Südsee-Impressionen

Tahiti zu sehen – das war ein Traum, der für mich zu der damaligen Zeiten unerfüllbar schien. Ich hatte zu meinem fünfzehnten Geburtstag ein Poster geschenkt bekommen, auf dem die „Mädchen am Strand“ von Paul Gauguin zu sehen waren. Seitdem träumte ich davon, eines Tages nach Tahiti zu fahren, um die Mädchen mit den langen Haaren und den bunten Pareos selbst zu sehen, die Insel schien für mich das „Paradies auf Erden“ zu sein. Damals waren Reisen in andere Länder für mich überhaupt nicht vorstellbar, und schon gar nicht Reisen in die ferne Südsee.

Tahiti

Postkarte, die ich aus Tahiti mitgebracht hatte

Viele Jahre später konnte ich mir den Traum erfüllen und nach Tahiti fahren mit der Hoffnung, am Strand solche Mädchen zu sehen wie auf dem Poster meiner Jugendzeit. Ich habe sie gesehen, allerdings nicht am Strand, sondern nur als Reproduktion im Gauguin-Museum auf Tahiti oder auf Postkarten.

Vorführungen von Korbflechten, Folklore-Musik und Verkauf von Pareos auf der Terrasse der Hotelanlage

Dafür hat mich die großartige Landschaft und die exotische Flora auf Tahiti fasziniert. Tahiti ist eine Vulkaninsel mit hohen Gipfeln, der höchste ist der Mont Orohena mit 2241 m. Die schroffen grünen Hänge sind dicht mit tropischen Pflanzen bewachsen. Es gibt nur wenige natürliche Strände, die weißen Sandstrände, die man auf Bildern sieht, haben in der Regel die großen Hotels künstlich aufgeschüttet, das gibt der Insel aber einen besonderen Reiz im Vergleich zu anderen Inseln.

Pareo aus Tahiti, der auch nach vielen Jahren und zahlreichen Wäschen seine schönen behalten hat

Vom Garten der Hotelanlage etwas außerhalb von der Hauptstadt Papeete hatten wir einen wunderbaren Blick auf das Meer und auf die siebzehn Kilometer entfernt liegende Nachbarinsel Moorea. Es war faszinierend, das sich ständig ändernde Wolkenbild zu betrachten: mal schien ein Gewitter zu drohen, dann nahmen die Wolken eine dramatische Färbung an, später strahlte die Sonne wieder und ließ die intensiven Farben der Lagune und des Meeres leuchten. Besonders interessant war das Bild kurz vor Sonnenuntergang, wenn vor der Kulisse der Insel Moorea mehrere Viererkanus mit Steuermann um die Wette paddelten.

Blick vom Garten der Hotelanlage auf die Schwesterinsel Moorea

Tahiti ist eine Doppelinsel, Tahiti Nui (Groß-Tahiti) und Tahiti Iti (Klein-Tahiti), sie sind durch den Isthmus von Taravao verbunden. Von einem Aussichtspunkt auf der Ringstraße, die die Hauptinsel umgibt, hatten wir einen schönen Blick auf die Westküste der Insel mit Papeete und auf Moorea, wenn sich die Wolkendecke lichtete.

Ausblick von einer Anhöhe auf die Westseite von Tahiti (Moorea im Hintergrund)

Wir verließen Papeete mit dem Schiff, um in einer knappen Stunde zur Schwesterinsel Moorea zu fahren, dabei konnten wir vom Wasser aus die Silhouette der Stadt gut sehen, die immer kleiner wurde. Die hohen Gipfel der Berge waren jedoch meist durch Wolken verdeckt.

Blick vom Schiff aus auf Papeete

Moorea

Moorea, die „kleine Schwester“ von Tahiti, ist nur etwa 17 Kilometer von der größeren Insel entfernt. Moorea ist ebenfalls eine Vulkaninsel mit grün bewachsenen Hängen. Das Leben geht dort jedoch wesentlich beschaulicher zu, das schätzen auch viele Tahitaner, die mir vom glücklichen Leben der Menschen auf Moorea – „la vie heureuse“ – erzählten.

Die Silhouette mit den gezackten Bergen bei der Ankunft des Schiffes auf Moorea

Von einem Aussichtspunkt hatten wir einen einzigartigen Blick über die türkisfarbene Lagune, die durch ein Korallenriff vom tiefblauen Meer getrennt ist, wir sahen ankernde Segelschiffe und die Umrisse der großen Schwesterinsel Tahiti. Die Farben des Meeres und der Lagune wechselte durch die sich immer ändernde Bewölkung ständig.

