Tanzbegeisterung in China

Das erste Mal haben wir China mit einer organisierten Reisegruppe besucht. Wir trauten uns damals nicht zu, uns ohne Sprachkenntnisse in dem großen Land mit der fremden Kultur zurechtzufinden. Während dieser Reise haben wir zwar viel von der Kultur Chinas kennengelernt, aber wir hatten keinerlei Kontakt mit den Einheimischen dort in ihrem Alltag. Deshalb fuhren wir das nächste Mal ohne Organisation und mit viel Muße. Wir ließen uns einfach treiben und waren erstaunt, dass wir ein völlig anderes Bild von der Bevölkerung Chinas bekamen, als wir es bisher hatten.

Abseits des  Eingangs zum Himmelstempels in Peking sahen wir ein bunt gekleidetes Paar, das zur Freude der Zuschauer verschiedene Tanzschritte zeigte. Es war für uns das erste Mal, dass wir in China Tanzbegeisterte sahen.

Tanzen in der Nähe des Himmelstempels in Peking

Welch großes Interesse am Tanzen jedoch viele Chinesen im allgemeinen haben, entdeckten wir eher zufällig. Wir suchten im abends im Dunkeln unser Hotel in der Wangfujing Dajie in Peking, als ich laute Radiomusik hörte. Ich ging der Musik nach und sah auf einem kleinen Platz in einer Nebenstraße eine Gruppe von Menschen, die nach den Angaben eines Sprechers bestimmte Tanzschritte machten. Als einige in der Gruppe mein Interesse bemerkten, luden sie mich mit Gesten ein, mitzumachen. Ich hätte das auch gerne getan, aber mein Mann wollte endlich ins Hotel, denn wir hatten gerade einen ermüdenden Langstreckenflug hinter uns.

Da wir uns in Peking einige Tage aufhielten, hatten wir genügend Zeit, um uns umzusehen und entdeckten dabei immer wieder in verschiedenen Parks Einheimische, die nach der Musik von Kasettenrecordern oder vom Radio tanzten. Es waren meist bekannte Standard- und lateinamerikanische Tänze, wie sie auch bei uns und in vielen anderen Ländern getanzt werden.

Rumba in einem Park in Peking

Im schön angelegten Behai-Park in Peking gibt es einen überdachten Pavillon direkt am Ufer des Sees. Dort konnten wir öfter zahlreichen Tanzenden jeden Alters zusehen. Sie tanzten mehr oder weniger geübt, manchmal auch mit wechselnden Partnern, aber es machte allen offensichtlich Freude. Da das Wetter sonnig und warm war, hielten wir uns im erholsamen Behai-Park gerne längere Zeit auf und sahen den Tänzern zu.

Besonders eine der Tänzerinnen zeigte eine große Begeisterung für das Tanzen. Mit einem der Partner machte ihr das Tanzen sichtlich am meisten Freude.

Wir konnten  von dem Pavillon aus nicht nur den Tanzbegeisterten zusehen, sondern auch in Ruhe den buddhistischen Tempel mit der 36 m hohen „Weißen Pagode“ (Bai Ta) betrachten, der gegenüber auf der künstlich aufgeschütteten „Insel der Erlesenen Jade“ errichtet wurde (der Tempel wurde 1651 anläßlich des Besuchs des fünften Dalai Lama eingeweiht). Die „Weiße Pagode“ ist in Peking weithin sichtbar, sogar von der Verbotenen Stadt aus.

Cha-Cha-Cha am Ufer des Sees im Behai-Park in Peking

Weiter im Süden von Peking in der Nähe der hübschen Stadt Hangzhou am West-Lake war es durchaus üblich, am Abend oder nach Feierabend nach der Musik vom Kasettenrecorder zu tanzen. Hier gab es ebenso nicht nur feste Paare, die zusammen tanzten, manchmal waren es auch zwei Frauen, die einfach nur tanzen wollten. Es gab aber auch richtige Profis unter den Tänzern, die das Bewegen nach Musik scheinbar sehr ernst nahmen.

Tanzen am Ufer des Westlake-Sees in Hangzhou

Tanzbegeisterte am Ufer des West-Lake bei Hangzhou

In der Nähe des Volksparks in Chengdu entdeckten wir manchmal Gruppen von Tanzenden, die sich gerne nach Musik bewegten. Auch eine ältere Dame in der Nähe der Jazz-Tanz-Gruppe ließ es sich nicht nehmen, ihren Rollstuhl zu verlassen und einige Tanzschritte zu üben.

Jazz-Tanz- Gruppe in einem Park in Chengdu

Tanzschritte neben der Jazztanz-Gruppe in dem Park von Chengdu

Nicht nur dem Vergnügen,  sondern mehr der Erhaltung ihrer alten Tradition dienen die abendlichen Tanzaufführungen der Naxi-Frauen in Lijiang, einer hübschen Stadt in Yunnan an den Ausläufern des Himalaya. Sie tanzen jeden Abend in ihrer traditionellen Kleidung auf dem zentralen Sifang-Platz der Altstadt von Lijiang.

