Angkor – Dschungeltempel im Würgegriff

Der buddhistische Tempel Ta Prohm, der um 1200 unter Jayavarman VII errichtet wurde, ist eine der größten und faszinierendsten Sehenswürdigkeiten im archäologischen Park Angkor in Kambodscha. Seit man sich dazu entschlossen hatte, den wuchernden Dschungel an diesem Tempel nicht zu roden, gehört er zu den malerischsten Ruinen von Angkor.

Auf den Mauern und Terrassen wachsen mächtige Bäume, deren Wurzeln Torbauten umrahmen, ganze Wände umklammern und Steinbrocken auseinanderbrechen lassen.

Die bis zu 6o Meter hohen Bäume, vor allem die Tetrameles nudiflora, sind manchmal schon seit Jahrzehnten mit dem 800-jährigen Mauerwerk des Tempels zusammen gewachsen und bilden eine faszinierende und einzigartige Einheit.

Die Restauratoren und Architekten der École française d’Extrême-Orient (EFEO) waren die ersten, die in der Neuzeit begannen, die Tempel zu restaurieren. Sie beschlossen, einen Tempel in dem Zustand zu belassen, in dem sie ihn vorfanden, sie entschieden sich für Ta Prohm. Die Vegetation und die herabgefallenen Mauersteine wurden nur soweit entfernt und gesichert, dass es Besuchern möglich ist, die Anlage zu begehen.

Besonders eindrucksvoll sind die Würgefeigen (Ficus virens) und die noch größeren Tetrameles nudiflora, deren Wurzeln ganze Gebäude überwachsen. Durch sie ist der Dschungeltempel Ta Prohm zu dem wohl zu dem berühmtesten und meist fotografierten Mauerwerk der Welt geworden.

Größenverhältnis von Mensch und Riesenwurzeln

Dass die französischen Archäologen entschieden haben, den Tempel Ta Prohm in dem gleichen Zustand zu belassen, in dem er gefunden wurde, liegt nicht nur allein darin, die faszinierende Urspünglichkeit der wuchernden Natur zu zeigen, sondern sie haben festgestellt, dass die Baumgiganten nicht beseitigt werden konnten, ohne auch die Bausubstanz mit zu schädigen. Der Tempel wurde nur vom Unterholz befreit und sicherheitsgefährdende Steine vom ganzen Tempelgelände entfernt. Es war eine kluge Entscheidung, die großen Bäume auch als Beispiel für die malerische Kombination von Stein und Holz zu bewahren.

Unvergessen ist Angelina Jolie, die als Lara Croft in dem 2001 gedrehten Abenteuerfilm „Tomb Raider“ zwischen den Gemäuern des Ta Prohm auf der Suche nach einem verschollenen Relikt ist, welches ihr Vater ihr vermacht hat. Dank der Verfilmung von Tomb Raider ist der Tempel Ta Prohm in den Fokus weltweiten Interesses geraten, was ihm auch häufig den Namen „Tomb Raider Tempel“ eingebracht hat.

Der Dschungeltempel Ta Prohm zählt zu der Kategorie der Tempel, die der „Herrlichkeit vergötterter Eltern“ gewidmet waren.

Auch wenn die Mauern des Ta Prohm heute zum gößten Teil verfallen sind, so ist die Tatsache, dass die Wurzeln der überwuchernden Bäume das Mauerwerk nicht zum Einsturz bringen, ein Zeichen für die enorme Stabilität der Bauwerke.

Auch andere Sakralbauten werden in Angkor von mächtigen Kapokbäumen umklammert, zum Beispiel der Tempel Preah Kahn, dessen Geländer noch größer ist als das von Ta Prohm. Er diente lange Zeit als Kloster und Universität. Unter der Herrschaft von Jayavarman VII waren allein mehr als 80.000 Menschen aus der Umgebung mit der Versorgung und dem Erhalt der Anlage betraut.

