„Stille Helden“

Sie wirken im Stillen, abseits der Medien, sie helfen allein oder auch zu mehreren in humanitären Organisationen überall auf der Welt. Es sind die „Stillen Helden“, die für diejenigen, die kurzfristig oder auch längere Zeit in Schwierigkeiten sind, Hoffnungsträger sind. Sie stellen ihre Zeit und ihre Arbeitskraft zur Verfügung, ohne danach zu fragen, ob ihr Wirken in irgendeiner Weise honoriert wird.

Diese „Stillen Helden“ gab es schon immer, solange ich mich erinnern kann, nicht nur hier, sondern auch in allen anderen Teilen der Welt. Meistens erfährt man in der Öffentlichkeit nichts von ihnen, das ist auch nicht ihr vorderstes Ziel.

Deutlich sichtbar wurden die „Stillen Helden“ hier, als Mitte Juli im Westen Deutschlands in einigen Gegenden ungewöhnlich heftige Regenfälle harmlose Bäche zu reißenden Fluten werden ließ, die ganze Ortschaften zerstörten. Die Helfer kamen teils, ohne dass sie erst gefragt werden mussten. Sie hatten aus den Medien und verschiedenen sozialen Netzwerken davon erfahren und fuhren einfach los zu den Unglücksstätten, packten mit an, schufen den Schutt zur Seite, halfen beim Reinigen und machten den Verzweifelten Mut. Einige hatten sich extra Urlaubstage dafür genommen, um bisher Unbekannten in ihrer Not zu helfen. Es waren manchmal Hunderte von Menschen jeden Alters, darunter erfreulich viele junge Menschen, die sich einbringen und anpacken wollten.

Vor der Flutkatastrophe gerettete Pferde in ihrer neuen Umgebung

Auch viele Tiere wurden von den „Stillen Helden“ vor den Fluten gerettet, ein großer Trost für die Besitzer, für einige sind die Tiere die Existenzgrundlage. In dieser schwierigen Zeit gab es unzählige Beispiele von selbstloser Hilfsbereitschaft und großartiger Solidarität. Ich kenne einige, die durch die Flutkatastrophe nicht nur ihren materiellen Besitz, sondern auch ideelle Werte, wie Unterlagen und Fotoalben verloren haben. Das alles können die „Stillen Helden“ zwar nicht ersetzen, aber zumindest können sie helfen und Mut machen.

Heute haben wir einen dieser „Stillen Helden“ zur letzten Ruhestätte in der Eifel begleitet. Wir kennen ihn schon seit vielen Jahren aus dem Segelclub am Rursee. Dort war er die ganzen Jahre über präsent, er war immer ruhig und freundlich und half dort, wo es nötig war, sei es als Mitglied des Vorstandes, als Segelwart oder auch als Segellehrer, der kostenlosen Segelunterricht erteilte. Noch eine Woche vor der verheerenden Flutkatastrophe im Westen Deutschlands haben wir ihn beim Segelunterricht erlebt.

Unser Segelfreund, der „stille Held“, bei der praktischen Segelausbildung auf dem Rursee (links auf dem Bootsrand sitzend)

Er rettete bei einem freiwilligen Einsatz in der Eifel anderen Menschen das Leben und ertrank dabei selbst in der reißenden Flut, die sich aus dem kleinen, normalerweise ruhig fließenden Fluss durch die extremen Regenfälle gebildet hatte. Das Unglück hatte für alle, die ihn kannten, ein Gesicht bekommen.

Er wird fehlen, nicht nur im Segelclub, dem in Zukunft etwas Wesentliches fehlen wird, sondern überall dort, wo er als Mensch, als Familienvater, als Helfer in der Not und als Freund ein Denkmal gesetzt hat. Aber er wird allen, die ihn erlebt hatten, und das waren unendlich viele, in dauerhafter Erinnerung bleiben.

Vor vielen Jahren hatte mir solch ein „Stiller Held“ in der Ferne das Leben gerettet. Danach war er verschwunden, ohne dass ich mich dafür bedanken konnte. Ohne diese zahllosen „Stillen Helden“ überall in der Welt wäre es traurig bestellt. Ihr unermüdliches, selbstloses Wirken macht Mut und bildet für so viele immer wieder ein Licht der Hoffnung.

10 Kommentare zu „„Stille Helden“

  1. Marie, tu texto es un dulce relato sobre los héroes silenciosos y su tarea humanitaria. Gracias por dar a conocer a esos seres que se dedican a salvar vidas. Lamento, por otra parte, lo que aconteció con tu amigo; sin embargo, al mencionarlo, al citar su caso y recordarlo, le rindes un homenaje muy merecido. Compartiré tu hermoso artículo en mis dos cuentas de Facebook. Saludos hasta Alemania con la amistad y el afecto de siempre.

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    1. Vielen Dank für Deine netten Worte, liebe Christa. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so viele „Stille Helden“ kennenlernen durfte. Deshalb war es mir ein Anliegen, ihnen auf diese Weise ein wenig zu danken. LG Marie

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  2. Was für eine schöne Hommage an „stille Helden“, einschließlich derjenigen, die einst Ihr Leben gerettet hat, Marie! Das sind Männer und Frauen nach Gottes Herzen. Sie suchen keine Werbung, keine Belohnung. Wie anders als die heutige Kultur, die sich auf Eigenentwicklung und monetären Gewinn konzentriert. Ich bete, dass sich Deutschland von diesen verheerenden Überschwemmungen erholt, und sende dir viel Liebe, meine gute Freundin. A.

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    1. Über Deine einfühlsamen Worte habe ich mich sehr gefreut, liebe Anna, vielen Dank dafür. „Stille Helden“ zu kennen und zu bewundern – was von vielen Seiten nicht geschieht – war und ist für mich immer ein echter Gewinn in jeder Hinsicht. Gerade in der heutigen Kultur, wo der Egoismus in so vielen Bereichen zugenommen hat, helfen sie, den Glauben an das Gute im Menschen zu bewahren. Ganz liebe Grüße nach Maryland, Deine Freundin Marie

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