Pfingstrose – „Königin der Blumen“

In unserer näheren Umgebung gibt es nur wenige Gärten, in denen Pfingstrosen zu sehen sind. Deshalb habe ich mich früher nicht besonders intensiv mit diesen Blumen beschäftigt. Das änderte sich, als wir 2016 das Luoyang-Museums in der chinesischen Provinz Henan besuchten, um eine der bedeutendsten Sammlungen über die Tang-Dynastie zu sehen. Im Museum gab es auch einen besonderen Bereich für Gemälde von Pfingstrosen, und wir erfuhren, dass Päonien in China schon seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle spielen.

Gemälde mit rosa und weißen Pfingstrosen im Luoyang-Museum

Die prächtige Pfingstrose, auch Päonie genannt, gilt in China als „Königin der Blumen“. Sie wird von vielen Chinesen noch immer als Nationalblume angesehen, auch wenn sie es offiziell seit der Kulturrevolution 1949 nicht mehr ist.

Viele Jahrhunderte lang kam nur der Adel in China in den Genuss, seine Gärten mit der Pfingstrose zu schmücken. Das ist wahrscheinlich eine Erklärung dafür, dass die Pfingstrose dort als Symbol für Reichtum, Ehre, Schönheit und Glück steht.

Die Blütenfarbe Gelb symbolisiert die Sonne, aber auch den Herrscher eines Landes.

Gemälde mit gelben Pfingstrosen im Luoyang-Museum

Die eigentliche Heimatstadt der Pfingstrosen ist Luoyang in der Provinz Henan. Dort wird alljährlich das Pfingstrosen-Festival veranstaltet.

Luoyang-Museum in Luoyang, Henan, China

Abteilung mit Gemälden von Pfingstrosen.

Seit mehr als zehn Jahren, seit dem Jahr 2008, ist dieses Festival auf der Liste des nationalen immateriellen Kulturerbes.

Seidenschal aus dem Luoyang-Museum

In buddhistischen Tempeln findet man häufig Lotus- bzw. Päonien-Motive. Der Legende nach sollen solche blühenden Pflanzen aus den Fußabdrücken des jugendlichen Buddhas entstanden sein.

Pfingstrosen haben mehr zu bieten als nur ihre Schönheit, denn in der chinesischen Medizin werden sie auch als Heilpflanzen verwendet. Ihre getrocknete Wurzel beinhaltet heilende Wirkstoffe.

Im achten Jahrhundert wurde die Pfingstrose von China zunächst nach Japan exportiert. Auch dort hat die Päonie eine besondere Bedeutung. Sie ist sowohl ein Symbol für Reichtum und weibliche Schönheit, als auch ein Zeichen für ein langes Leben und die Bedeutung des Kaiserhauses. Die Japaner lieben Päonien ebenso wie die Chinesen. Der Maler und Dichter Taniguchi Buson (1716-1784) malte sie und dichtete dazu in Haiku (Ergänzung von Olivia Kroth):    „Eine kurze Sommernacht – Aber in der Dunkelheit – Blühte die Päonie“.

Die Herkunft des lateinischen Namens „Paeonia“ hat zwei Geschichten. Die eine besagt, dass sich der Name von der alt-mazedonischen Landschaft Paeonia, einem Heimatland der Pfingstrose, herleitet.

Den Namen Paeonia soll die Pflanzengattung aber auch in Erinnerung an den Arzt Paion, der in der griechischen Sage den verwundeten Hades heilte, erhalten haben.

In der christlichen Malerei sind die ersten Motive von Pfingstrosen um 1400 entstanden. Sie erreichten im 19. Jahrhundert mit Manet, Delacroix, Renoir und Gaugin ihren Höhepunkt, z.B. mit dem Stillleben „Weisse Pfingstrosen“ (Edouard Manet).

Auch in der deutschsprachigen Literatur werden Päonien erwähnt. Die „Pfingstrose“ (von Ferdinand von Saar) und „Der alte Garten“ (von Joseph von Eichendorff) sind die bekanntesten Gedichte.

