Amerika von oben

Vor vielen Jahren zeigte mir meine Freundin in Buenos Aires einen Bildband mit wunderschönen Fotos von der Gletscherwelt im Süden Argentiniens. Sie riet mir, so bald wie möglich dorthin zu fahren, da die Gletscher wahrscheinlich durch die zunehmende Klimaerwärmung bald abschmelzen würden. Damals gab es dort noch nicht den regionalen Flughafen, eine Fahrt über Land mit dem Bus wäre sehr langwierig und zeitaufwändig gewesen, deshalb gab ich den Plan auf, in den Süden zu fahren.

Argentinien

Vor wenigen Jahren, beim letzten Besuch meiner Freundin in Buenos Aires, konnte ich jedoch meinen Wunsch doch noch verwirklichen und mit meinem Mann nach Patagonien fliegen. Der Flughafen war inzwischen gebaut worden, und die regionalen Airlines konkurrierten mit niedrigen Preisen. Die wirklich beeindruckende Gletscherwelt gab es glücklicherweise immer noch.

Beim Rückflug nach Buenos Aires konnte ich aus dem Flugzeugfenster die unendliche Weite Pagoniens sehen. Dabei erinnerte ich mich an das Nationalepos Argentiniens von dem legendären Gaucho „Martín Fierro“, eines Rinderhirten der argentinischen Pampa. In dem Epos wird in rund 1200 Strophen die Geschichte des Gauchos Martín Fierro erzählt. Damals war das Buch und alle möglichen Artikel, die etwas mit Martín Fierro zu tun hatten, der absolute Verkaufsschlager.

Beim Anflug auf den nationalen Flughafen von Buenos Aires, der im Gegensatz zum internationalen Flughafen Ezeiza fast mitten in der Stadt liegt, bekam ich von oben einen Eindruck von der enormen Ausdehnung und den zahlreichen Parks der Metropole.

Anflug auf den nationalen Flughafen von Buenos Aires

Von Buenos Aires wollten wir zunächst zu den Iguazú-Wasserfällen im Norden Argentiniens. Der Blick aus dem Flugzeugfenster auf das weit verästelte Mündungsdelta des Rio de la Plata war für mich eine Art „déjà vu“ meiner früheren Wunschvorstellungen, denn die Beschreibungen von Karl May in seinem Buch „Am Río de la Plata“ entsprachen weitgehend der Wirklichkeit, obwohl Karl May selbst nie in Südamerika war. Dieses Buch hatte als erstes bei mir das große Fernweh geweckt, ich wollte den „Silberfluss“ und vieles mehr in der Region selbst kennenlernen. Der Río de la Plata ist eher ein Golf als eine Flussmündung. Er ist der Zusammenfluss der beiden großen südamerikanischen Flüsse Río Paraná und Río Uruguay zu einem gemeinsamen, teils fast 200 km breiten Mündungsdelta.

Mündungsdelta des Rio de la Plata, Zusammenfluss der beiden großen Flüsse Río Paraná und Río Uruguay

Während des Fluges zu den Wasserfällen von Iguazú im Grenzgebiet von Argentinien, Brasilien und Paraguay konnten wir sehen, wie ursprünglich und wasserreich ein Teil dieses Gebietes ist.

Seengebiet im Nordosten von Argentinien

Die Cataratas del Iguazú, die Iguazú-Wasserfälle, sind für mich die schönsten Wasserfälle, die ich je gesehen habe. „My poor Niagara….“ soll die frühere Präsidetengattin Eleanor Roosevelt beim Anblick der Wasserfälle von Iguazú ausgerufen haben. Wenn man die Wasserfälle nur vom Flugzeug aus betrachtet, sieht man vor allem die großen Mengen des aufsteigenden Wasserdampfes, von den Fällen selbst kann man aber nicht sehr viel erkennen. Aber wenn man die vielen Wasserfälle, die wie ein Juwel in den undurchdringlichen Regenwald eingebettet sind, von näherem sieht, kann man die einzigartige Schönheit der Natur bewundern: eine fast drei Kilometer lange Klippenwand mit rund 275 verschiedenen Wasserfällen (20 größeren und rund 250 kleineren Wasserfällen), einige der Wasserfälle sind doppelt so hoch wie die Niagarafälle.

