Chile – Santiago und Umgebung

Santiago de Chile, die Hauptstadt von Chile, liegt genau in der Mitte des über 4300 Kilometer langen und durchschnittlich nur 180 Kilometer breiten Landes. Die Lage ist spektakulär, denn die Stadt liegt in einem Tal und ist von den bis zu 6000 m hohen Bergen der Anden umgeben. Santiago de Chile, meist nur Santiago genannt, wurde im Jahr 1541 von Pedro de Valdivia gegründet, der den Namen für Santiago de Chile in Anlehnung an den bekannten Pilgerort Santiago de Compostela im Norden Spaniens wählte. Die Stadt bietet eine Fülle von Sehenswürdigkeiten, zwischen Hochhäusern, lauten Straßen und vielen Menschen gibt es eine Vielzahl grüner Plätze, eindrucksvoller Bauten und schönen Restaurants, Bars und Cafés. Santiago ist nicht nur wirtschaftliches und politisches Zentrum des Landes, sondern auch kultureller Mittelpunkt.

  1. Plaza de ArmasTreffpunkt der Stadt
Plaza de Armas im Zentrum von Santiago mit dem Reiterstandbild von Pedro de Valdivia, dem Gründer der Stadt

Die Plaza de Armas ist „das Herz und die Seele“ von Santiago, eine passende Bezeichnung für den städtischen Hauptplatz. Es ist ein wirklich eindrucksvoller Platz im Herzen von Chile, immer belebt und ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Der Platz wurde seinerzeit vom Stadtgründer Pedro de Valdivia selbst angelegt, ein stattliches Reiterdenkmal des spanischen Eroberers erinnert an ihn. Die Kathedrale – Catedral Metropolitana de Santiago – an der Plaza de Armas ist der Sitz des Erzbischofs von Santiago.

Catedral Metropolitana – die Kathedrale von Santiago de Chile

Das Zentrum um die Plaza de Armas zeigt besonders gut die Kontraste des Landes: neben den behäbigen Häuser aus der Gründerzeit sieht man die verspiegelten Hochhausfassaden der Business- und Finanzwelt.

Die Kathedrale neben der gläserner Fassade eines Bürogebäudes

Auf der Plaza der Armas steht ein Denkmal zu Ehren der Urbevölkerung von Chile. Die Mapuche sind das einzige präkolumbianische Volk in Lateinamerika, das sich gegen die Kolonialisten jahrhundertelang bis zur Unabhängigkeitserklärung wehren und durchsetzen konnten.

Denkmal zu Ehren der Ureinwohner Chiles (Monumento en honor a los pueblos indígenas de Chile)

Nirgendwo in Santiago kann man mit den Chilenen so gut kommunizieren wie auf dem riesigen Platz, dessen viele Bänke sind meist vollbelegt sind.

2. Cerro Santa Lucía – die grüne Oase der Stadt

Springbrunnen, grüne Bäume und Rasenflächen, Blumen und eine kleine Kapelle, all das bietet der Cerro Santa Lucia, ein wirklich sehenswertes Refugium mitten in Santiago. Der Hügel besitzt einen parkähnlichen Charakter, von 1872 bis 1875 wurde er als Freizeitpark und Erholungsgebiet für die Santiaguinos angelegt. Der bewaldete Cerro Santa Lucía schließt den Innenstadtbereich im Osten ab, es ist ein besonders schönes Ausflugsziel für alle, die sich nach etwas Ruhe und Natur inmitten der lauten Stadt sehnen. Barock gestaltete Treppenaufgänge und von Bäumen gesäumte Wege führen zu mehreren Terrassen und Brunnen.

Die chilenische Flagge weht vom Cerro Santa Lucía in Santiago de Chile

Es geht dort ruhig zu, die Leute genießen die Ruhe von der quirligen Stadt, spielen Schach, reden oder genießen die Natur. Der Cerro Santa Lucía ist nur 69 Meter hoch, aber die Aussicht über die Stadt Santiago bis hin zu den Anden ist wirklich lohnend.

Ausblick vom Cerro Santa Lucía auf die Stadt und die Anden

3. Cerro San Cristóbal

Der Hausberg von Santiago de Chile ist 880 Meter hoch, schon allein die Fahrt mit der alten Seilbahn bis nach oben ist ein Erlebnis für sich. Auf dem Gipfel steht eine 14 Meter hohe Marienstatue, viele Einwohner von Santiago kommen hierher, um die Jungfrau Maria für etwas zu bitten.