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Pfingstrosen sind auch wegen des Duftes sehr beliebt und werden daher gerne in der Kosmetik für Frühlings- bzw. Sommerprodukte verwendet. Der Duft ist besonders leicht und angenehm. Der Extrakt aus der Pfingstrose soll in Kosmetikprodukten zu einem strahlenden und feinen Hautbild beitragen.

Auch für die Zubereitung von Tees ist die Pfingstrose bedeutsam. Es gibt viele Teesorten, die auf Pfingstrosenbasis hergestellt werden. Die Wirkung des Pfingstrosentees, ganz gleich, für welche Sorte sich entschieden wird, soll das Wohlbefinden steigern, beruhigend wirken und Stress vermeiden. Daher wird der Tee auch häufig von Experten und Befürwortern der Alternativmedizin verschrieben und empfohlen.

Ungefüllte Pfingstrose

Zu der schönen weißen Päonie schrieb der japanische Dichter Kato Gyodai (1732 – 1792) folgende Worte in Haiku (traditionelle japanische Gedichtform):    „Dämmerung auf der Blüte – Der weissen Päonie – Die den Mond umarmt“.

Die Bauerngarten-Pfingstrose, auch Gemeine Pfingstrose genannt (Paeonia offincinalis) ist nicht nur wunderschön, sondern die kräftig rot leuchtende Pflanze strömt auch einen betörenden Duft aus. Sie ist aber nicht nur wegen ihrer Schönheit beliebt, sondern sie wird schon seit Jahrhunderten auch als Heilpfanze verwendet.

Sie steht in ihrer Anmut den Blüten der echten Rose in nichts nach. Mit ihrem sattgrünen Blattkleid wächst diese Sorte der Pfingstrose buschig auf 70 bis 80 Zentimeter in der Höhe und Breite.

Viele Menschen lassen Pfingstrosen aus sentimentalen Gründen wachsen, den sie erinnern sie an ihre Kindheit oder an den Garten ihrer Großmutter.

Der Duft der Pfingstrose variiert abhängig von der Unterart und der Tageszeit. Während die Pfingstrosen morgens süßlich rein duften, entfalten sich ihre Öle durch die Warme des Tages und beeinflussen den Duft massiv. Bei manchen Arten wird gesagt, dass sie einen süßen Duft bzw. einen sauberen, leichten Zitrus-Duft aufweisen. Der Duft der traditionellen chinesischen Pfingstrosen ist in der Regel sehr aromatisch.

 

 Lesenswert zu dem Thema „Paeonie“ ist auch der folgende Beitrag:

https://www.bambooblog.de/paeonie-pfingstrose

20 Kommentare zu „Pfingstrose – „Königin der Blumen“

    1. Herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar. Ich freue mich, dass Dir die Pfingstrosen ebenfalls so gut gefallen. Durch die intensivere Beschäftigung mit dem Thema „Pfingstrosen“ habe ich viel über die schöne Blume gelernt, auch durch die Gedichte von den alten Dichtern, die Du mir nahe bringst.

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      1. Hier sind noch einige andere japanische Haiku, die Du einfügen kannst, wenn sie Dir gefallen:

        Zur Schau der Päonienblüte
        Ist ein blasser Kimono gut
        Und eine Schale Tee

        Torin (1639-1719)

        ****

        Eine Schale Reis
        Gefüllt bis zum Rand
        Die Päonie

        Yaso Buson (1716-1784)

        ****

        Ein schwerer Karren
        Rumpelt vorbei
        Die Päonien zittern

        Yaso Buson (1716-1784)

        ****

        Dämmerung auf der Blüte
        Der weissen Päonie
        Die den Mond umarmt

        Kato Gyodai (1732-1792)

        Gefällt 2 Personen

    1. Es freut mich sehr, dass Dir die Bilder der Pfingstrosen gefallen. Für mich sind alle Blumen, auch die unscheinbarsten am Wegesrand, Zeichen der Wunder der Schöpfung. Liebe Grüße Marie

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