk-Moschee

Ein „Wow“ ist die Wintergebetshalle, die an einer Front bunte Glasfenster hat, von der Sonne beschienen zaubern sie eine ganz besondere, eigenartige Stimmung. Auch die Reliefsäulen und die Deckenverzierungen lohnen den Blick nach oben.

Shiraz ist berühmt für seine schönen Gärten; die Bundeskunsthalle Bonn hat ihnen 2017 eine eigene Ausstellung gewidmet.

Persischer Garten in der Iran-Ausstellung 2017 in Bonn

Wir fahren zum Eram-Garten im Norden der Stadt. Der Park hat Ursprünge im 11. Jh., ist heute ein weitläufiger Botanischer Garten mit einem großen Wasserbecken, Wasserläufen und ausgedehnten Rosenbeeten. Der Palast aus dem 19. Jh. ist mit einer offenen Säulenhalle erbaut, vor dem vor allem Einheimische für Fotos posieren.

Eram-Garten

Ruhiger geht es da im Naranjestan-Garten zu, dem Garten der Orangenbäume. Auch hier finden wir einen Palast mit einer offenen Halle, dessen Decken kunstvoll mit Spiegeln verziert sind, davor ein Wasserbecken mit Fontänen.

Naranjestan-Garten

Viel beworben werden auch die beiden Mausoleen der Dichter Hafis und Sa´di. Hafis (1320 bis 1389) hat mit seiner Literatur sogar Einfluss auf Goethe gehabt, der ihm im “West-östlichen Diwan“ ein Denkmal gesetzt hat. Beide werden in der Bevölkerung sehr verehrt; man hat in offenen Pavillons Sarkophage aufgestellt.

Mausoleum von Hafis

In einem der Parks umringt uns eine Schulklasse mit einem netten Lehrer und mit Halbwüchsigen, die von uns alles Mögliche wissen wollen.

Schulklasse vor dem Mausoleum von Sa´di

Grabmal von Sa´di

In einem anderen Park, dem Jahan Nama Park, bewundern wir Bäume, die mit kunstvollen Schnitzereien und Skulpturen unser Interesse erwecken. Und wieder werden wir von einigen Mädchen angesprochen, die von uns „woher und wohin“ erfahren wollen und natürlich alles mit dem Smartphone im Foto festhalten.

Jahan Nama Garten

Diese Offenheit und das Interesse an den Fremden beeindruckt uns immer neu; sehr sympathische Menschen in einem interessanten Land. Ein wenig wehmütig kehren wir nach ein paar Tagen wieder nach Dubai zurück. Dort ist es so ganz anders, hypermodern und zur Schau gestellt, reich und modern, ohne den Charme des auf seine Geschichte und alte Kunst stolzen Iran, den das Land auch pflegt.

(Co-Autor Werner Schade)

8 Kommentare zu „Shiraz – Iran

    1. Vielen Dank für die netten Worte. Es freut mich, dass Dir die Beiträge über den Iran gefallen. Wir waren erst etwas skeptisch dort hinzufahren, weil in den Medien oft einseitig berichtet wird. Umso mehr waren wir angenehm überrascht. LG Marie

      Gefällt 3 Personen

  1. Hat dies auf Ned Hamson's Second Line View of the News rebloggt und kommentierte:
    Vivaldi translation of introduction: Shiraz – Iran
    9. Mai 2019
    It is difficult for us to say goodbye to Isfahan, this artistic and cozy city. We continue to Shiraz. We did not find out the possibility of a train ride, it is too cumbersome by bus. We ordered a taxi; for the distance of 450 km, 5 hours. Travel time, the driver asked for € 50! Thanks to the favorable exchange rate, Iran is an inexpensive travel destination. We drive through mountainous areas, as we saw on the flight; it starts to snow on the way. That is why we are taking out the driver’s offer to go to Persepolis for just € 10 more.

    Gefällt 1 Person

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