Norwegen vom Wasser aus gesehen

„Ja, vi elsker dette landet….“, „ja, wir lieben dieses Land….“, so lautet die erste Zeile der norwegischen Nationalhymne. Nicht nur die Norweger selbst lieben ihr Land, auch viele Besucher sind von Norwegen so fasziniert, dass sie das Land immer wieder besuchen.

Nirgendwo sonst findet man eine derart abwechslungsreiche Landschaft wie in Norwegen. Deshalb gehört für mich die Schiffsreise entlang der ganzen norwegischen Küste vom Süden bis in den äußersten Norden von Norwegen zu den ganz besonderen Reisen. Vom Wasser aus bekommt man völlig andere Eindrücke von der grandiosen Herbheit der Gebirgs- und Fjordlandschaften und von der Schönheit der Natur, als wenn man Norwegen auf dem Landweg besucht.

Unsere Schiffsreise begann in Oslo, der Hauptstadt von Norwegen am Ende des Oslo-Fjord.

Ausfahrt aus dem Hafen von Oslo, im Vordergrund das Rathaus

Wenn man durch den Oslo-Fjord fährt, sieht man erst, wie grün die umgebende Landschaft ist. Etwa ein Viertel der norwegischen Fläche ist bewaldet, im Süden sind es vor allem Laubwälder mit Eichen, Eschen, Haselsträuchern, Ulmen, Ahorn und Linden.

Fahrt durch den Oslo-Fjord

Mit jedem Kilometer verändert sich das Landschaftsbild, man bekommt dadurch einen Eindruck von dem enormen Variantenreichtum der Küste.

Die wechselnden Lichtverhältnisse und die unterschiedlichen Farben lassen die Küste jede Minute in einem anderen Licht erscheinen.

Norwegen ist ein Land mit grandiosen Landschaften und einer Küstenlinie, die sich über vierzehn Breitengrade erstreckt. Die reine Luftlinie beträgt 1752 Kilometer, da die Küstenlinie jedoch durch die unzähligen Fjorde und Buchten immer wieder unterbrochen wird, sind es mehr als 25.000 Kilometer, eine halbe Erdumdrehung.

Es gibt noch grandiose Natur im Überfluss, da nicht jeder Zentimeter des Landes urbar gemacht wurde. Sogar im Sommer liegt oben auf den Bergen noch Schnee.

 Nur etwa drei Prozent des Landes können einigermaßen sinnvoll landwirtschaftlich genutzt werden.

Die überwältigende Naturlandschaft der Fjordregion bildete sich im Laufe von mehreren aufeinanderfolgenden Eiszeiten.

Praktisch überall, wo man hinkommt, sieht man Fjorde und Wasserfälle. Nicht zuletzt deswegen hat die UNESCO die Fjordlandschaften in Westnorwegen auf die Weltnaturerbe-Liste gesetzt.

Die Landschaft hat sich nicht mehr groß verändert, seit sich die ersten Menschen hier angesiedelt haben.

Beim Betrachten der schönen Natur kam mir die Musik von Edvard Grieg in den Sinn. Die Norweger verehren den bekanntesten Komponisten von Norwegen wie einen Nationalhelden. In Griegs Werk spürt man, dass er es meisterhaft verstand, Natur in Musik umzusetzen.

Zu der schönen Landschaft von Norwegens Küste passt auch das Gedicht des norwegischen Dichters Olav H. Hauge „Det er den draumen“. In der deutschen Übersetzung heißt es:

„Das ist der Traum, den wir tragen,
daß etwas Wunderbares geschieht,
geschehen muß –
daß die Zeit sich öffnet,
daß das Herz sich öffnet,
daß Türen sich öffnen,
daß der Berg sich öffnet,
daß Quellen springen –
daß der Traum sich öffnet,
daß wir in einer Morgenstunde gleiten
in eine Bucht, um die wir nicht wußten.“

Olav H. Hauge (1908 – 1984) war ein norwegischer Lyriker und Übersetzer. Die Natur Westnorwegens gehört zu den wichtigsten Motiven seiner Lyrik.

