Australien – Koalas in Not

Koalas gehören zusammen mit den Kängurus zu den bekanntesten Tieren, die nur in Australien heimisch sind. Aufgrund ihres niedlichen Aussehens mit den flauschigen Ohren, der großen Nase und der Ähnlichkeit mit einem Teddybär haben Koalas nicht nur in Australien, sondern auch auf allen anderen Kontinenten eine hohe Popularität erlangt.

Vor allem um diese possierlichen Tiere zu sehen, reisten meine Tochter und ich vor mehr als 20 Jahren nach Australien; der Kontinent war damals noch ein exotisches und schwer erreichbares Reiseziel. Mit dem Zug fuhren wir von Sydney zu einem­ Wildpark weit außerhalb der Stadt. Wir hatten zunächst Mühe, Koalas in den Ästen der Eukalyptusbäume auszumachen, da sie sich farblich nicht sehr von den Ästen unterschieden.

Beim Anblick des ersten Koalas war ich entzückt, und das freute die Tierpfleger. Sie setzten daraufhin sowohl meiner Tochter als auch mir Koalas auf den Arm und machten Erinnerungsfotos von uns mit den niedlichen Tieren (Die Fotos sind leider nicht scharf, aber man bekommt eine ungefähre Vorstellung  des Größenverhältnisses).

Meine Tochter mit Koalas

Die Koalas waren viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatte. Wir erfuhren, dass Koalas keine Bären sind, sondern dass sie zu den Beuteltieren gehören, dass sie 4 bis 15 kg wiegen und dass sie bis zu 85 cm groß werden können.

Mehr als 10 Jahre später war ich noch einmal in Australien, dieses Mal zusammen mit meinem Mann. Im Zoo von Sydney konnte ich mich erneut an den possierlichen Tieren erfreuen.

Dösender Koala

Koalas leben vor allem in Bäumen, wo sie sich kaum bewegen. Fatal ist das instinktive Verhalten der Tiere bei Feuergefahr, das die Aussichten auf ein Überleben der Koalas verschlechtert. Sobald ein Feuer ausbricht, klettern sie in die Krone der Bäume, rollen sich zusammen und machen sich klein. Kleinere Brände in der Nähe des Bodens können sie auf diese Weise überleben, aber wenn die Feuer wie in der augenblicklichen Situation hoch auflodern, haben sie keine Überlebenschance. Die verheerenden Buschfeuer, die seit Wochen den Osten und den Süden Australiens in Atem halten, sind für die ohnehin durch Klimawandel und Urbanisierung schrumpfende Zahl der Koalas eine Katastrophe. Die Leiterin des Koala-Krankenhauses in Port Macquarie sprach von einer „nationalen Tragödie“.

Koala im Zoo von Sydney

Nicht ganz so gefährdet wie die Koalas sind Kängurus, die ebenfalls nur in Australien vorkommen. Im Gegensatz zu den Koalas können Kängurus jedoch vor Gefahren wegrennen bzw. in großen Sprüngen davonjagen. Auch ist die Population wesentlich größer und vielfältiger. 

Kleine Känguru-Art

Seltener Albino mit anderer Känguru-Art

Kängurus sind in vielen Regionen Australiens beheimatet und ihre Spezie ist deshalb nicht wie die der Koalas vom Aussterben bedroht.

Verkehrsschild, das vor Kängurus warnt, die die Straße überqueren

Allerdings sind auch zahlreiche Kängurus Opfer der verheerenden Buschfeuer geworden. Besonders gefährdet sind Kängurus mit Nachwuchs, der nicht mehr ausschließlich im Beutel des Muttertieres lebt. Die kleinen Kängurus erkennen die Gefahren nicht so schnell wie die erwachsenen Kängurus und können deshalb nicht sofort reagieren und wegrennen.

Känguru mit neugierigem Nachwuchs

In Südaustralien konnten wir eine größere Herde von Kängurus mit Nachwuchs in freier Wildbahn sehen. Damals gab es noch genügend Gras, da keine derart extreme Trockenheit herrschte, wie es sie zur Zeit gibt.

Kängurus haben einen sehr langen Schwanz, der von den Tieren als Stütze beim Sitzen und auch zur Balance benutzt wird.

