Meine Highlights in Südamerika

Lateinamerika hat für mich schon seit langer Zeit eine besondere Bedeutung. Die ersten Reisen, die ich in jungen Jahren allein unternahm, führten mich in verschiedene Länder des süd- und mittelamerikanischen Kontinents. Auch später war ich gelegentlich dort und besuchte einige der schönsten Highlights, besonders in Südamerika.

Lamas auf der Hochebene von Peru

1. Machu Picchu

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen gehört für mich der Aufenthalt in der alten Inka-Ruinenstadt Machu Picchu. „Ich kenne keinen anderen Ort auf der Welt, der sich hinsichtlich der Vielfalt seiner Reize und der Kraft seines Zaubers mit diesem vergleichen ließe”, sagte einstmals der amerikanische Entdecker Hiram Bingham, der 1911 die Zitadelle von Machu Picchu wiederentdeckte. Mit diesen Worten drückte Hiram Bingham genau das aus, was ich damals in der faszinierenden Ruinenstadt empfand.

Der Gipfel Huayna Pichu, der hinter der Ruinenstadt aufragt

In den 1960er Jahren gab es in Machu Picchu kaum Besucher, jeder konnte die Ruinenstadt betreten und an dem magischen Ort so lange verweilen, wie er wollte, es wurde kein Eintritt erhoben. Erst später, vor allem seit 1983 Machu Picchu zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten gehört, änderte sich das, Machu-Picchu wurde zu einem Besuchermagnet.

Es wird vermutet, dass die Festung als Verteidigungsanlage diente oder ein Zeremonienzentrum war, es könnte aber auch ein Rückzugsort für die Elite gewesen sein. Darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Treppen verbinden die Stufen der Ruinenstadt miteinander

Es ist erstaunlich, dass die Inka vor so vielen Jahrhunderten in der Lage waren, so große und schwere Steine die unwegsamen Wege auf über 2000 m hochzuschleppen. Bemerkenswert ist auch ihre Fähigkeit, die großen Steinblöcke ohne jegliche Verbindung zusammenzusetzen – ein Beweis für die große Erfahrung der Inka-Zivilisation.

Opferplatte auf der höchsten Stelle von Machu Picchu

Dort oben fühlte ich mich weit entrückt von allem, und ich fand es unglaublich faszinierend, an einem solch magischen Ort zu sein, um den sich so viele Theorien und Mythen rankten. Es war nichts zu hören, nicht einmal das Zwitschern eines Vogels. Erst nach einer ganzen Weile merkte ich an einer Bewegung, dass ich nicht mehr allein war. Ein junges Lama hatte sich in der Nähe niedergelassen und verhielt sich lange Zeit genauso friedlich und fast unbeweglich wie ich.

Ein junges Lama saß lange friedlich neben mir

Es konnte einem schwindlig werden, wenn man von der ungesicherten Plattform der Ruinenstadt Machu Picchu nach unten blickt und den 610 m tiefer gelegenen Fluss Río Urubamba sieht, der sich seinen Weg dort unten zwischen den hohen Felswänden bahnt.

Blick von der Ruinenstadt nach unten auf den 610 m tiefer fließenden Fluss Rio Urubamba

2. Fahrt mit dem Bus von Lima über Puno, Titicacasee, nach Cuzco

Ein einzigartiges Erlebnis war für mich die Fahrt mit einem klapprigen Überlandbus von Lima aus zunächst Richtung Süden bis zum Titicacasee und dann auf der peruanischen Altiplano-Hochebene Richtung Norden bis nach Cuzco. Die Fahrt sollte zwei Tage und eine Nacht dauern, da der Bus aber immer wieder eine Reifenpanne hatte und es manchmal stundenlang dauerte, bis die Reifen wieder geflickt waren, wurden es insgesamt drei Tage und zwei Nächte.

Ich war die einzige ausländische Touristin, dazu als junge Frau, das gab es in den 1960er Jahren in solchen Gegenden nicht oft, deshalb erregte das die Neugier der indigenen Mitreisenden. Sie waren sehr freundlich und hilfsbereit und gaben mir Essen und eine Decke für die kalten Nächte. Ich war erstaunt, dass es die Väter waren, die die kleinen Kinder mit Essen versorgten, sie auf den mitgebrachten Topf setzten und sie trösteten, wenn sie weinten.

Zweite Reifenpanne des klapprigen Überland-Busses auf der Hochebene von Peru

Als ich die ersten Lamas meines Lebens sah, war ich begeistert, vor allem weil die Tiere keine Scheu zeigten.