Zu den attraktivsten Landschaften Norwegens gehört der mehr als 200 km lange Sognefjord, der sich in immer kleinere Arme verästelt. Der Sognefjord ist der längste Meeresarm der Welt und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Flam am Sognefjord, Schiffsanlegestelle für die Fahrt in den Nærøy-Fjord

Einer der schönsten Seitenarme des Sognefjords ist der nur 18 km lange Nærøy-Fjord. Er ist einer der engsten Fjorde Europas, der von mehr als 1000 Meter hohen Felswänden eingerahmt wird. Der Nærøy-Fjord ist an der schmalsten Stelle nur 250 Meter breit.

Nærøy-Fjord

Die Fjordfahrt auf dem Nærøyfjord ist eine der grössten Fjordattraktionen in Europa. Der Fjord gehört ebenfalls zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Der Geiranger-Fjord im nördlichen Teil von Westnorwegen gilt als einer der schönsten Fjorde, er gehört zu den bekanntesten Fotomotiven seit Beginn der Reisen entlang der norwegischen Küste. Auch der Geiranger-Fjord wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Einer der Wasserfälle des Geirangerfjord

Geiranger-Fjord

Auch wenn die Sonne nicht scheint, ist es reizvoll, die Küste mit ihren tief eingeschnittenen Fjorden vom Wasser aus zu sehen. 

  Briksdal Gletscher, teils durch Wolken verdeckt

 

Bei der Weiterfahrt Richtung Norden erlebten wir ein heftiges Gewitter mit viel Regen und starken Windböen. Kurze Zeit danach war das Gewitter wieder vorbei, und wir sahen ein faszinierendes Wechselspiel von Licht und Schatten durch die Wolkenbildung.

Danach beruhigte sich das Wetter, und es wurde wieder schön.

Bevor wir das Zentrum der nordnorwegischen Stadt Tromsø erreichten, sahen wir die Tromsø-Brücke, die das Zentrum mit Tromsdalen verbindet, in einem beeindruckenden Sonnenuntergang.

Tromsø-Brücke

Weiter nördlich, oberhalb des Polarkreises, liegen die Lofoten-Inseln verstreut auf den Gewässern des Europäischen Nordmeers. Dort gibt es kleine Fischerdörfer und viel Natur pur, majestätische Berge, tiefe Fjorde und weite, von der Brandung umspülte Strände. Die bizarr aus dem Meer aufragenden Lofoten-Berge, von denen einige bis zu 1000 Meter hoch sind, gehören zu den Topzielen von Norwegen. Früher waren die Lofoten-Inseln noch ein Geheimtipp, inzwischen sind sie ein begehrtes Urlaubsziel. Die mächtige Vulkankette der Lofoten hat entstand in der letzten Eiszeit.

Lofoten

Das kleine Städtchen Honningsvåg in Nordnorwegen dient in der Regel als Ausgangspunkt für eine Fahrt über Land, um das Nordkap zu besuchen.

Honningsvåg

Ein weiterer Höhepunkt der Schiffsreise war für uns der Blick auf den Nordkap-Felsen vom Wasser aus. Das legendäre Nordkap auf der norwegischen Insel Magerøya ist das nördliche Ende des europäischen Festlands. Rund 300 Meter ragen die Schieferfelsen steil aus dem oft wellengepeitschten Eismeer auf. Aufgrund seiner Lage gehört das Nordkap zu den Plätzen, von denen aus die Nordlichter am besten bestaunt werden können.Das Nordkap wurde zufällig von Kapitän Richard Chanceflor entdeckt, der von König Eduard VI beauftragt war, einen nordöstlichen Seeweg nach China zu suchen.

Nordkap-Felsen vom Wasser aus gesehen

Vor mehreren Jahren haben wir auf dem Landweg die große Plastik der Weltkugel des Nordkap oben auf dem Felsen besucht. Die Weltkugel  markiert symbolisch das Ende des europäischen Festlandes. Im Sommer versuchen viele Menschen, einen Platz direkt am Gitter zu bekommen, um einen schönen Blick auf das Eismeer zu haben und einen der legendären Sonnenuntergänge zu erleben. An der Kante des Schieferplateaus mit dem legendären Globus-Denkmal zu stehen und über das Meer zu blicken ist unvergesslich. Nur noch die Inselgruppe Spitzbergen trennt den Nordpol vom Nordkap. Gutes Wetter mit klarer Sicht ist selten, oft versperrt eine Dunstschicht oder aufkommender Nebel die Sicht nach unten auf das Wasser.