Die 14 Meter hohe Marienstatue auf dem Cerro San Cristóbal in Santiago de Chile

Am Sockel der Statue gibt es eine Möglichkeit, Zettel und anderes mit Danksagungen für die Jungfrau Maria zu befestigen.

Danksagungen an die „Virgen“

Von oben hat man einen guten Ausblick auf Santiago und die Anden, wenn nicht gerade allzu viel Smog die Sicht erschwert.

Ausblick vom Cerro San Cristóbal auf Santiago
Ausblick vom Cerro San Cristóbal auf die Stadt und die Anden

4. Palacio de La Moneda

Der Palacio de La Moneda, die einstige Münzprägeanstalt Chiles (fábrica de la moneda), ist der heutige Palast des chilenischen Präsidenten. Dort befindet sich zwar der Amtssitz, jedoch nicht die persönliche Residenz des Präsidenten. Der im neoklassizistischen Stil von vom italienischen Architekten Joaquin Toesca entworfene Palast wurde zwischen 1786 und 1812 erbaut, seit 1951 ist der Palacio de La Moneda Nationaldenkmal. Bekannt wurde er vor allem als Schauplatz des blutigen Militärputsches vom 11. September 1973 gegen Salvador Allende durch den General und späteren Diktator Augusto Pinochet.

Der Präsidentenpalast Pacalcio de La Moneda

Am 8. März 2001, dem Internationalen Tag der Frau, sah ich in einem Innenhof des Präsidentenpalastes ein Plakat, das folgendes ministerelles Versprechen der chilenischen Regierung beinhaltete: „Die Regierung Chiles, vertreten durch ihre Staatsminister, erkennt den wichtigen wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Beitrag der Frauen zur Entwicklung des Landes an. Unsere Verpflichtung besteht darin, konkrete Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern durchzuführen und jedes Jahr und am Ende des Sechsjahreszeitraums über die Fortschritte und Erfolge bei der Konsolidierung der vollen Staatsbürgerschaft der Frauen in Chile Bericht zu erstatten.“

Ein Versprechen der Regierung an alle Frauen Chiles anlässlich des „Dia de las Mujeres“ im Innenhof des Präsidentenpalastes

Die Frauenbewegung ist zwar in vielen Städten Lateinamerikas aktiv, in Chile ist sie jedoch besonders stark, auch wenn es noch immer Gewalt gegen Frauen gibt, wie die Bewegung „Ni una menos“ zeigt .Die Rollenbilder, die vom „machismo“ geprägt wurden, beginnen dort seit einiger Zeit aufzubrechen. Emanzipation ist in Santiago de Chile keineswegs nur ein Schlagwort, dass Michelle Bachelet zuerst Verteidigungsministerin und dann Präsidentin von Chile werden konnte, dass die Tochter des ermordeten Präsidenten Alvador Allende zur Präsidentin des Unterhauses gewählt wurde und noch einige andere Beispiele beweisen die Fortschrittlichkeit des Landes.

5. Pablo Neruda – Isla Negra

Pablo Neruda ist einer der größten Dichter des 20. Jahrhunderts, 1971 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Die Verleihung des Preises begründete das Komitee damit, dass der Dichter den Preis „für eine Poesie, die mit der Wirkung einer Naturkraft Schicksal und Träume eines Kontinents lebendig macht“, erhalte. Pablo Neruda wurde 1904 geboren und starb 1973 in Santiago de Chile, die Ursache seines Todes ist bis heute nicht endgültig geklärt.

Pablo Neruda ist auf Isla Negra überall gegenwärtig: hier als Skulptur aus Fels in der Nähe seines Hauses

Das Haus von Pablo Neruda im kanpp 100 Kilometer von Santiago entfernten Isla Negra, war das Lieblingshaus des Dichters. Wenn man durch das Haus geht, dass inzwischen in ein Museum umgewandelt ist, bekommt man den Eindruck, dass Pablo es gerade erst verlassen hat. Überall steckt Liebe zum Detail, und jedes Zimmer ist auf seine Weise einzigartig. In das Schlafzimmer fällt sowohl morgens als auch am Abend die Sonne. Das Esszimmer lässt einen die vielen Abende erahnen, die der Dichter hier als Gastgeber veranstaltet hat. In einem weiteren Zimmer kann man Einnerungen aus seiner Kindheit sehen.