Die Lamas sehen mich genauso neugierig an wie ich sie

Der Bus musste insgesamt vier Mal eine Zwangspause einlegen, weil die Reifen beschädigt oder gar geplatzt waren. Die Reparatur dauerte manchmal Stunden, während derer der Busfahrer reichlich dem billigen Alkohol zusprach. Nach dem vierten Aufenthalt wurde der Fahrer wagemutiger und fuhr immer schneller. Nicht nur mir wurde mulmig zumute, auch die meine Mitreisenden schrien gelegentlich auf, wenn es allzu brenzlig wurde. Aber wir kamen schließlich doch noch in Cuzco an, wenn auch mit mehr als einem Tag Verspätung.

Auf über 3000 m Höhe zusammen mit Lamas

Lamas vor den scheebedeckten Gipfeln der Anden

3. Ecuador in den 1960er Jahren

Auch in Quito, der Hauptstadt von Ecuador, sah ich gelegentlich Lamas. In der auf 2850 m Höhe gelegenen Stadt hatte ich nicht damit gerechnet. Ich sah während meines Aufenthaltes dort mehrere Herden, die durch die schmalen Straßen der damals eher provinziellen Stadt getrieben wurden.

Lama-Herden in den schmalen Straßen von Quito

In Quito sah ich zum ersten Mal, wie viele Mädchen und junge Frauen mit Kindern auf den Straßen waren, um sich durch den Verkauf Obst, Gemüse oder etwas anderem etwas Geld zu verdienen. Viele waren Opfer sexueller Gewalt und hatten kleine Kinder, sie waren gezwungen, ihre Kinder irgendwie zu ernähren. Da es bei uns damals kein Fernsehen gab, war ich über solche Schicksale, wie es sie überall gibt, nicht informiert. Diese Bilder sensiblisierten mich seitdem für solche Themen.

Der Besuch des Äquatordenkmals „Mitad del Mundo“ war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Das Denkmal, das 23 km nördlich von Quito liegt, war in den 1960er Jahren noch sehr schlicht gehalten. Auf einem Schild stand, dass man sich mit einem Bein auf der Südhalbkugel und mit dem anderen auf der Nordhalbkugel befand, wenn man sich genau so hinstellte, wie dort angegeben war. Heute gibt es dort einen größeren Nachbau des Äquatordenkmals und ein Museum.

„Mitad del Mundo“, das alte Äquatordenkmal auf einer gedachten Linie, die die ganze Erde umspannt

4. Colonia del Sacramento, Uruguay

Ein Besuch von Colonia del Sacramento in Uruguay ist wirklich lohnenswert. Die hübsche Kleinstadt ist die älteste Stadt des Landes, sie liegt gegenüber von Buenos Aires am breiten Rio de La Plata. Die frühere Hafenstadt wurde 1680 von portugiesischen Truppen errichtet, später wurde sie während der Kolonialzeit ständig umkämpft und stand abwechselnd unter portugiesischer, dann wieder unter spanischer, kurze Zeit sogar unter britischer Herrschaft.

Die Basilica de Santisimo Sacramento, die älteste Kirche in Uruguay

Trotz der wechselhaften Geschichte konnte sich Colonia del Sacramento mit den schönen historischen Häusern einen einzigartigen romantischen Charme erhalten. Die historische Altstadt wurde zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt.

Colonia del Sacramento, Uruguay

5. Gletscherwelt Patagoniens – Nationalpark Los Glaciares

Vor wenigen Jahren hatten wir die Möglichkeit, den großartigen Nationalpark Los Glaciares in Patagonien im Süden von Argentinien zu besuchen, der zu den Welterbestätten der UNESCO gehört. Einer der bekanntesten Gletscher des Parks ist der Gletscher Perito Moreno, der zu den beliebtesten Attraktionen von Patagonien gehört.

Der Gletscher Perito Moreno, der sich in den türkisfarbenen Lago Argentino schiebt

Gletscher Perito Moreno

6. Iguazú-Wasserfälle

Die Iguazú-Wasserfälle gehören zum UNESCO Weltkulturerbe und grenzen an Brasilien und Argentinien. Sie sind nicht nur höher als die Niagara Fälle, sondern auch doppelt so breit. Die Nationalparks zu beiden Seiten der Iguazú-Wasserfälle sind Teil des Atlantischen Regenwaldes. Dieser beeindruckende Anblick brachte Eleanor Roosevelt dazu, bei ihrem Besuch der Niagara Fälle auszurufen: „Poor Niagara!“.