Plastik der Weltkugel auf dem rund 300 m hohen Felsen des Nordkap

Da das Wetter an dem Tag strahlend schön war, konnten wir einen besonders intensiven Sonnenuntergang über dem Eismeer sehen, den wir bei unserem ersten Besuch auf dem Felsen des Nordkaps von oben nicht erleben konnten.

Sonnenuntergang über dem Eismeer in der Nähe des Nordkaps

Norwegen ist ein Land der Superlative, man findet dort die höchsten Berge von Skandinavien, den gößten Festlandgletscher und die längsten Fjorde von Europa. Es ist eine enorm abwechslungsreiche Landschaft, wie man sie sonst selten findet. Die Eindrücke, die der Variantenreichtum der Küste vermittelt, sind unzählig.

23 Kommentare zu „Norwegen vom Wasser aus gesehen

      1. Querida Marie, es un placer ver lo que publicas, aunque me tardo mucho en leer por que tengo que traducir, de verdad que disfruté las fotografías, ya ves que me encanta la fotografía.
        Gracias a ti por lo que compartes, por responder y por tu gentll apoyo.
        Un gran abrazo.
        Elvira

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      2. Querida Elvira, aprecio mucho si te gustan mis fotografías. Para mí es muy importante hacer ver las bellezas – y también lo triste – que hay en todo el mundo.
        Saludos y un gran abrazo Marie

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      3. Querida Marie, tus fotografías son bellas e increíblemente profundas, conmovedoras. L fotografía es una de las cosas que más me gustan. Haces un trabajo genial.
        Un gran abrazo.
        Saludos
        Elvira

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    1. Liebe Anna, Norwegen hat eine wirklich beeindruckende Landschaft. Aber das war kein Grund für die Wikinger, im eigenen Land zu bleiben, sie sind wohl mehr aus Eroberungslust in die Fremde gezogen. Liebe Grüße und alles Gute Marie

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  1. Liebe Marie, Norwegen ist ein eindrucksvolles Land. Das kann ich nur bestätigen. Ich bin von Kiel mit dem Schiff nach Oslo gefahren. Einfach nur schön. Danke dir, du hast mir mit deinem Beitrag meine Erinnerungen wieder aufgefrischt. Gruß Maria

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    1. Liebe Maria, vielen Dank für Deine netten Worte. Schon die Fahrt mit dem Schiff durch den Oslo-Fjord bis nach Oslo selbst ist zauberhaft, das Blau des Meeres und das viele Grün, eine Wohltat in jeder Hinsicht. Es freut mich, dass Du das genießen konntest.
      Liebe Grüße Marie

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  2. Hermosa tu narración, Marie. Las fotos que le acompañan son preciosas. Me encantó tu relato y me fascinó el inicio, cuando te refieres a la primera línea del himno noruego. Qué dicha tan grande que la gente, en Noruega, se sienta orgullosa de su país y lo ame tanto. Me parece que el amor a los países se ha perdido. Deberíamos de sentirnos orgullosos de nuestros orígenes. Gracias por transportarnos a un sitio tan bello.

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    1. Te agradezco mucho por tus palabras tan amables, Santiago, significan mucho para mí. Tienes razón, tendríamos que sentirnos más orgullosos de nuetros orígines como lo demuestran los noruegos.
      Te deseo lo mejor y cuídate mucho Marie

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  3. Ein toller Bericht mit sehr schönen und stimmungsvollen Fotos, liebe Marie! Sofort erinnerte ich mich an unseren unvergeßlichen Norwegen-Urlaub im Okt.2018, während dem wir einige der von dir beschriebenen, beeindruckenden Gegenden besuchen konnten. Wenn ich jetzt im meinem Skizzenbuch blättere ( das ich unterwegs fast immer dabei habe und in das ich immer wieder gerne zeichne und schreibe), wünsche ich mir, noch einmal dorthin zu reisen…
    Vielleicht klappt es ja…irgendwie, irgendwann…
    liebe Grüße von Rosie

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  4. Vielen Dank für Deinen netten Kommentar, liebe Rosie. Deine Skizzen zu den beschriebenen Orten würde ich gerne sehen, vielleicht ergibt sich die Gelegenheit nach Corona.
    Liebe Grüße von Marie

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