Abendlicher Tanz der Naxi-Frauen in Lijiang, Yunnan

Die Naxi stammen von den tibetischen Stämmen der Qiang ab und siedeln vermutlich seit dem 10. Jahrhundert in diesem Gebiet. Sie konnten sich in Yunnan ihre Kultur weitgehend erhalten. Dazu gehört auch der abendliche Tanz in der Altstadt in ihrer traditionellen Tracht.

17 Kommentare zu „Tanzbegeisterung in China

    1. Dear Elvira, I thank you for your nice words. I appreciate very much your opinion and also that you like my fotos. They are for me the best way to show what is important for me.
      I also wish you a lovely week and be careful. Marie

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    1. Liebe Maria, ich freue mich sehr, dass Dir die Bilder ein wenig Freude machen. Tanzen, die Bewegung nach Musik, war für mich immer sehr wichtig, ich habe sogar früher meinen Mann dazu „überreden“ können, in einem Tanzkreis zu tanzen, viele Jahre lang. Danach wollte er sogar noch weiter machen, bis die Pandemie kam. Tanzen kann man sogar mit 90 und mehr Jahren, in unserem Kreis gab es ein solches Paar.
      Liebe Grüße Marie

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      1. Liebe Maria, ich kann gut verstehen, dass Du Dich wieder nach einem Stück Normalität mit Gesellkeit und Tanzabend sehnst. Diese langen Einschränkungen zermürben wohl die meisten, und ich hoffe sehr, dass es mit den Impfungen endlich voran geht. Liebe Grüße Marie

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      2. Marie, das stimmt was du schreibst. Ich muss einfach was loswerden…gestern habe ich eine Freundin zum Kaffee einladen wollen. Da bekam sie bedenken und meinte „nicht das ich dich anstecke.“ Sofort brach sie in Tränen aus und meinte „sie geht nirgendwo mehr hin weil sie ein schlechtes Gewissen hat.“… schrecklich. Ich habe mit ihr dann ausgemacht wir werden uns nächste Woche zusammen laufen gehen.

        Andererseits denke ich, dass die Momente auf deinen Bildern so wertvoll sind…es tut einfach gut diese anzuschauen. Was so selbstverständlich war und nun so viel Überwindung kostet.

        Gruß Maria

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  1. Achja, das Tanzen in China – da kommen Erinnerungen hoch! Wenn man das Tanzen als sloches betrachtet, ist vor allem das paarweise Tanzen in der Volksrepublik noch nicht lange Tradition. In den 1990er Jahren habe ich das nicht oft gesehen. Doch es steht im Zusammenhang mit der Freude der Chinesen an gemeinsamen sportlichen Übungen wie zum Beispiel Taichi. Morgens um 6 scheint halb Peking mit Gymnastik und auch Tanzen beschäftigt zu sein. Danke für die schönen Fotos!
    Liebe Grüße
    Ulrike

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    1. Liebe Ulrike, vielen Dank für Deinen Kommentar. Die Freude der Chinesen an gemeinsamen sportlichen Übungen habe ich auch als sehr ausgeprägt empfunden, oft alleine, viel in Gruppen, seltener als Paare. Das Schöne ist, dass es Chinesen jeder Altersgruppe praktizieren, ich finde das wunderbar. Daran können sich andere Nationalitäten ein Beispiel nehmen, es ist auf jeden Fall eine Bereicherung des Alltags.
      LIebe Grüße
      Marie

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  2. Es gab ein Missverständnis, Sie haben in einem der Blogs auf Spanisch geschrieben und ich dachte, Sie sind Spanisch und Ihre Sprache ist Deutsch. Ich spreche und schreibe auch Deutsch, weil ich 21 Jahre in Deutschland lebe, aber mein Blog ist auf Polnisch. Ich bin Polin, ich grüße Sie herzlich und lade Sie zu zwei Blogs und Fotogemeinschaftsgalerien ein

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    1. Ich bin in Kaliningrad geboren, bin Deutsche und habe ein Jahr in Südamerika gelebt, war oft in Spanien und habe Spanisch studiert, daher die spanische Sprache. Leider spreche ich kein Polnisch, ich habe aber die Einladung zu den Blogs und Fotogemeinschaftsgalerien gerne angenommen. LG Marie

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      1. Es spielt keine Rolle, dass Sie kein Polnisch sprechen. Am Ende meiner Einträge befindet sich ein Sprachübersetzer, den Sie auf Deutsch oder Spanisch umstellen können. Außerdem schreibe und spreche ich Deutsch, ich lebe in Deutschland, danke für Ihren Besuch und Ich lade dich immer ein

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