Einige der Wasserfälle auf der argentinischen Seite
Blick auf die Wasserfälle von der brasilianischen Seite aus
Links die brasilianischen Wasserfälle, rechts die argentischen Fälle, hinten links die Garganta del Diablo

Es gibt nicht viele Worte, um die unglaubliche Gewalt des Wassers zu beschreiben, die sich hier entfaltet. Es ist einfach beeindruckend.

Die Gewalt der herabstürzenden Wassermengen, brasilianische Seite der Wasserfälle

Die „Garganta del Diablo“ ist eine U-förmige, 150 Meter breite und 700 Meter lange Schlucht, in die gewaltige Wassermassen mit donnerndem Getöse hinabstürzen.

Garganta del Diablo, von der argentinischen Seite aus gesehen
„Garganta del Diablo“ auf der argentinischen Seite der Iguazú-Wasserfälle, hinten links die brasilianische Seite

7. Rio de Janeiro

Die Christusstatue auf dem 710 m hohen Berg Morro Corcovado ist für mich unlösbar mit Rio de Janeiro verbunden. Bereits seit 1931 breitet Cristo Redentor, Christus der Erlöser, seine Arme aus, um die ganze Stadt und seine Bewohner, die Cariocas, zu umarmen und zu beschützen. Schon bei meinem ersten Besuch der Stadt vor vielen Jahren hat mich die Statue enorm beeindruckt, und ich konnte verstehen, weshalb sie für die Cariocas von so großer Bedeutung ist.

Cristo Redentor von oben gesehen, Blick auch auf den Zuckerhut (alte Postkarte von 1963)

Die Christusstatue ist 30 m hoch und steht auf einem 8 m hohen Sockel, in dem sich eine Kapelle befindet. Die Spannweite der Arme beträgt 28 m.

Cristo Redentor, die ausgebreiteten Arme scheinen ganz Rio zu umarmen

Als ich vor einigen Jahren wieder Rio de Janeiro besuchte, war es ein ganz besonderes Erlebnis, oben auf dem Corcovado einen Palmsonntagsgottesdienst mit schönem Gesang vor dem Sockel der Christusstaute zu erleben. Der Pfarrer und die anwesenden Gläubigen ließen sich nicht durch die zahlreichen Menschen auf der Besucherplattform vor Statue stören, von denen die meisten den Gottesdienst gar nicht wahrgenommen hatten. Sie waren damit beschäftigt, nach vorne an das Geländer zu drängeln, um von oben den besten Blick auf die „schönste Stadt der Welt“ zu erhalten.

Palmsonntags-Gottesdienst am Sockel der Christusstatue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro

Viele Besucher von Rio de Janeiro kommen auch, um die schönen Strände von Rio besuchen. Im Vergleich zu den 1960er Jahren waren viele Menschen an den Stränden.

Der Strand von Copacabana vor wenigen Jahren, hinten rechts der Zuckerhut
Strand von Copacabana in den 1960er Jahren
Mädchen am fast menschenleeren Ipanema-Strand in den 1960er Jahren

Einen schönen Blick hat man vom Zuckerhut, dem Pão de Açúcar. Der Zuckerhut ist ein 396 Meter hoher, steilwandiger Felsen am westlichen Eingang zur Guanabara-Bucht. Abends ist der Blick von oben besonders schön, dann kann man den beleuchteten Strand von Copacabana, das Zentrum von Rio de Janeiro und im Hintergrund als Lichtpunkt die beleuchtete Christusstatue sehen.

Blick vom Zuckerhut auf Rio de Janeiro, links der Copacabana-Strand, die beleuchtete Chrisutsstatue sieht man als Lichtpunkt

8. Salvador da Bahia

Eine sehenswerte Stadt ist für mich auch Salvador da Bahia. Der vollständige Name ist „São Salvador da Bahia de Todos os Santos“. Salvador da Bahia gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und wird auch die „Stadt der Kirchen und Kathedralen“ genannt. Pelourinho, das ehemalige Zentrum der historischen Stadt, diente unter anderem auch als Sklavenmarkt. Die hellblaue Kirche Igreja do Rosário dos Pretos war die einzige Kirche, die von den dunkelhäutigen Sklaven besucht werden durfte.