Die Wasserfälle auf der argentinischen Seite
Iguazú-Wasserfälle von der brasilianischen Seite aus gesehen

Brasilien

Von den Iguazú-Wasserfällen ging es weiter die Ostküste Südamerikas entlag Richtung Norden, zuerst nach São Paulo und später nach Río de Janeiro.

Anflug auf das brasilianische Festland vor Santos, Brasilien

São Paulo hatte ich vor vielen Jahren kennengelernt, ich empfand die Stadt damals im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Städten als Anhäufung von Wolkenkratzern ohne die vielen Parks wie in Buenos Aires. Wenn man die Millionenstadt allerdings von oben sieht, kann man erkennen, wie viel Grün es doch in der Stadt gibt.

São Paulo, Brasilien

Vom Flugzeug aus sah ich die wunderschöne Landschaft zwischen São Paulo und Río de Janeiro aus einer anderen Perspektive. Damals fuhr ich auf dem Landweg mit dem Bus von Buenos Aires nach Rio de Janeiro, da sah ich nicht, wie viele Seen und unberührte Landschaft es in der Gegend gibt.

Ausblick auf die schöne Landschaft zwischen São Paulo und Rio de Janeiro

Wenn man in Río de Janeiro auf dem nationalen Flughafen Santo Domingo landet, sollte man auf der rechten Seite sitzen, weil man dort den besten Blick auf den Corcovado, den Zuckerhut und das Zentrum von Rio hat, so wurde uns empfohlen. Es war für mich sehr interessant, die schöne Stadt, in der ich vor so vielen Jahren einige Zeit verbracht hatte, beim Landeanflug von oben zu sehen.

Anflug auf Rio de Janeiro, rechts der Hafen, oben links der Pão de Açucar (Zuckerhut)

Der kleine Palast auf der Ilha Fiscal vor dem Zentrum Rio de Janeiro

Es war für mich der zweite Besuch der „Schönsten Stadt der Welt“, wie Rio de Janeiro oft genannt wird. Das erste Mal vor Jahrzehnten war ich allein, dieses Mal wollte ich meinem Mann die einzigartige Stadt zeigen. Wenn man vom Corcovado auf die Stadt , den Zuckerhut und die Guanabara-Bucht mit den vielen Inseln sieht, kann man verstehen, warum die Schönheit der Stadt in so vielen Liedern besungen wird.

Blick vom Corcovado auf das Zentrum von Rio de Janeiro und Zuckerhut

Unvergleichlich schön ist es, wenn man abends auf den Zuckerhut hinauffahren kann und einem dann fast die ganze Stadt in Licht getaucht zu Füßen liegt. Abends sind nur sehr wenige Leute dort oben, und es ist absolut ruhig, denn auch die anderen Besucher empfinden die Atmosphäre als etwas ganz Besonderes. Ganz links auf dem Foto kann man den weltberühmten Copacabana-Strand im Laternenlicht sehen, vorne links den Strand Praia Vermelha mit der Talstation der Gondelbahn und rechts einen Teil des Zentrums und die Bucht von Botafogo.

Blick abends vom Zuckerhut auf Rio de Janeiro, links der beleuchtete Strand von Copacabana
Aussicht vom Zuckerhut auf die Bucht von Botafogo und den erleuchteten Cristo Redentor auf dem Corcovado

Chile

Als ich von vielen Jahren allein von Buenos Aires über die Anden nach Santiago de Chile flog, konnte das Flugzeug nur in reltiv geringer Höhe fliegen, fast zwischen den Bergen hindurch; die Technik war damals noch nicht so ausgereift. Was mich während des Fluges etwas erschreckte, war der Anblick mehrerer Flugzeugwracks, die den Weg durch die Berge offensichtlich nicht geschafft hatten. Dieses Mal flog das Flugzeug in großer Höhe, und wir konnten die abwechslungsreiche Bergkette der Cordilleren von weit oben sehen.

Ausblick auf die chilenischen Anden
Anflug auf Santiago de Chile

Peru

Die Westküste von Lateinamerika ist noch vielfältiger als die Ostküste, vor allem durch die langgestreckte Bergkette der Amerikanischen Kordilleren, die teils vom Vulkanismus geprägt wird.

