Alltagsszenen in Myanmar

Schon bei meinem ersten Besuch vor 25 Jahren hat mich das Land Myanmar und seine Menschen in den Bann gezogen. Und das hat sich nicht geändert, mich fasziniert immer wieder die Schönheit der Natur, die enormen Kunstschätze, die es dort gibt und vor allem der Charme der Menschen, denen ich begegnet bin. Mich beeindruckt ihre unumstößliche Glaubensstärke, ihr Stolz, ihr Lächeln und die stoische Ruhe, mit der sie die harte Kehrseite der Realität in ihrem Land seit so langer Zeit ertragen haben und noch immer ertragen.

Mönche in der Shwedagon-Pagode in Yangon

In kaum einem anderen Land wird die Verehrung Buddhas so sehr zelebriert wie in Myanmar, etwa 90 Prozent der Myanmaren sind Buddhisten. Im Land hat sich ein sehr ursprünglicher, frommer Buddhismus erhalten, vielleicht auch durch die jahrzehntelange Abschottung des Landes.

Hpa-An

Fast jeder Buddhist in Myanmar geht zumindest einmal im Leben in ein Kloster, auch wenn es nur für kurze Zeit ist.

Einige bleiben nur einige Monate, andere gehen für ihr gesamtes Leben ins Kloster. Vor allem Kinder aus armen Familien entscheiden sich für diesen Weg, da ihre Eltern nicht mehr für sie sorgen können. Das Kloster bietet ihnen Sicherheit und eine Zukunft, auch wenn das Leben im Kloster Entbehrung an weltlichen Dingen bedeutet. Sie sollen nichts besitzen, alles, was sie brauchen, Kleidung, Schuhe, Essen und Trinken wird ihnen gespendet.

Vor 25 Jahren hatten die jungen Novizen noch keine Fremden gesehen
Shwedagon-Pagode in Yangon
Ausblick auf den Ayeyarvady vom Sagaing Hill

Schon vor dem Morgengrauen beginnt der Tag für Mönche und Novizen, sie machen den üblichen Almosengang, bei denen ihnen Gläubige eine Portion Essen spenden (die Gläubigen sehen es ihrerseits als Geschenk an, dass sie etwas Gutes tun können).

Gruppe von Mönchen aus Ton
Am frühen Morgen: Mönche beim Almosengang
Almosengang der Mönche beim Almosengang im Süden von Myanmar

Die weiblichen Anhänger in der buddhistischen Religion, die Nonnen, tragen rosa Roben, aber auch ihnen werden die Köpfe geschoren. Viele Mädchen besuchen schon sehr jung eine der vielen Klosterschulen des Landes. Es ist für sie oft die einzige Möglichkeit, überhaupt eine Ausbildung zu erhalten. Viele von ihnen gehen anschließend in ein Kloster, weil sie gerne weiter lernen möchten. Wer nicht genügend Geld hat und noch dazu auf dem Land lebt, kann das als Mädchen fast nur in einem Kloster umsetzen.

Buddhistische Nonne bei der Andacht in Mandalay
Kyaikpi

Das Weben von Stoffen spielt in Myanmar eine große Rolle. Viele Mädchen und Frauen haben die Fähigkeiten des Webens von ihren Müttern übernommen, es wird von Generation zu Generation weitergegeben. Gewebt wird in vielen Gegenden des Landes, auch bei den Padaung, die durch die „Langhalsfrauen“ bekannt sind (die sogenannten „Giraffenhalsfrauen“ des Padaung-Volkes tragen von Kindheit an einen schweren Halsschmuck aus Ringen, der den Hals scheinbar verlängert).

