Angkor Wat – Tempelwunder im Dschungel

Hauptattraktion von Kambodscha ist für die meisten Besucher des Landes die Tempelanlage Angkor Wat, das Nationalsymbol Kambodschas und zugleich das kulturelle „Herzstück“ des alten Khmer-Königreichs. Das UNESCO-Weltkulturerbe gilt als bekanntester Tempel Angkors, es ist das größte religiöse Bauwerk der Welt, eine bis ins Detail geometrisch angelegte Anlage mit Tempelberg und fünf Türmen, die von breiten Wassergräben umgeben ist.

Angkor Wat von oben, der Zugang zur Tempelanlage führt über den Damm links (alte Postkarte)

Den Haupteingang erreicht man über einen rund 12 Meter breiten und 200 Meter langen Damm, der mit Sandsteinplatten belegt ist.

Mönche auf dem Damm, der zur Tempelanlage Angkor Wat führt

Angkor Wat stellt die perfekte Nachbildung des Universums dar, so wie es in der hinduistischen Mythologie beschrieben wird. Die Wassergräben symbolisieren das Urmeer, Gräben und Galerien die Gebirgsketten und die Türme den Sitz der Götter. 

Die überdachten Außengalerien von Angkor Wat mit den kunstvollen Flachreliefs
Alte Bibliothek, Angkor Wat

Die imposante Tempelanlage wurde vor über 1000 Jahren ohne moderne Hilfsmittel gebaut, was wie ein Wunder erscheint. Über mehr als sechs Jahrhunderte lang war die Stadt der Mittelpunkt des Khmer-Reiches, das sich über die Grenzen des heutigen Kambodscha hinaus ausdehnte. Einst war Angkor Wat eine Stadt in der Stadt mit bis zu 20.000 Einwohnern. Der Bau hat mit Unterstützung von Hunderten von Elefanten ungefähr 37 Jahre gedauert.

Ursprünglich war Angkor Wat ein hinduistischer Tempel, der Vishnu (einem der am meisten verehrten Göttern der Hindus) geweiht war. Im späten 13. Jahrhundert wandelte sich Angkor Wat nach und nach von einer hinduistischen Kultstätte in eine Stätte des Theravada-Buddhismus, der ältesten noch existierenden Schultradition des Buddhismus.

Um das Tempelareal verläuft eine Säulengalerie als dritte Einfassung, in der sich die berühmten Flachreliefs befinden. Insgesamt sind es acht Galerien, die Angkor Wat umgeben. Auf den kunstvollen Flachreliefs sind die Schlachten der Khmer und ihr Alltag in Perfektion dargestellt. Es sind die längsten zusammenhängenden Flachreliefs der Welt.

Kunstvolle Flachreliefs auf den Außengalerien von Angkor Wat

Das Hauptheiligtum von Angkor Wat ist eine etwa 60 Meter breite und 31 Meter hohe Tempelpyramide mit fünf Türmen.

Um auf die oberste Terrasse von Angkor Wat hinaufzukommen, musste man eine sehr steile Treppe benutzen. Dabei gab es in der Vergangenheit unter den Besuchern immer wieder Unfälle, die in einigen Fällen sogar zum Tod führten.

Die alte, sehr steile Treppe

Deshalb hat man an der Ostseite des Tempelberges eine neue Treppe errichtet, die nicht ganz so steil ist. Der Blick von oben auf die grandiose Tempelanlage von verschiedenen Seiten und die üppige Vegetation der Umgebung ist einzigartig.

Buddhistisches Kloster, das ständig bewohnt war, auch nachdem die Stadt verlassen wurde

Einzigartig sind die zahllosen Verzierungen und Bemalungen selbst noch in entferntesten Ecken und unwichtigsten Türpfosten.

Ein Forscherteam von der Fachhochschule Köln arbeitet im Rahmen des „German Apsara Conservation Project“ seit 1997 daran, dass die Aspara, die immer mit einem sanften Lächeln abgebildet werden, erhalten bleiben. Das Projekt hat fast nur kambodschanische Mitarbeiter, die in den aktuellen Methoden geschult sind.

„Das Lächeln der Khmer“, Asparas mit fein ausgearbeiteten Steinmetzarbeiten

Die Apsara sind zu Hunderten in Angkor Wat und auch auf anderen Tempelanlagen dargestellt. Sie spielen sowohl in der Hinduistischen als auch in der Buddhistischen Welt eine wichtige Rolle.

Die kambodschanischen (lebenden) Tänzerinnen zeigen in Inneren der Tempelanlage Angkor Wat in der Originalkleidung ihr Können und sind für eine kleine Spende dankbar.

Mönch im inneren Bereich der Tempelanlage von Angkor Wat

Ein freundlich lächelnder Mönch bittet mit seinen Schülern um eine kleine Spende, um den Erhalt der grandiosen Tempelanlage von Angkor Wat zu unterstützen. 

Angkor Wat Ausgang auf der anderen Seite, im Osten der Tempelanlage

Hinter dem östlichen Ausgang der Tempelanlage steht ein Schild, auf dem darauf hingewiesen wird, dass man sich vor den frei lebenden Affen in Acht nehmen sollte. Die Tiere ergreifen alles, was in ihrer Reichweite liegt und nehmen sich das, was sie erbeuten können: Essen, Schmuck, Kameras und vieles mehr.