Ein wichtiger Baum in den Tempelanlagen von Angkor ist auch der Kapokbaum (Ceiba pentanra) mit seiner silbrig hellen Rinde. Er kann bis zu 50 m hoch werden, aus seinen Früchten gewinnt man Kapok, das gern als wasserabweisendes Füllmaterial verwandt wird. Der Baum entsteht aus den Samen, die von den Vögeln abgelegt wurden. Der Baum steckt seine Wurzeln durch die Rillen, um den Erdboden zu erreichen. Dadurch schiebt er die Steine auseinander, er hält sie aber auch gleichzeitig zusammen.

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel von der wuchernden Urgewalt der Riesenbäume, deren Wurzeln die Tempel umschlingen oder die aus kleineren Tempeltürmen herauswachsen (wie in diesem Beispiel), ist die Tempelanlage Ta Som.

Auch heute noch kann man sich ein Bild von der Kunstfertigkeit der Steinmetze machen, da das Mauerwerk durch die Baumwurzeln nicht völlig verdeckt ist, sondern noch etliche Kunstwerke, wie die Figuren der Apsaras, der Tempeltänzerinnen, gut erkennen lässt.

Der Stammdurchmesser der Bäume kann bis zu zwei Meter betragen, die Borke ist bräunlich bis gräulich und relativ glatt.

Aus den Steinen der Westmauer des Haupttempels von Banteay Kdei wächst ein lebender Baum heraus.

Wenn der Mensch nicht Hand anlegt und die üpppige Natur wachsen lässt, werden binnen kurzem die imponierenden Tempel von Angkor wieder im Würgegriff der Natur sein und völlig überwuchert werden.

24 Kommentare zu „Angkor – Dschungeltempel im Würgegriff

  1. Ein Bericht voller Wunder und interessanter Einzelheiten. Ich hatte vor 13 Monaten das Glück, diese einzigartigen Orten zu besuchen. Dennoch habe ich in diesem Beitrag noch Neues erfahren.

    Gefällt mir

    1. Es freut mich sehr, dass Du diese grandiosen Orte selbst sehen und dass Du trotzdem noch etwas Neues erfahren konntest. Wenn man sich genügend Zeit lässt, kann man die einzigartigen Tempel auch ohne Menschenmassen erleben.

      Gefällt mir

    1. Es geht mir genau so, sowohl die alten kunstvollen Tempel als auch die Bäume haben jeweils ihren ganz besonderen Reiz. Es ist schwer zu sagen, was beeindruckender ist. Alles Gute, Anna, und liebe Grüße, Marie

      Gefällt mir

  2. Mi apreciable Marie, tu artículo es extraordinario. Me hizo vibrar. Es increíble la poderosa coexistencia entre árboles y raíces tan enormes y ruinas con tantos siglos de antigüedad. Imagino que en ese lugar huele a tiempo, a historia, a enigmas, a naturaleza. Me encantó. Te felicito. Eres una dama extraordinaria.

    Gefällt mir

    1. Muchas gracias por tus amables palabras, Santiago, las aprecio mucho. Es muy impresionante ver de cerca las raíces e árboles tan enormes junto a las ruinas antiguas. Te saludo desde Alemania con toda mi amistad. Marie

      Gefällt 1 Person

  3. That relic of Park is fascinating and spooky at the same time. Trees and roots resemble monsters about to engulf the entire structure of buildings. You do such a detailed narration that one imagines being present in that dense jungle. One feels like a prisoner of history. The selection of photos is a great success that gives a special frame to the story. Greetings, Marie.
    Manuel Angel

    Gefällt 1 Person

  4. „Wenn der Mensch nicht Hand anlegt und die üpppige Natur wachsen lässt, werden binnen kurzem die imponierenden Tempel von Angkor wieder im Würgegriff der Natur sein und völlig überwuchert werden.“
    -Na ja, aber wir können die Natur auch nicht überall zulassen, weil wir keinen Platz für uns selbst hätten, um zu leben und uns zu entwickeln

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s