„Langhals-Frau“ der Padaung im Nordosten von Myanmar

Die wertvolle Lotusseide wird weltweit ausschließlich am Inle-See in Myanmar hergestellt. Die Frauen aus dem Intha-Volk gewinnen die Fasern aus Lotosstängel, die sie mit einem Messer einritzen und vorsichtig auseinander brechen, dann kommen hauchdünne, fast unsichtbare Fäden zum Vorschein. Diese dünnen Fäden verzwirbeln sie zu einem dickeren Faden, bevor sie ihre Tagesproduktion an die Kolleginnen mit den Spinnrädern weiterreichen. Manchmal wird das so entstandene Garn auch eingefärbt, wobei keine Chemie zum Einsatz kommt, sondern nur natürliche Färbemittel, wie zum Beispiel die Rinde vom Mangobaum. Am liebsten wird Lotusseide jedoch ungefärbt weiterverarbeitet. Geschätzt wird Lotusseide auch durch die Fähigkeit, Schmutz von sich zu weisen.

Herausziehen von hauchdünnen Fäden aus den Lotusstängeln für die Lotusseide

Viele Menschen in Myanmar verdienen den Lebensunterhalt für ihre Familien durch den Verkauf verschiedener Artikel.

Straßenhändler in Yangon
Die Tomaten, die auf künstlichen Inseln auf dem Inle-See angebaut werden, müssen vor dem Verkauf erst noch Größe und Qualität sortiert werden

Für die überwiegende Mehrheit der Menschen in Myanmar ist es schwer, ein einigermaßen gesichertes Leben zu führen, sie sind zu arm, um ein festes Dach über dem Kopf zu haben und müssen für ihre Familien und für sich selbst meist mühsam etwas zum Überleben verdienen.

Der Boden wird oft noch mit einfachsten Methoden bearbeitet, gepflügt wird teilweise wie vor langer Zeit.

Ein Auto kann sich kaum jemand leisten, deshalb sind die kleinen Busse meist hoffnungslos überfüllt oder man fährt mit einer Fahrradrikscha oder Booten, wo es möglich ist.

Fahrradrikscha in Naung Shwe
Fahrradrikscha und Kleinbus als Transportmittel in Hpa-An
Kleiner Bus in Yangon

Die große Mehrheit der Menschen in Myanmar muss hart für den Lebensunterhalt kämpfen. Doch der unerschütterliche Glaube, der für Außenstehende schwer nachzuvollziehen ist, hat ihnen bisher immer geholfen und wird es auch weiter tun.

„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen“, dieses Zitat des französischen Schriftstellers und Journalisten Guy de Maupassat (1850 – 1893) trifft besonders auf die Menschen in Myanmar zu, denen ich begegnete.

57 Kommentare zu „Alltagsszenen in Myanmar

  1. Ein faszinierendes Land, das auch mich immer schon sehr für Besuche dort interessiert hat, was aber leider nie möglich war!
    Meine etwas ältere Schwester träumt noch immer davon einmal im Leben nach Myanmar zu fliegen und malte sogar ein Bild in Acryl auf Leinwand, das sie mir dann schenkte, worauf fast haargenau diese drei Mönche abgebildet sind. 😀 Davon gibt es auch einen Beitrag bei mir im Blog, aber es fehlt mir gerade die Zeit danach zu suchen.
    Wieder ein ganz faszinierender und interessanter Beitrag über ein fernes wunderschönes Land mit sehr schönen Sitten und Gebräuchen!
    Vielen lieben Dank dafür und herzliche Grüße von Hanne 🌺🍀💞

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    1. Über Deinen netten Kommentar habe ich mich sehr gefreut, liebe Hanne. Für mich ist es ein ganz besonderes Land, das ich durch den persönlichen Kontakt mit dem Gründers der Myanmar-Kinderhilfe (inzwischen -Stiftung) und durch mehrere Besuche in den Waisenhäusern besser kennengelernt habe. Der Theravada-Buddhismus hat einen großen Einfluss auf die Menschen dort. – Wenn Du das Bild von Deiner Schwester gefunden hast, würde ich gerne ein Foto davon sehen. Die drei Mönche auf dem Foto gefallen mir durch ihre fast majestätische Haltung auch besonders gut.
      Liebe Grüße und einen erholsamen Urlaub von Marie