Der Affe, der sich im Korb des Motorrads niedergelassen hat, ist eher neugierig als angriffslustig. Er möchte alles untersuchen, was er sieht.

Nach dem Niedergang des Khmerreiches Mitte des 15. jahrhunderts wurde die Stadt von den Einwohnern nach und nach verlassen. Viele Jahrhunderte dienten die Tempelanlagen buddhistischen Mönchen als Wallfahrtsort, auch wenn sie ursprünglich hinduistischen Göttern geweiht waren. Inzwischen sind etwa 95% der Kambodschaner Buddhisten. Für sie, aber auch für alle anderen Kambodschaner, ist Angkor Wat eine bedeutende Pilgerstätte, es ist das kulturelle Herz von Kambodscha.

Mönche in der safranfarbenen Robe vor der Tempelanlage Angkor Wat

 Wer es zeitlich ermöglichen kann, sollte Angkor Wat zu verschiedenen Tageszeiten besuchen, weil dann die Lichtverhältnisse jeweils andere sind und man die unterschiedlichen Stimmungen besser einfangen kann. Immer wieder faszinierend sind die sich im Wasser spiegelnden fünf Türme der Tempelanlage von Angkor Wat.

 

Angkor Wat am Vormittag
Angkor Wat am späten Nachmittag

Angkor Wat ist, anders als bei Hindu-Tempeln sonst üblich, nicht nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet. Dadurch können die letzten Strahlen der untergehenden Sonne das grandiose Bauwerk berühren.

Angkor Wat abends

Der besondere Reiz eines Besuchs von Angkor Wat ist das Erleben und Aufnehmen der großartigen Atmosphäre, wie sie wohl nirgendwo sonst auf der Erde zu finden ist. Noch immer ist Angkor Wat „ein Traum aus Stein“, an dessen Schönheit man sich nicht satt sehen kann. Wessen Seele einmal von Angkor ergriffen wurde, der will immer wieder dorthin zurückkehren, um den Sonnenauf- und untergang über Angkor Wat zu erleben.  

Reblogged auf Ned Hamson’s Second Line View of the News

Weitere Blogartikel zu den Tempeln von Angkor:

Angkor Thom – rätselhafte Gesichtertürme

Angkor – Dschungeltempel im Würgegriff

 

27 Kommentare zu „Angkor Wat – Tempelwunder im Dschungel

  1. Hat dies auf Ned Hamson's Second Line View of the News rebloggt und kommentierte:
    Vivaldi translation of opening paragraph: The main attraction of Cambodia is for the Angkor Wat temple complex, the national symbol of Cambodia and at the same time the cultural “heart” of the old Khmer kingdom. The UNESCO World Heritage Site is the most famous temple in Angkor, it is the largest religious building in the world, a geometrical complex with a Temple Mount and five towers, which is surrounded by wide moats.

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  2. Obwohl ich nicht nur einmal in Angkor Wat war, habe ich vieles erst anhand der Fotos entdeckt, was ich vorher nicht erkennen konnte, weil man durch die Fülle der Eindrücke regelrecht „erschlagen“ wird. So habe ich z.B.erst hinterher gesehen, welche hinduistische Geschichten auf den verschiedenen Flachreliefs erzählt werden und außerdem mit welcher Feinheit auch die Arbeiten an den plastischen Reliefs herausgearbeitet wurden.

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  3. Extraordinario tu trabajo, Marie. Al leer tus textos y contemplar las fotografías artísticas, percibo tu sensibilidad y tu talento. Eres una dama que posee la capacidad de traducir los lugares, las costumbres y los paisajes para que nosotros, tus lectores, recibamos, ya asimilado, ese conocimiento y las experiencias que tienes de tus viajes. Debe ser maravilloso viajar y escucharte y mirar cómo te entregas a la fotogafía, al diálogo con la gente y a la redacción. Te felicito y lo reproduzco en mis dos cuentas de Facebook Saludos con el afecto y la admiración de siempre.

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  4. Muchas gracias por tus amables palabras, de las que me alegré mucho, Santiago. Estoy feliz cuando las imágenes y los textos te dan la impresión de una cultura fascinante. Te agradezco también por compartirlo en tus dos páginas de facebook. Te saludo desde Alemania con la amistad y el afecto de siempre, Marie

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    1. Herzlichen Dank für Deine netten Worte, liebe Anna. Es freut mich sehr, wenn Dir die Bilder einen Eindruck in die Kunstwerke der Khmer geben. Ich wünsche Dir alles erdenktlich Gute, liebe Grüße, Marie

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  5. Hallo Marie,
    kein Zweifel daran, dass Angkor Wat ein absolutes Muss ist. Leider war ich trotzdem noch nicht dort. Aber seit Jahren vergrößert sich mein Wunsch nach einer Reise in diese herrliche alte Stadt. Dein schöner Artikel und die tollen Fotos haben auch wieder einmal mehr dazu beigetragen. Ich war allerdings schon mal auf der Yucatán-Halbinsel in Mexiko und habe dort sehr zu schätzen gelernt, wofür sicher auch Angkor Wat steht: Uralte Tempelruinen mitten im tropischen Regenwald. Das ist eine hervorragende Kombination. Noch viel mehr, wenn auch noch wilde Tiere in der Nähe sind. Und die wunderschönen Reliefs, wie Fotos aus einer sehr lange vergangenen Zeit! Vielen Dank für Deinen schönen Beitrag!
    Herzliche Grüße,
    Jens

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