Moorea ist wie Tahiti und Bora Bora eine der Gesellschaftsinseln und gehört politisch zu Französisch-Polynesien. Die Insel ist ebenfalls vulkanischen Ursprungs und ist sehr fruchtbar, es werden Ananas, Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle angebaut. Die Unterkünfte sind meist einfacher und im schönen landestypischen Stil gebaut, sie sind der Landschaft gut angepasst.

Unsere in landestypischem Stil errichtete Hotelanlage

Bora Bora

Bora Bora gilt als die „Traum-Insel der Südsee“, sie liegt 260 km nordwestlich von Tahiti in einer der schönsten Lagunen der Welt. Die Insel ist ebenfalls vulkanischen Ursprungs, sie ist nur neun Kilometer lang  und an der breitesten Stelle fünf Kilometer breit. Bora Bora ist ein „klassisches“ Atoll mit einem Zentralberg sowie einem Korallensaum und zahlreichen kleinen Koralleninseln (Motus).

Anflug auf Bora Bora, links im Bild eine der Koralleninseln

Das Schönste am Besuch von Bora Bora war für mich der Blick aus dem Flugzeugfenster beim Anflug auf die Insel. Die Insel wirkte nicht so schroff wie Tahiti, und die Farben der Lagune wechselten ständig von intensivem Blau zu leuchtendem Türkis, je nach Tiefe des Wassers.

Bora Bora aus dem Flugzeugfenster beim Landeanflug

Bora Bora gehört zu den teuersten Reisezielen der Welt. Es sind vor allem reichere Amerikaner und Japaner, die die Insel besuchen und dort viel Geld ausgeben. Wenn man sich aber auf der Insel umsieht, haben nur die wenigsten Bewohner etwas von dem vielen Geld, wir haben auch zahlreiche armselige Hütten gesehen, in denen das Nötigste fehlte.

Türkis-blau-farbenes Wasser

Ile des Pins

Die Ile des Pins gilt als schönste Insel des französischen Übersee-Départements Nouvelle Calédonie (Neukaledonien). Die Insel liegt inmitten von Korallenriffen und ist mit dichten grünen Wäldern bedeckt. Der britische Seefahrer James Cook entdeckte sie im 18. Jahrhundert und gab ihr den Namen „Ile des Pins“ – Pinieninsel. Die Bäume, die er sah, waren jedoch keine Pinien, sondern Araukarien, die auf allen Neukaledonischen Inseln heimisch sind und die bis zu 45 m hoch werden können.

Viele Menschen haben ihre Fußabdrücke am Strand hinterlassen
Üppige Vegetation auf der „Pinieninsel“, Ile des Pins

Die schöne Insel wird von vielen Touristen besucht, und dementsprechend ist sie mit allem ausgestattet, was die Besucher gerne haben möchten.

Vorbereitung eines Essens, das im Erdofen gegart wird

Fidschi

Fidschi mit seinen freundlichen Menschen, der vielfältigen Kultur und der schönen Landschaft war für mich die Insel bzw. Inselgruppe, auf der ich mich am wohlsten gefühlt habe. Die Menschen waren besonders herzlich und zuvorkommend, sie schienen alle Zeit der Welt zu haben. Vor allem gefielen mir die schönen Stimmen der Fidschianer, die wir öfter hören konnten.

Pareo aus Fidschi / Fiji

Nur etwa 400 m von unserer schönen Hotelanlage entfernt lag eine kleine Insel mit puderzuckerweißem Strand und mit Palmen bestanden. Dorthin konnten wir mit einem kleinen Boot in wenigen Minuten übersetzen und im klaren seichten Wasser seltene Muscheln finden und besondere Meeresbewohner sehen, wie zum Beispiel leuchtend blaue Seesterne. Aber lange konnten wir es auf der kleinen Insel nicht aushalten, es wurde im Laufe des Tages immer heißer, so dass wir meist nach kurzer Zeit wieder zu der schattigen Hotelanlage zurückfuhren.

