Bagan – gigantische Tempelstadt

Ein Muss jeder Reise nach Burma ist neben Yangon, der früheren Hauptstadt, und Mandalay, dem wirtschaftlichen Schwerpunkt, Bagan, die alte Königsstadt an einer großen Schleife des Ayeyarwady. Wer in Myanmar war, aber nicht in Bagan, war nicht im Land. König Anawrathta, gekrönt 1044, machte sie zur Residenz seines Reiches. Unter seiner Herrschaft und der nachfolgender Könige stieg sie zur größten buddhistischen Metropole der Welt auf. Die Herrscher überboten sich förmlich in der Errichtung herrlicher und mächtiger Tempel. Auf der Ebene von Bagan, etwa 40km² groß, sind noch heute über 2000 große und kleine Bauten dieser Zeit zu bestaunen. Dieses Gebiet ist Angkor in Kambodscha und Borobodur in Indonesien oder den anderen Pilgerstätten der Welt durchaus ebenbürtig.

Tempelareal: hinten links Ananda-Tempel, vorne rechts Shwesandow-Pagode

Ananda-Tempel hinten links

Eine Stadt Bagan gibt es eigentlich nicht; das alte Bagan war von einer Stadtmauer mit mehreren Toren umgeben; daneben liegt Nyaung U und das von der Militärregierung errichtete Neu-Bagan. Für eine Besichtigung des weitläufigen Geländes mietet man sich entweder Fahrräder oder ein Fuhrwerk. Wir entscheiden uns für die Kutsche, ein einachsiges Gefährt mit einem Pferd; ich darf hinten auf einem Strohsack sitzen und erlebe das Land rückwärts.

Blick von der Pferdekutsche auf den Ananda-Tempel

Zuerst geht es nach Nyaung U, dort steht die Shwezigon-Pagode, ein buddhistischer Stupa, den König Anawrathta 1059 begann und sein Sohn um 1100 fertig stellen ließ. Der goldglänzende Stupa ist eines der bedeutendsten Heiligtümer des Landes; er hat nicht die schlanke Form anderer Pagoden, sondern ist dickbauchig wie eine Glocke. Einige Teile erinnern an die Shwezigon in Yangon.

Shwezigon-Pagode in Bagan

In dem Säulengang bietet eine alte Frau Blumengirlanden an; sie ist inzwischen berühmt, ihr Bild wird von der Tourismus-Werbung genutzt.

Girlandenverkäuferin im Säulengang der Shwezigon-Pagode

In der Stadt lädt uns ein bunter Markt zum Bummel ein; angeboten werden Obst und Gemüse, Textilien, aber auch die für Bagan berühmten Lackarbeiten. In Alt-Bagan schauen wir uns innerhalb der Stadtmauer den Thatbyinnyu-Tempel an, mit 61 m das höchste Bauwerk, weithin sichtbar. Er besteht aus zwei gestapelten Quadern mit je zwei Etagen und einer vergoldeten Spitze.

Thatbinnyu-Tempel

Doch uns lockt eine weitere vergoldete Spitze, die weithin sichtbar ist: die des Ananda-Tempels, erbaut Ende des 11. Jh. Der Bau ist in Kreuzform errichtet und mit unzähligen Terrakotta-Kacheln verkleidet, auf der religiöse Themen abgebildet sind. Die wenigen Touristen zücken ihre Kameras bei so viel Schönheit.  

Ananda-Tempel

Im Inneren finden wir in vier Nischen Buddha-Statuen, über 10 m hoch und auch vergoldet; sie schauen in die vier Himmelsrichtungen.

Buddha-Statue im Ananda-Tempel 

Weiter fährt uns der Kutscher zum Dhammayangyi-Tempel, der dem Ananda ähnelt, aber wuchtiger wirkt, auch fehlt die hohe vergoldete Spitze. Von den vier vorgelagerten Eingängen ist nur einer nutzbar, die anderen und der innere der beiden Umgänge sind vermauert. Der Grundriss gleicht einem griechischen Kreuz. Durch die stark geneigten Dachflächen wirkt er fast wie eine Pyramide.

Dhammayangyi-Tempel

Nicht weit davon liegt der Sulamani-Tempel, der dem Thatbinnyu-Tempel ähnelt; er wurde 1183 eingeweiht. Zwei Stockwerke sind mit je drei Terrassen versehen und nehmen dem Bau das Wuchtige.