Flug über die Anden, Peru

Das Beeindruckendste, was ich je auf Reisen gesehen habe, war Machu Picchu – die in 2430 m Höhe gelegene „Stadt in den „Wolken“. Die alte Inka-Festung, die die Inkas im 15. Jahrhundert auf einem Bergrücken erbaut und nicht einmal 100 Jahre später verlassen hatten, wurde erst 1911 durch den amerikanischen Historiker Hiram Bingham entdeckt. In zwischen war es völlig vom dichten Tropendschungel überwuchertl. Ich war in den 1960er Jahren dort, als es dort kaum Touristen gab. Ich war für mehrere Stunden völlig allein in der geheimnisvollen und überwältigenden Anlage auf 2430 m Höhe. Es war ein überwältigendes Erlebnis, mich nahe dem Himmel zu fühlen und außer den Naturgeräuschen nichts zu hören und keinen Menschen zu sehen.

Macchu Picchu – die sagenumwobene Inka-Stadt in Peru im Jahr 1963

Der Besuch von Machu Picchu hatte für mich noch eine andere, wesentliche Bedeutung: ich war zum ersten Mal in meinem Leben allein unterwegs, weit weg von zu Hause und ohne meine drei Jahre ältere Schwester, die bis dahin immer eine Führungsrolle innegehabt hatte. Früher war ich eher ängstlich und unselbstständig, schon allein durch meine Kindheitserfahrungen, jetzt fühlte ich mich zum ersten Mal jung und unabhängig.

Mexiko

Flug über den Wolken in Zentralamerika

Auch der Flug von Buenos Aires nach Mexiko war für mich etwas ganz Besonderes: es war der erste Flug meines Lebens. Die Flugzeuge waren damals wesentlich kleiner und dementsprechend konnten sie nicht so weit fliegen, deshalb waren zum jeweils erneuten Auftanken insgesamt fünf Zwischenlandungen erforderlich – in Santiago de Chile – Lima / Peru – Guayaquil /Ecuador – Bogotá / Colombia und Tegucigalpa in Honduras, so dass ich ewig lang unterwegs war. Den Rückweg nach Buenos Aires habe ich dann in verschiedenen Etappen mit jeweils mehrtägigen Aufenthalten in den einzelnen Ländern zurückgelegt.

Vulkan Popocatépl 5452 m, Mexiko

Panama

Bis 2004 war die Puente de las Américas die einzige feste Straßenverbindung zwischen Nord- und Südamerika. Sie wurde danach von der Puente Centenario abgelöst, jetzt wird sie in der Regel nur von Kraftfahrzeugen benutzt.

Punete de las Américas, Verbindung von Nord- mit Südamerika

United States of America

Die Naturwunder im Südwesten der Vereinigten Staaten von Amerika haben mich besonders fasziniert.

Red Canyon, Bundesstaat Utah, USA
Grand Canyon, US-Bundesstaat Arizona
Bryce Canyon im US-Bundesstaat Utah
Canyonlands National Park, US-Bundesstaat Utah

Die Fotos sind während unterschiedlicher Reisen in verschiedenen Jahren aufgenommen und sollen einen kleinen Eindruck von verschiedenen Reisezielen in Amerika geben, die mich besonders fasziniert und teils auch geprägt haben.

https://nedhamsonsecondlineviewofthenews.com/2021/05/15/amerika-von-oben/

48 Kommentare zu „Amerika von oben

  1. Was soll man da schreiben ! Super toller Beitrag mit jede Menge Flugzeugaufnahmen. Beeindruckend die Gletscherwelt Argentiniens, der Grand Canyon, der Wasserfall, und Brasilien natürlich. Am meisten fasziniert haben mich die Hochhäuser von Sao Paulo und das sind ja hunderte. Also tolle Reiseeindrücke und die vergißt man auch nicht mehr !!!

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    1. Herzlichen Dank, Manni. Es freut mich sehr, dass Dir die Bilder gefallen, sie zeigen einen Querschnitt durch die Vielfalt des großen Kontinents Amerika. Das gerade jetzt schön, weil man solche Reisen zur Zeit nicht machen kann.