Brände sind im australischen Sommer durchaus üblich. Allerdings hatte der Sommer in diesem Jahr gerade erst begonnen, die Feuer wüten aber seit Wochen und Monaten in ungeahnter Größe und Intensität. Seit Oktober haben Hunderte Buschbrände in Australien nach Angaben der Behörden bereits mehrere Millionen Hektar Land vernichtet. Mehr als 1000 Häuser wurden zerstört. Australien leidet seit etwa zwei bis drei Jahren unter starker Dürre, die ausgetrocknete Vegetation entzündet sich also besonders leicht.

Vor den verheerenden Flammen fliehen auch Wombats, kräftige Wühltiere, die wie große Meerschweinchen aussehen und die bis zu 36 kg wiegen können. Auch sie gehören zu den endemischen Tieren, die es nur in Australien gibt.

Wombat in einem Tierpark

Auch andere endemische Tiere Australiens, wie z.B. Emus, leiden unter der extremen Dürre, die bereits seit langem viele Gegenden Australiens lähmt. Wie groß die Not der dem Vogel Strauß ähnelnden Emus inzwischen ist, wurde bereits im Juli in einem Bericht der lokalen Tageszeitung Daily Liberal deutlich, als der Reporter berichtete, dass er bei einem Spaziergang in der Nähe von Broken Hill alle 20 Meter einen toten Emu am Ufer des Sees gesehen habe.  In der Gegend hatte es das ganze Jahr über praktisch keinen Regen gegeben, und das fordere jetzt seinen Tribut. Es gebe Hunderte toter Emus, Pelikane und anderer Vögel rund um das Seensystem. Das sei schrecklich anzusehen.

Die überlebenden Emus drängen in ihrer Not nun in bewohnte Gegenden und in die Vorgärten der Bürger und auf Fußballfelder in Broken Hill ein, um ihren Hunger zu stillen. Der flugunfähige Laufvogel, der wie das Känguru auf dem australischen Wappen abgebildet ist, kann allein aufgrund seiner Größe gefährlich sein. Mehrere der stattlichen Vögel waren bereits in Verkehrsunfälle verwickelt. 

Flugunfähiger Emu, der bis zu zwei Meter groß wird

Von allen endemischen Tierarten sind jedoch die Koalas diejenigen, die am meisten gefährdet sind. Sie sind die Symbolfiguren Australiens und haben eine nationale und internationale Bedeutung. Deshalb hat sich wegen der verheerenden Buschbrände eine beispiellose Hilfswelle zugunsten der Koalas in ganz Australien ausgebreitet. Zahllose Helfer versuchen seit Monaten, den Koalas zu helfen, spezialisierte Krankenhäuser, Pflegestationen, Familien, die ihr Wohnzimmer als Krankenstation ausgebaut haben, um die an Fell, an der Nase und an den Pfoten verletzten Tiere zu behandeln, Einzelpersonen, die „Handschuhe“ als Schutz für die verletzten Pfoten der Koalas gestrickt haben und viele andere Aktionen sind gestartet.

Der Bundesstaat Queensland will zusammen mit Tierschützern, lokalen Regierungen und der Industrie den Schutz der Tiere verbessern. Die Regierung teilte mit, dass mehr als 570.000 Hektar Land als Koala-Prioritätsgebiet ausgewiesen werden sollen. Auf dieser Fläche sollen künftige Eingriffe wie Waldrodung strenger begrenzt werden.

Ein Ehepaar aus Tarree in New South Wales hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verletzten Koalas zu retten. Christeen und Paul McLeod arbeiten schon seit 1993 mit den Tieren. 2005 gründeten sie die NGO „Koalas in Care“. Dort arbeiten ausschließlich freiwillige, unbezahlte Helfer. Auf ihrer Website schreiben sie: „Unsere Freiwilligen setzen sich für das Wohlergehen und den Erhalt unserer wilden Koalabevölkerung und ihres Lebensraums ein. Wir betreiben einen 24-Stunden-Koala-Rettungsdienst für kranke, verletzte und verwaiste Koalas und arbeiten 365 Tage im Jahr.“

Momentan kümmern sich die McLeods um 24 Koalas. Eine Aufpäppelstation haben die beiden in ihrem Wohnzimmer aufgebaut. Die britische „Daily Mail“ berichtet von den Heilungsschritten, die bei Koalas mit Brandverletzungen beachtet werden müssen: Reinigung des Fells, Entfernung der verbrannten Haut und Auftragen von Cremes, um die Heilung der Verletzungen zu unterstützen.

3 Kommentare zu „Australien – Koalas in Not

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