Sulamani-Pagode

Innen finden wir Stuckdekorationen und glasierte Kacheln. Die Wandmalereien in den umlaufenden Wandelgängen sind nur teilweise alt, manche auch erneuert.

Wandmalerei im Sulamani-Tempel

Gegen Abend bringt uns das Pferd, das den Weg und die ausgetretenen Pfade der Touristen kennt, zur Shwesandaw-Pagode, auf die wir über steile Treppen und fünf Terrassen klettern können. Der Blick gen Westen auf den Ayeyarwady im Licht der untergehenden Sonne und auf den anderen Seite auf die unzähligen Tempel und Pagoden, deren Gold feurig glänzt, lässt die vielen Touristen andächtig schweigen; ein Genuss im Stillen.

Shwesandow-Pagode

Tempelareal abends mit Königspalast und Ayeyarvady (im Hintergrund)

Sonnenuntergang über Königspalast und Ayeyarvady in Bagan

Wem der Andrang der Menschen hier zu groß ist, kann auch zur Bupaya-Pagode fahren; sie liegt am Ayeyarwady und gleicht einer Glocke, natürlich auch vergoldet. Sie war bei einem Erdbeben zerstört, ist aber wieder aufgebaut.

Bupaya-Pagode

Müde von so vielen Eindrücken zieht uns das Pferd mit der Kutsche zurück zum Thande Hotel, das unmittelbar am großen Fluss liegt. Hier hat schon Edward VIII von England 1922 residiert.

Thande Hotel, Bagan

Im Garten unter hohen alten Bäumen genießen wir das Abendessen und lassen die vielen Eindrücke nachwirken. Unvergleichlich schön. Hier ist Burma, Birma, Myanmar noch urwüchsig, authentisch; der Umbruch, den man in Yangon und Mandalay spürt, ist hier noch nicht angekommen.

Ufer des Ayeyarvady unterhalb der Hotelanlage

Heu-Ernte

Zur Entspannung nach so vielen Eindrücken gönnen wir uns noch ein paar Tage in Ngapali an der Andamanen See. Kilometerlanger Sandstrand und Hotels, die sich hinter den Palmen ducken. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, das Meer ist ruhig und warm. Etwas weiter gibt es mehrere kleine Restaurants, in denen wir landestypisch essen; es schmeckt nach Asien, aber doch eigenständig. Strom gibt es manchmal, die Hotels und Restaurants haben Generatoren.

Ngapali Beach vor unserem Bungalow

Obstverkäuferinnen am Strand 

Sonnenuntergang von unserer Terrasse aus

Der Flughafen im nahen Thandwe besteht nur aus ein paar Baracken; die Kontrolle ist penibel; obwohl nur ein Inlandsflug, werden die Pässe mit Bleistift in einer Kladde notiert. Danach dürfen wir auf den Flieger warten; der Ausgang ist allerdings offen und unbewacht, wir spazieren auf dem Vorfeld herum, bis plötzlich die Maschine ankommt. Sie schafft es auf der kurzen Landebahn noch vor dem Meer zu stoppen. Das macht für den Start Mut, aber das Flugzeug ist noch etwas kleiner als die bisherigen und schafft es bis Yangon. Etwas wehmütig treten wir dort die Heimreise an. Wir beschließen, wiederzukommen und haben das Versprechen gehalten.

(Co-Autor W.S.)

Ein Kommentar zu „Bagan – gigantische Tempelstadt

  1. Hat dies auf Ned Hamson's Second Line View of the News rebloggt und kommentierte:
    Vivaldi English translation of introduction: Bagan – gigantic temple city
    PUBLISHED ON 2. Juni 2019
    A must every trip to Burma is, along with Yangon, the former capital, and Mandalay, the economic focus, Bagan, the old royal city on a large loop of Ayeyarwady. Who was in Myanmar but not in Bagan was not in the country. King Anawrathta, crowned in 1044, made her the residence of his empire. Under his rule and the subsequent kings, it rose to become the largest Buddhist metropolis in the world. The rulers literally surpassed themselves in the construction of magnificent and mighty temples. On the Bagan plain, about 40km² in size, over 2000 large and small buildings of that time can still be admired. This area is on a par with Angkor in Cambodia and Borobodur in Indonesia or the other pilgrimage sites in the world.

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