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      1. ja da bin ich heute schon durch Südamerika gereist ! Für mich standen diese Länder noch nie auf der Wunschliste und heute ist es mir zu weit weg. 3-4 Std. Flugzeit sind ok aber alles andere ist mir einfach zu viel.

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      2. Der Flug nach Südamerika ist extrem lang, wenn ich nicht aus irgendeinem Grund muss oder unbedingt will, mache ich auch keine solchen Flüge mehr. Ich fliege sowie so nicht gerne, für mich ist es einzig und allein die Möglichkeit, lange Strecken in kürzerer Zeit zu überwinden.

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      3. Also ich habe keine Flugangst oder ähnliches aber trotzdem bin ich froh die Füßen nach einem Flug wieder auf dem Boden zu haben. Mich stört da eher die Enge und die Platzverhältnisse. Sicherlich hat man auf Langstrecken mehr Platz als auf Mittelstrecken aber im Prinzip bleibt es einfach ein Sitzplatz ! Man muss selbst entscheiden ob man für ein Reiseziel dies so in Kauf nimmt oder auch nicht !

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    1. Vielen Dank für die netten Worte. Die Bilder sind von verschiedenen Reisen, auf einer einzigen Reise kann man gar nicht so viel sehen. South Carolina muss sehr schön sein, ich kenne es noch nicht. Ich hatte dort eine Brieffreundin, die mir einige Bilder geschickt hat.

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  2. Hat dies auf Ned Hamson's Second Line View of the News rebloggt und kommentierte:
    Google translation of second paragraph: „A few years ago, when my girlfriend visited Buenos Aires for the last time, I was able to make my dream come true and fly to Patagonia with my husband. The airport had now been built and the regional airlines were competing on low prices. Fortunately, the really impressive glacier world still existed.“ good story and wonderful photographs.

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  3. Viaggi meravigliosi, alcuni posti da te descritti così bene li ho visitati nei primi anni 70. Niente turisti e città che ora contano 12 milioni di persone allora erano di cira 2 milioni! Città del Messico in particolare e ancora ricordo la meraviglia del suo Museo di Antropologia, allora sicuramente il più bello e suggestivo del mondo! 🙋‍♀️

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    1. Grazie, Giovanna, per il tuo bel commento. Sono felice che tu sia stato in America Latina così presto, senza turisti. Conosco anche il museo in Messico, meraviglioso, ma anche il Museo Nazionale di Lima mi ha fatto una grande impressione. Ti auguro il meglio, Marie

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  4. Marie was für schöne Bilder. Mein Traum wäre es ja nach Grönland zu fahren. Ein Reiseziel das ich seit meiner Ausbildung als Reisekauffrau haben. Mich faszinieren solche Eisberge. Hier ist die Natur der Künstler der Eisskulpturen. Danke dir und liebe Grüße, Maria

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    1. Liebe Maria, ich danke Dir für Deine netten Worte. Die Gletscher waren die ersten Eisberge, die ich gesehen haben, und sie dann noch von so nahem sehen zu können, war überwältigend. Wie Du richtig sagst: die Natur als Künstler der Eisberge. Ich bin sicher, dass Du Dir bald Deinen Traum von Grönland erfüllst, ich die Eisberge von oben – aus dem Flugzeug – gesehen, das ist wirklich großartig. Liebe Grüße, Marie

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    1. Te agradezco mucho tus palabras, Santiago. Las aprecio bastante. Por supuesto que puedes ingresar el texto en facebook.
      Te deseo un buen día de Pentecostés. Saludos desde Alemania con toda mi amistad de siempre, Marie

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  5. Atemberaubende Fotos, Marie. Die Möglichkeit zu reisen erweitert unsere Sicht und unser Verständnis der Welt. Vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit den Lesern teilen. Ich für meinen Teil bin sehr dankbar, liebe Freundin. Ich wünsche Ihnen alles Gute, A.

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    1. Liebe Anna, herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar. Ich freue mich, wenn ich Dir ein wenig von der Verschiedenheit und Schönheit des amerikanischen Kontinents zeigen konnte (es gibt auch viel Trauriges zu sehen, aber das wollte ich in diesem Beitrag nicht zeigen). Auf einer einzigen Reise kann man das gar nicht erfassen.
      Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, LG Marie

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