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      1. Las auch deinen Bericht darüber, liebe Marie und bin davon begeistert!
        Fand zwar nun das Bild der drei Mönche von meiner Schwester, aber leider von mir entsprechend dem Beitrag bearbeitet in meinem Blog:
        https://hanneweb.wordpress.com/tag/meister/
        Der Lebensbaum, der Buddhakopf und auch rechts eingesetztes gehört nicht ins Original und das Bild schenkte mir meine Schwester, weil ich sofort sehr verliebt in diesen Anblick der Leichtigkeit war.
        Sie ist Hobbymalerin mit Leidenschaft und besucht seit Jahren immer wieder eine Kunstakademie um ihr von unserem Vater geerbtes Talent zu nutzen.
        Von ganzem Herzen Danke und alles Liebe auch für dich! 🤗

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      2. Übrigens faszinierte mich bei dem Bild die darauf rüberkommende, anscheinend unbeschwerte Leichtigkeit der Mönche trotz oder wahrscheinlich eher wegen ihrem Leben in Demut und Verzicht.
        Jedenfalls sind deine Fotos und der Bericht über dieses so interessante Land faszinierend und lieben Dank dafür! 🌺

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      3. Vielen Dank für den netten Kommentar, liebe Hanne. Diese Leichtigkeit habe ich nicht nur bei Mönchen öfter beobachtet, die tiefe Glaube hilft auch anderen, selbst in den schwierigsten Situationen. Ich wünsche Dir alles Gute, liebe Grüße, Marie

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      4. Mit dem Verzicht auf weltliche Dinge, Konsumgegenstände, werfen die Mönche auch allen anden Ballast ab, der sie an ihrem Glaubensweg, dem Erreichen des Nirvana, behindern könnte. Dadurch wirken sie so leicht und gelöst. LG Marie

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    1. Vielen Dank für Deine netten Worten, liebe Gisela. Es ist richtig, dass die Menschen dort trotz der oft schwierigen Situation, in der sie leben, insgesamt zufriedenen sind.
      Ich wünsche Dir alles Gute, liebe Grüße
      Marie

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    1. Vielen Dank, liebe Maria, es ist ein enorm faszinierendes Land. Ich hoffe, dass Du es bald einmal besuchen kannst, am besten mit einem einheimischen Reiseleiter, der Dich überall da hin bringt, wo man sonst nicht hin kommt und durch den Du einen umfassenden Eindruck von Land und Leuten bekommst. Liebe Grüße, Marie

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      1. Eine Reiseleitung durch einen Einheimischen ist sicherlich besser, weil man auch Orte kennenlernt, die man sonst nicht entdecken würded. Wir haben bei unserem letzten Besuch im Süden von Myanmar einen Einheimischen als Fahrer gehabt, mit dem wir uns zwar sprachlich nicht verständigen konnten, aber er hatte Anweisungen von dem Leiter des Reisebüros (ein Mitarbeiter der Myanmar-Kinderhilfe) bekommen, so dass wir sehr viel gesehen haben. Irgendwie konnten wir aber dem Fahrer auch unsere nicht geplanten Sonderwünsche mitteilen. LG Marie

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  2. Liebe Marie, dies ist ein toller Bericht aus einem faszinierenden Land, den ich gern gelesen habe. Deine wunderschönen, authentischen Fotos illustrieren dies ganz wunderbar und vermitteln einen Eindruck von einem Leben, dass einfach, hart und oft genug ein täglicher Kampf ist.
    Danke für diesen wunderbaren Artikel!
    Sonnige Grüße über den Rhein…..von Rosie 🥰

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    1. Ganz herzlichen Dank für Deine netten Worte, über die ich mich sehr gefreut habe. Es ist richtig, dass die überwiegende Zahl der Menschen dort hart kämpfen muss, um zu überleben. Aber der unerschüttliche Glaube hilft ihnen enorm (in Myanmar wird vorwiegend der Theravada Buddhismus praktiziert), die Menschen wirken insgesamt ausgeglichener und zufriedener, trotz der schwierigen Lebensbedingungen.
      Sonnige Grüße auf die andere Seite des Rheins, Marie

      1

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      1. Dein liebevoll geschriebener und illustrierter Bericht zeigt dies sehr eindrücklich, liebe Marie. In dieser Gegend der Welt war ich noch nie und darum freue ich mich immer sehr an deinen Ausführungen. Sie zeigen mir sozusagen aus erster Hand, wie ganz anders das Leben dort gestaltet wird.
        Liebe Grüße aus der Morgensonne…von Rosie