Pelourinho mit bunt angestrichenen Häusern und der hellblauen Igreja do Rosário dos Pretos
Einheimische in traditioneller Kleidung vor dem Palácio Rio Branco
Salvador da Bahia, die „Stadt der Kirchen und Klöster“, vom Meer aus gesehen

10. Buenos Aires

Buenos Aires, die Stadt des Tango, hat seit vielen Jahrzehnten eine große Bedeutung für mich. Ich habe dort in jungen Jahren die prägendste Zeit meines Lebens verbracht, und ich war später auch mit meiner Familie da. Bis heute habe ich engen Kontakt zu Freunden in Buenos Aires.

Straßentango in der Calle Florida im Zentrum von Buenos Aires

In mehreren Beiträgen über verschiedene Themen habe ich über die vielseitige Stadt berichtet, unter anderem in: https://seniorenumdiewelt.wordpress.com/?s=Buenos+Aires+-+mon+amour

Abendstimmung am Rio de la Plata

39 Kommentare zu „Meine Highlights in Südamerika

    1. Vielen Dank für Deinen netten Kommentar, Tom. Ich hoffe, dass Dir die Bilder zumindest einen kleinen Einblick der Reiseziele gegeben haben. Inzwischen hat sich leider vieles verändert, nicht immer zum Guten. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, Marie

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    1. Thank you very much for your kind words, Cindy. I very much hope that in 2023 you will finally be able to fulfill all your travel wishes. I’m sure you’ll bring great pictures from your trip to Antarctica. I wish you the very best, Marie

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  1. Me tengo que detener en Machu Picchu. Como buen peruano me siento orgulloso de tener unas de la maravillas del mundo. Siendo universitario (1972) pude conocer y vivir un mes en Cuzco. Fue unos de los momentos mas emocionante de mi juventud porque estuve conviviendo con los vestigios que dejaron mis ancestros. Participe como extra en la Fiesta del Inti Raymi que es una ceremonia en honor del Dios Sol (Inti) que es una celebración multitudinaria donde asisten cantidad muy considerable de turistas extranjeros. En fin, tu crónica me ha hecho recordar momentos muy agradables de mi tierra y las fotos son formidables que le dan un marco especial a tu relato. Un gran abrazo Marie.

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    1. Muchas gracias por tu comentario detallado, Manuel A.. Machu Picchu y Cuzco se encuentran entre mis recuerdos de viaje más importantes y maravillosos. Estuve en Cuzco durante varios días y tuve la suerte de poder participar en las celebraciones de la fiesta del Inti Raymi, tanto en los desfiles en el propio Cuzco como en la fortaleza inca Sacsayhuamán a 3 km de Cuzco. Fue abrumador. Escribí en mi blog una publicación sobre Cuzco y la fiesta del Inti Raymi el 27 de marzo de 2018. Vosotros, los peruanos, podéis estar muy orgullosos de vuestra gran herencia. Un gran abrazo, Marie

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  2. Liebe Marie, vielen Dank für die beeindruckenden Fotos und Berichte. Es ist gut, dass Du darüber berichten kannst. Ich würde dort niemals hinfahren. Wie jeder Tempel wirkt auch dieser mystisch und leidvoll durch die Menschen- und Tieropfer. Die Ausrottung der Naturvölker hat leider auch hier nicht Halt gemacht, durch Entdecker und Missionare.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und sende herzliche Grüße, Gisela

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    1. Vielen Dank für Deinen netten Kommentar, liebe Gisela. Leider ist die Errichtung bedeutender Bauwerke immer mit vielen Opfern jeglicher Art verbunden. Die Besucher sehen später nur die Schönheit und Einzigartigkeit und können sich daran erfreuen. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, herzliche Grüße, Marie

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  3. Marie, tus textos y tus fotos tan especiales, hermosas y sensibles demuestran que existen lugares maravillosos en el mundo; sin embargo, también son prueba de que tu vida está rodeada de experiencias inolvidables. Pienso que cuando una persona revisa capítulos como los que tú nos compartes de Sudamérica y otras regiones del planeta, su vida se justifica. El hecho de compartir fotografías e información, como lo haces, proyecta tu grandeza humana. Gracias por ser una persona que aporta tanto para bien de los demás,

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  4. Oh, Siempre he tenido en mente viajar a este lugar, Pero creo no posible para mi,
    Asi que me conformo con este gran reportaje y imagenes de dicho lugar que son una maravilla,
    Gracias Marie, eres estupenda,
    Disfruta de un agradable fin de semana_!…. Sueños que abrazan,-Marina

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    1. Es freut mich, dass Du auch so viel von Südamerikas gesehen hast und dass es mit positiven Erinnerungen verbunden ist. Südamerika ist wirklich faszinierend mit all den unterschiedlichen Facetten jedes einzelnen Landes. BG, Marie

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