„Robinson-Insel“
Strand der kleinen Insel
Völlig unbefangene Kinder

Auf Fidschi ist es leicht, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen, wir wurden immer wieder herzlich mit dem Willkommensgruß „ni sa bula vinaka“ (kurz: „bula“) empfangen und erhielten schnell einen Einblick in die Kultur, die traditionellen Bräuche und das Alltagsleben der Fischianer. Einmal wurden wir in ein Dorf eingeladen, in dem uns der Häuptling das Nationalgetränk „Yaqona“  aus dem Extrakt der Wurzel des Kavastrauchs, der zur Pfefferfamilie gehört, anbot. Später erfuhren wir, dass dies eine besondere Ehre war, die uns zuteil wurde.

Kava-Zeremonie beim Häuptling

Die Musik in vielerlei Form spielt auf Fidschi eine große Rolle. Wir haben einige Gottesdienste erlebt, bei denen mich ganz besonders der kraftvolle und vielstimme Gesang der Fidschianer beeindruckt hat. Ich denke auch gerne an die lauen Abende am Strand zurück, an denen Einheimische verschiedene Instrumente spielten und auf den Abend einstimmten.

Abendliches Trommeln am Strand

Fidschi und die Gesellschaftsinseln Tahiti, Moorea und Bora Bora habe ich zusammen mit meiner Tochter Vanessa vor vielen Jahren besucht, einige Jahre später war ich mit meinem Mann auf der Ile des Pins und anderen Inseln Neukaledoniens.

Die Vielfalt der Inseln in der Südsee ist enorm, man kann die einzelnen Inseln nicht miteinander vergleichen, jede hat ihre besonderen Eigenheiten und Schönheiten.

38 Kommentare zu „Südsee-Impressionen

  1. Deine Reiseberichte gefallen mir alle ausgesprochen gut, liebe Marie und ich freue mich immer wieder umso mehr darüber sie zu lesen, weil ich für solche interessanten Traumreisen niemals die Chance hatte, erst recht nicht haben werde.
    Liebe Grüße und vielen Dank fürs teilen mit uns! 🤗🍀🌺

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    1. Herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe. Man muss nicht immer weit fahren, um sich an schönen Dingen zu erfreuen, das stelle ich zunehmend selbst fest und sehe es auch an Deinen großartigen Photos.
      Liebe Grüße, Marie

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  2. Du präsentierst hier wieder wunderbare Fotos, liebe Marie. Es gefällt, was ich sehe, habe aber besonders bezüglich Tahiti Vorurteile aufgrund von Voodoo Erlebnissen. Hast Du jemals Curacao besucht? Das würde mich interessieren. Von Willemstad stammt der Vater meines verstorbenen Sohnes. Vielen Dank für die vielen Impressionen und liebe Grüße, Gisela

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    1. Vielen Dank für Deine netten Worte, liebe Gisela. Tahiti war die Insel, die mir von allen Inseln am wenigsten gefallen hat, schon allein durch die hohen, auf mich ein wenig bedrohlich wirkenden Berge, auch die Menschen waren nicht so positiv, wie ich es erhofft hatte. Es gab zu der Zeit aber auch eine hohe Arbeitslosenquote, das bedrückt natürlich die Betroffenen. Voodoo -Erlebnisse hatte ich nicht auf Tahiti, allerdings in Brasilien.
      In Curacao war ich kurz, es ist eine sehr schöne Insel, ein Blogger-Kollege ist dorthin ausgewandert, weil es ihm dort so gut gefällt.
      Liebe Grüße, Marie

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    1. Vielen Dank für Deine netten Worte, liebe Anna. Ich freue mich, wenn ich durch die Bilder ein wenig mehr von den interessanten Orten Welt vermitteln kann. Ich wünsche Dir alles Liebe, Marie

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  3. I don’t think I’m going to find such a complete and interesting chronicle of Tahiti. It gives the feeling of being present in your narration and if we add the photos to that, the circle of a fantasy of nature is completed that makes us touch the fifth heaven. It is worth closing your eyes and dreaming of your entrance. It is a unique and unrepeatable opportunity to discover the world. Thank you Marie. It has been a great pleasure to read you. Have a nice week.