Das Haus von Pablo Neruda am Meer

Pablo Neruda war aber nicht nur Dichter, er wurde in seiner Heimat auch für sein politisches Engagement verehrt. 1969 stellte man ihn zum Präsidentschaftskandidaten der Kommunistischen Partei Chiles auf, er verzichtete aber zu Gunsten seines Freundes Salvador Allende. Er vertrat sein Land Chile in hohen Staatsämtern: Er war Botschafter in Frankreich, China, Japan und Indien und Konsul in Madrid, Chile und Mexiko.

Pablo Neruda in Stein gehauen: „Der alte Mann und das Meer“

„Das Meer. Schiffe. Natur. Und Kultur“, diese Passionen verkörpert die «Isla Negra». Nerudas Anwesen liegt inmitten eines Meeres hölzerner Strandhäuser, es ist jetzt ein Museum mit unzähligen Sammelobjekten des Dichters. „Die wilde Küste von Isla Negra mit ihrem ozeanischen Aufruhr gestattet es mir, mich mit Leidenschaft der Aufgabe meiner Dichtung zu widmen“, schrieb Pablo Neruda einst. Das Lieblingshaus des Dichters – er besaß noch zwei Häuser in Valparaiso und in Santiago – thront über einem Strand an der Pazifikküste, hier liegt auch die letzte Ruhestätte des Dichters und seiner Frau.

Die Küste des Pazifik in der Nähe des Hauses von Pablo Neruda
Das Schlafzimmer von Pablo Neruda mit Blick aufs Meer (Postkarte aus dem Museo Pablo Neruda)

Pablo Neruda gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten Chiles. Sein Gedichtszyklus „Aufenthalt auf Erden..“ gilt als eines der bedeutendsten Werke der spanischsprachigen Literatur. In seinem Werk „Dich suchte ich“ besingt Neruda die Liebe und den Schmerz der Trennung, er erzählt von Chile, von der Natur seines Heimatlandes und vom Reisen. Es handelt sich um Verse, die er spontan auf auf Zetteln, Menükarten, Konzertprogrammen und anderem notiert hatte. Pablo Neruda war mit zahlreichen bedeutenden Künstler befreundet, wie z.B. García Lorca, Pablo Picasso und anderen.

6. Pomaire – ein Künstlerdorf
Unterwegs besuchten wir noch den Seehafen San Antonio und außerdem das hübsche Künstlerdorf Pomaire, in dem unter anderem Töpferwaren angeboten wurden.

Künstlerdorf Pomaire

7. Valparaiso

Pablo Neruda besaß drei Häuser, eines der Häuser steht in Valparaiso ganz oben auf einem der vielen Hügel, auf denen die Stadt erbaut ist. Neruda hatte das Haus Ende der fünfziger Jahre erworben, seine „Villa Sebastiana“. Bei meinem ersten Besuch in Chile fuhr ich mit dem Bus nach Valparaiso und habe ich es mir damals angesehen.

Valparaiso

Ich habe Chile unter drei verschiedenen Präsidenten besucht. Das erste Mal war ich in den 1960er Jahren dort, Santiago de Chile war das letzte Ziel meiner Rundreise durch Mittel- und Südamerika, 2001 war ich noch einmal mit meiner Tocher in Chile und einige Jahre später mit meinem Mann. Die Stadt hat sich in den Jahren etwas verändert wie die meisten großen Städte Lateinamerikas, der Verkehr hat enorm zugenommen mit den negativen Folgen der Luftverschmutzung, so dass oft eine Smogschicht über der Stadt liegt und man dann die Silhouette der Andenkette kaum erkennen kann. Aber nichtsdestotrotz ist Santiago de Chile eine besondere Stadt, deren Besuch sich durch die vielen unterschiedlichen Facetten und Möglichkeiten immer wieder lohnt.

15 Kommentare zu „Chile – Santiago und Umgebung

    1. Thank you very much, Cindy. I can understand that you love this country with its many different landscapes and generally very friendly people. Valparaiso is a very beautifully located city on the many hills. I wish you all the best and have , a nice week with new wonderful photos, Marie

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    1. Vielen Dank, Bernd. Das Denkmal zu Ehren der Ureinwohner hat mich auch sehr beeindruckt. Die Mapuche haben sich niemals von den spanischen Eroberern unterkriegen lassen, ebenso wenig wie von den Inkas, die damals auch in Mapuche-Gebiet vordrangen und das ihr Land erobern wollten.

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