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  3. Bonjour , bon mercredi
    Ce matin
    La fraîcheur du matin
    Le chant des oiseaux
    Le soleil qui se lève
    Les rayons passent à travers les rideaux
    Je viens te dire bonne journée
    Attention aux grosses chaleurs restons au frais
    Bisous Bernard

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    1. Thank you very much for your kind words, Manuel, I am very pleased that you get a little insight into the everyday life of the people in Myanmar through the pictures. Buddhism plays a big role in their lives, you can see that everywhere.

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    1. Muchas gracias por tu bonito comentario, querida Elvira. Las mujeres aprendieron a trabajar en los telares desde muy temprana edad de sus madres y abuelas, por eso se ve tan fácil, aunque sea bastante complicado en realidad.
      También yo te deseo un día bendito y hermoso, un abrazo.
      Marie

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      1. Siempre veo con interés tus publicaciones, aportas buen contenido. Que maravilla pasan el aprendizaje de generación en generación. Lo mejor y bendecido día. Lindo fin de semana.
        Gracias. Otro abrazo.
        Elvira

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  4. Vielen Dank für Deinen netten Kommentar, liebe Meggie. Es ist richtig, die Mehrzahl der Menschen in Myanmar schien auch mir zufriedener zu sein als bei uns trotz ihres nicht immer leichten Lebens, wahrscheinlich weil sie in ihrem Glauben tief verwurzelt sind.
    LG Marie

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  5. Liebe Marie,
    wieder einmal habe ich Deine schönen Bilder und spannenden Texte sehr genossen und auch wenn ich kaum etwas über Myanmar weiß, so denke ich auch oft an die Menschen dort, deren Leben bis noch vor kurzem ein wenig sonniger zu werden schien… Leider steht nun schon wieder eine harte Zeit für sie an.
    Nun habe ich wenigstens einmal eine ungefähre Vorstellung, wie die Menschen in Myanmar leben.
    Herzlichen Dank dafür!
    Jens

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    1. Lieber Jens, herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar. Ich freue mich sehr, wenn ich Dir mit dem Bericht einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen in Myanmar geben kann, deren Zukunftshoffnungen wieder einmal brutal zerstört wurden. Die Menschen in Myanmar sind für mich die liebenswürdigsten, die ich kennengelernt habe, und ich hoffe sehr, dass es Dir einmal gelingen wird, Dir selbst ein Bild davon zu machen.
      Herzliche Grüße
      Marie

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    1. Da hast Du wirklich recht, liebe Anna, die lächelnden Gesichter sagen das aus, was die Menschen gerade fühlen. Der tiefe Glaube hilft ihnen auch in sehr schwierigen Situationen, besser damit umzugehen. Liebe Grüße, Marie

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  6. Bonjour
    Comme certains d’entre vous l’ont vu sur mon dernier écris
    Je mets mon blog en pause
    Cela ne signifie pas ne plus écrire
    Mais un bon moments de repos ne fais pas de mal à personne
    Je passerai de temps en temps lire ceux qui voudront me laisser quelque chose
    En attendant je te souhaite tout le bonheur possible , de bonnes vacances , santé
    Ben oui parfois il faut savoir un peu arrêter
    J’ai vécu ici des rencontres exceptionnelles
    J’en sors bouleverser
    Bise avec toute mon amitié
    Bernard

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  7. Liebe Marie, was für ein spannender Artikel über Myanmar und der Bevölkerung, der Deine Liebe zum Land und seinen Menschen sehr schön widerspiegelt. Ich war bislang noch nicht in Myanmar, hoffe aber sehr irgendwann auch einmal dorthin zu reisen. Liebe Grüße.

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    1. Herzlichen Dank, liebe Vanessa. Ich bin sicher, dass Du eines Tages das schöne Land und die bezaubernden Menschen selbst kennenlernst, und zwar mit den bewährten einheimischen Führern, die auch uns vieles nahegebracht haben. Liebe Grüße, Marie

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