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  4. Liebe Marie, Deine Reiseberichte sind einzigartig, spiegeln die Menschen, die Natur und die Kultur wider, wie ich es noch nie gelesen habe.
    Das besondere an Deinen Reiseberichten ist aber, dass man diese Reisen, selbst wenn man sie genauso machen wollte, heute nicht mehr so erleben kann.
    Diese Reisen sollte man sich im Herzen bewahren und Deine Leser sollten einwenig innehalten .
    Die Reisen lassen sich nicht mehr wiederholen, dies mußte ich leidvoll feststellen, als ich z. B.
    Mallorca, Cuba, nach mehr als 20 Jahren erneut bereiste.
    Positiv ist , dass man wieder etwas einfacher Reisen kann, egal welches Reiseziel wir angehen
    – die Vorfreude auf eine Reise ist immer die schönste, beste Reiseplanung.
    Liebe Grüße
    bis bald
    Meggie

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    1. Über Deinen netten Kommentar habe ich mich sehr gefreut, liebe Gisela. Ich bin ganz Deiner Meinung, dass sich Reisen nicht wiederholen lassen, ich habe das auch öfter festgestellt. Man sollte sich die schönen Erinnerungen bewahren und sich darüber freuen, wenn man wieder etwas Neues beginnen kann. Auch in der Nähe gibt es Schönes zu entdecken.
      Liebe Grüße
      Marie

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  5. Bonjour
    Mon ami amie MARIE

    Malgré la distance tu es celle ou celui qui me comprends quand je suis triste
    Tu es celle ou celui qui me réconforte dans ces moments là
    Toi seule ou seul sait me redonner le sourire qu’il se doit
    Comme si tu étais à mes cotés à ces instants précis
    Je vous souhaite une belle semaine et une mention particulière pour la fête des mères aux mamans

    Bonne fêtes des mères pour ce 29 mai à venir
    Bise Amitié Bernard A tous mes amis Amies Soyez Heureux

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  6. Alles Traumziele und ich denke jeder kennt sie vom Namen her ! Du hast sie live erlebt und das ist natürlich eine tolle Erinnerung . Persönlich kenne ich niemand der auch schon dort war !
    Super schön die Farben des Meeres ! Ein Traum

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    1. Vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Ich bin froh und dankbar, dass ich das alles sehen durfte, und die Farben des Meeres fand ich auch unglaublich faszinierend. Aber in der Nähe gibt es auch sehr viel Schönes zu entdecken, man muss nicht weit reisen. Alles Gute, Marie

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      1. Ich denke für mich gibt es in Europa soviel sehenswertes da muss ich nicht um die welt fliegen
        Trotzdem bleiben die sogenannten traumziele natürlich
        Sei froh dass du manche dieser Welt besuchen dürftest!
        Die eindrücke sind gewaltig und begleiten dich dein ganzes Leben
        LG manni

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  7. Liebe Marie,
    wieder einmal bin ich mit Dir mitgeflogen. Diesen fantastischen Reisezielen konnte ich nicht widerstehen. Während Du Dir Deinen Traum schon erfüllt hast, träume ich ihn noch. Wie gerne würde ich mir die Inseln des Südpazifik mal in einer monatelangen Reise anschauen. Bisher war ich, was den Pazifik angeht, lediglich auf den Galapagos-Inseln und dort habe ich schon etwas von dem gefunden, was ich auf den anderen Inseln ebenfalls vermute. Abgeschiedenheit, kleine ruhige Häfen im stillen Ozean, Bootsfahrten, Schnorcheln an Korallenriffen entlang, schöne gemütliche Abende am Meer mit Musik. Es werden wohl noch ein paar Jahre vergehen, aber irgendwann reise ich dieser, Deiner Route hinterher. Und bis dahin sehe ich mir Deine schönen Fotos an und träume.
    Herzliche Grüße vom Atlantik,
    Jens

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    1. Lieber Jens,
      herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar, über den ich mich sehr darüber gefreut habe. Du bist noch jung, da hast Du noch viel Zeit, um Dir Deine Reiseträume erfüllen. Nur die Abgeschiedenheit, die Du auf den Galapagos-Inseln gefunden hast, gibt es nicht auf allen Südsee-Inseln, die ich besucht habe. Der zunehmende Tourismus verändert vieles. Ich bin aber sicher, dass Du Deine „Traum-Inseln“ finden wirst.
      Herzliche Grüße
      Marie

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      1. Soy consciente de que es un gran regalo poder realizar algunos de sus sueños, y estoy muy agradecida por eso. Sé que para muchas personas esto no es posible. LG Marie

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    1. Merci pour tes aimables paroles, Filipa. Je suis content que les photos te fassent rêver un peu. Parfois, les images sont plus belles que la réalité, elles ne montrent que les beaux côtés que vous pouvez apprécier. Je te souhaite une bonne semaine. LG Marie

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